Overbacher Literatur-Kurs präsentiert kreativen Märchen-Mix

Von: ptj
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Tanzend verlangen die sieben Zwerge von Schneewittchen (l. Deborah Heineken), dass sie als Prostituierte ihren Teil des Lebensunterhalts verdienen soll. Foto: Jagodzinska

Barmen. „Wir wollten eine neue Interpretation des alten Märchens, die wir letztendlich in der ‚sanften Guillotine‘ gefunden haben.“ Also arrangierte das Ensemble „Crime and Monarch“ aus dem Literaturkurs Q1 des Gymnasiums Haus Overbach das Zusammentreffen mehrerer Märchen, stattete die Figuren mit zeitgemäßen Problemen aus und untermalte die Komposition mit Music- und Tanz-Nummern, modernen Zwischenszenen und einer gewaltigen Prise Humor.

Da der Monarch geköpft wird, bleibt die Frage nach der Sanftheit des französischen Tötungsinstrumentes zunächst offen. Bis der vermeintliche König als Ministerpräsident aus einem bösen Traum erwacht und seinen Kindern ein Märchen vorlesen soll. Die Protagonisten des Stücks sind: Rotkäppchen (Nathalie Gullium), das die Eltern verlässt, weil diese wegen der ständigen Steuererhöhungen die Kosmetika des Mädchens nicht mehr bezahlen können.

Schneewittchen (Deborah Heineken), die von den Zwergen zum Geldverdienen auf den Strich geschickt wird, weil der vom Monarchen halbierte Lohn nicht mehr zum Leben reicht. Der Froschkönig (Max Hillenberg), der zwar märchengetreu von der Prinzessin mit einem Kuss erlöst wird, diese anschließend aber nichts von ihm wissen will. Als Krönung wirft ihn der König (Benedikt Ralfs) auch noch aus dem Schloss.

Vierter im Bunde ist der nikotinsüchtige Hänsel (Phillip Hahn), der wegen der hohen Tabaksteuer seine Zigaretten nicht mehr finanzieren kann. Das Knusperhäuschen ist längst abgebrannt, mitsamt der Alten (Katja Drescher) und Gretel (Leonie Kappust), weil Hänsel das Rauchen im Haus nicht lassen konnte.

Taverne „Zum hinkenden Frosch“

Nach dem Ausräumen diverser Missverständnisse lernen sich die vier Hauptpersonen auf einem Friedhof kennen und schließen Freundschaft. Der Hunger treibt sie in die Taverne „Zum hinkenden Frosch“, wo sie kurioserweise Froschschenkel essen und die Zeche prellen. Hänsel bleibt als einziger zurück, weil er die Zeche abarbeiten muss.

Dabei verliebt er sich in die Wirtstochter. In ihrer Geldnot beschließen die drei anderen, die arrogante Prinzessin (Jana Singler) zu entführen und Lösegeld zu fordern. Der Plan misslingt, weil der Monarch nicht zahlen will. Er hat sich bereits der schönen Zofe (Cordula Eser) zugewandt. So heckt die erboste Prinzessin mit den Kidnappern einen Plan aus, der sie selbst zur Königin macht und ihre Mitstreiter von ihren Problemen befreit.

Die Situation eskaliert, als in einer Marktszene erneut drastische Steuererhöhungen des Monarchen verkündet werden. Alle Betroffenen rotten sich zusammen, brüllen „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Demokratie“ und setzen der Monarchie ein Ende.

Erwähnenswert sind die Zwischenszenen: Ein sprechender Baum (Daniel Plum) beklagt den Prestigeverlust der Bäume. „Auf dem Strich“ treffen Prostituierte beiderlei Geschlechts zusammen, die Schneewittchen und Rotkäppchen verspotten. Eine satanistischen Sekte trifft sich auf dem Friedhof und flüchtet sogleich ins Publikum, als der Froschkönig auftaucht.

Die Zuhörer in der vollbesetzten Aula hatten mächtig Spaß und spendeten dem lebendigen Spiel der kreativen Akteure kräftigen Applaus.

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