Orte der ewigen Ruhe digital aufspüren

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Spurensuche im LVR Kulturhaus Landsynagoge: Referentin Nathanja Hüttenmeister stellt zwei Websites zum Themenfeld Jüdische Friedhöfe in Deutschland vor. Foto: Jagodzinska

Rödingen. Über 2000 jüdische Friedhöfe gibt es heute noch in Deutschland. Und diese stillen Orte erzählen Geschichten von jüdischem Leben auf deutschem Boden. Eine Expertin auf diesem Gebiet ist Nathanja Hüttenmeister.

Im LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen hat die Judaistin, Islamwissenschaftlerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Uni Duisburg-Essen einen Vortrag gehalten: „Archive aus Stein - Jüdische Friedhöfe in Deutschland” lautete der Titel ihres Vortrags. Hüttenmeister zeigte zunächst die Datenbank „epidat” des Instituts zur jüdischen Grabsteinepigraphik (Inschriftenkunde), die epigraphische Bestände erfasst, dokumentiert, veröffentlicht und präsentiert.

30 Grabinschriften in Linnich

Zurzeit sind online in digitaler Edition bereits 100 Inschriftenkorpora mit 20.953 Grabinschriften verfügbar, aus NRW sind 61 jüdische Friedhöfe dokumentiert. Sowohl über die alphabetische als auch die regionale Aufgliederung der digitalen Edition gelangt der User auch nach Linnich. Dort sind 30 Inschriften von 1821 bis 1938 verzeichnet, über die kurze Texte zur Lage, Geschichte und Literatur Auskunft geben, versehen mit einigen Fotos. Vier Suchmasken stehen bei der Sichtung der Bestände zur Verfügung: Information, Volltextrecherche in Inschriftentext und Übersetzung, Direktansteuerung eines bestimmten Jahres und Indizes wie Namenslisten, Wortformen oder Abkürzungen. Zudem werden zwei Fremdformate zur Weiterverarbeitung der Datensätze angeboten.

Zweites Themenfeld war die Präsentation der Website „Spurensuche”, die das Duisburger Institut mit Unterstützung des Leo Baeck-Schulprogramms entwickelte. Es handelt sich um ein Online-Handbuch zum breiten Themenfeld „Jüdischer Friedhof”, das aussagekräftige Grabinschriften und Symbole auch Besuchern ohne Hebräischkenntnisse „dechiffriert”.

Die Informationen mit meist bebilderten Beispielen reichen von Regeln zum Besuch eines jüdischen Friedhofs über Tod und Bestattung, Grabsteine, Inschriften und den jüdischen Kalender bis hin zu Projekten und Schriftquellen.

Hüttenmeisters freies Referat zu den Themenpunkten der Website erlaubte auch die Beantwortung zahlreicher Fragen aus dem Publikum.

Zur Sprache kam so auch das durch das „dauerhafte jüdische Ruherecht” verursachte Platzproblem vor allem in Israel. Nach dem interessanten Vortrag bot sich den Zuhörern die Gelegenheit, mit den Judaistinnen Hüttenmeister und Monika Grübel die neuen Erkenntnisse auf dem jüdischen Friedhof in Rödingen live nachzuvollziehen.
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