Overbacher Special: Dietmar Krug liest aus seinem Roman „Rissspuren“ vor

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Barmen. Dietmar Krug wird am Donnerstag, 28. Mai, um 19 Uhr im Rahmen des vom Förderverein des Gymnasiums Haus Overbach organisierten Overbacher Specials aus seinem Roman „Rissspuren“ vorlesen und mit den Teilnehmern diskutieren.

Wie beschaulich könnte ein Roman sein, der mit diesen Sätzen beginnt: „Das Haus, in dem Burkhard Van der Waiden und seine Eltern lebten, stand am Dorfrand direkt gegenüber dem Friedhof, umgeben von Kornfeldern und Wiesen. Sobald die Nacht sich über das Haus legte, wurde es still in seinen Räumen.“ Der Beginn des Romans ist genial konzipiert, da diese fein gebauten Sätze umkippen in die allabendliche Angst des Kindes beim Einschlafen, und bald wird klar: Dem beschaulichen Ton der ersten Sätze sind schon die Randexistenz und die Bedrohung des Todes eingeschrieben.

Eine rheinländische Dorfkindheit in den 70er Jahren entfaltet sich aus der Erlebniswelt des Kindes, und einige der Szenen und Personen bleiben dem Leser lange im Gedächtnis, besonders dort, wo einander widersprechende Wahrnehmungen einer Person nicht aufgelöst werden. Trotz der hohen Zahl literarischer Kindheitsgeschichten und Demaskierungen von Dorfidyllen ist dieser Roman eine Lektüre wert.

Protagonist des Buches ist der heranwachsende Junge Burkhard, dessen eigene Geschichte mit jener seiner Eltern und Großeltern verbunden ist. Burkhard muss seelisch für die zum Scheitern verurteilte Ehe seiner Eltern herhalten. Seine Mutter will in Wahrheit keine Mutter sein, während sein Vater seinen Kummer in Alkohol ertränkt. Mit seinen pubertären Problemen ist er angewiesen auf seine Freunde.

Hinweise für Ortskundige

Handlungsort ist das Jülicher Land, das aber an keiner Stelle explizit genannt wird. Dem ortskundigen Leser werden aber einige Hinweise gegeben. Der Vater arbeitet beispielsweise in einer Forschungsanlage, in dem Ort befindet sich neben einer Ordensschule für Jungen, die Burkhard besucht, ein „Nonnenbunker“ und ein „gemischtes Gymnasium“. Der Zuname einer Familie des Dorfes heißt „Boslar“, womit der Autor einen Hinweis auf seinen Geburtsort vermittelt. Die Klischees eines Heimatromans werden aber nicht bedient.

Der am 9. September 1963 in Linnich geborene Dietmar Krug studierte nach seinem Abitur, das er 1983 am Gymnasium Haus Overbach ablegte, Philosophie, Geschichte und Germanistik in Aachen und Wien und promovierte mit einer Arbeit über Thomas Mann. Seit 1988 lebt er in Wien. Nach dem Studium arbeitete er als freier Verlagslektor für diverse Wiener Verlage und an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. In den letzten Jahren schrieb Krug für verschiedene österreichische und deutsche überregionale Zeitungen (unter anderem für „Die Zeit“). 2013 erschien sein Romandebüt „Mehr Freiheit“.

Die Lesung ist ein Muss für jeden literarisch Interessierten, für alle, die sich mit dem Mikrokosmos Familie und dem zum Teil komplizierten Geflecht in den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern befassen. Angesprochen werden aber auch alle, die ihre Kindheit und Jugend in der 70er und 80er Jahren im Jülicher Land erlebt haben. Für diese Leserschaft hat der Roman einen hohen Wiedererkennungswert.

Nachdem in den letzten 18 Jahren das Overbacher Special, eine vom Förderverein getragene Veranstaltungsreihe, sehr erfolgreich war, hoffen die Veranstalter auch für das Treffen mit Dietmar Krug auf regen Zuspruch.

Im Anschluss an die Lesung wird der Autor seine Bücher signieren.

Der Eintritt beträgt für Erwachsene 5, Euro, für Schülerinnen und Schüler 3 Euro. Die Veranstaltung findet im Brisson-Forum des Science College Overbach statt.

Die Eintrittskarten sind im Sekretariat des Gymnasiums Haus Overbach erhältlich.

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