Osterbräuche: Die Nacht, in der der Tod ausgelacht wird

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Österliches Zeichen: Jesus symbolisiert das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt. Hier eine Darstellung in der Kirche St. Andreas und Matthias in Lich-Steinstraß. Foto: Mengel-Driefert

Jülich. Ostern ist das Fest der Auferstehung. Immer noch – auch wenn wir dieser Tage mit dem Osterhasen und bunt bemalten Eiern beschenkt werden. Das Osterfest feiert den Sieg des Lebens über den Tod. Nichts weniger als das.

Gefeiert wird traditionell mit verschiedenen Osterbräuchen, dem Osterfeuer in der Osternacht, der Osterkerze, dem Osterlamm, dem Osterwasser, dem Osterlachen oder dem Osterspaziergang. Doch wer kennt schon noch die Hintergründe?

Wir sind den christlichen Symbolen, Ritualen und Brauchtum auf den Grund gegangen.

Zunächst: Ostern hat kein festes Datum. Es richtet sich nach dem Sonnenkalender, findet alljährlich am ersten Sonntag nach Vollmond nach dem Frühlingsanfang statt, erklärt Josef Wolff, Leitender Pfarrer der Pfarrei Heilig Geist Jülich. Die Kernfeier ist in der Osternacht, der Nacht von Samstag auf Sonntag. Denn: Biblisch gesehen kamen die Frauen am frühen Morgen an das Grab Jesu, erklärt Wolff. Daher beginnt in der Propsteikirche der Gottesdienst um 21 Uhr. Gleich zu Beginn wird ein Feuer in einer Schale vor der Kirche entfacht und geweiht, das sogenannte Osterfeuer. Daran entzündet der Pfarrer die Osterkerze. Sie wird in die dunkle Kirche getragen. Die Kerze gilt als Zeichen des Lebens, symbolisiert den vom Tod auferstandenen Jesus Christus. Der Kerzenschein bringt Licht in die Dunkelheit so wie Jesus Licht in die Welt gebracht hat. Auch Wasser ist ein Zeichen des Lebens. In der Liturgie der Katholischen Kirche wird das Taufwasser während der Osternacht geweiht.

Ein eher unbekannter Brauch ist das Osterlachen. Wie es das Wort schon beschreibt, es darf also an Ostern gelacht werden. Das ist jetzt nicht so ungewöhnlich. Aber in der Kirche? Ja, auch in der Kirche. Dann kann die Predigt sogar lustig sein.

Der Sinn ist schnell erklärt: Mit der Auferstehung wird der Tod Jesu überwunden, und das ist schließlich ein Grund, fröhlich zu sein. „Der Tod wird ausgelacht, ja er wird lächerlich gemacht“, so erklärt es Josef Wolff, der ebenfalls in der heutigen Osternacht, im Verlauf seiner Predigt, den einen oder anderen zum Lachen bringen will.

Zum Fest gehört für viele Christen ein Spaziergang, auch diese Tradition hat einen biblischen Bezug. Der Osterspaziergang erinnere an die Emmaus-Jünger, sagt Wolff. Sie sind auf ihrem Weg von Jerusalem nach Emmaus dem auferstandenen Jesus begegnet.

Bleibt noch die Klärung des allgegenwärtigen Osterlammes, das am ehesten die Chance hat, dem Osterhasen den Rang abzulaufen. So niedlich es anzusehen ist, in Kuchen- oder Schokoladenform, der Hintergrund ist bedeutend. Jesus symbolisiert das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt. Jesus wird in dieser Darstellungsform mit einem Opfertier verglichen, entstanden aus dem Ritual am Pessach-Fest, bei dem im Gedenken an Gott ein Lamm geschlachtet wird. Hier wird ein Vergleich mit der letzten Nacht der Israeliten vor dem Auszug aus Ägypten und dem Ende der Gefangenschaft gezogen. In der Kirche St. Andreas und Matthias in Lich-Steinstraß sieht der Kirchenbesucher ein großes Lamm hinter dem Altar. Das Bild zeigt deutlich den Opferritus, denn aus dem Hals des Tieres fließt Blut in einen Kelch. Eine blutrünstige Darstellung? Nein, sagt Wolff, an Ostern gehe es doch um Leben und Tod. „Da hat einer sein Leben für andere gegeben.“

Wer die Osternacht in Jülich mitfeiern möchte ist herzlich eingeladen. Der Gottesdienst in der Propsteikirche beginnt um 21 Uhr.

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