Orgelspiel von filigraner Feinheit

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Die koreanische Organistin Yeheun Ju brillierte in der Evangelischen Kirche in Linnich. Foto: Wolfgang Emde

Linnich. Die Königin der Instrumente, die altehrwürdige Orgel, wirkte selbst bei der Literatur der alten Meister jugendlich frisch unter den Händen der Koreanerin Yeheun Ju. Die junge Pianistin gastierte auf ihrer Tournee durch Europa in der evangelischen Kirche in Linnich, einem Raum der sowohl seitens des Instrumentes, wie auch durch seine Akustik als Konzertraum prädestiniert ist.

Die junge Dozentin, die an der Universität in Seoul wirkt, konzertierte in Linnich im Rahmen des Kultursommers. Die Zuhörer in dem gut besetzten Kirchenraum erwartete ein gehaltvolles Programm, bei dem die Organistin ihre Vielseitigkeit und ihr breites Können zeigte. Stilvoll waren die Programmpunkte auf koreanisches Papier gedruckt. Rezitativisch in Ein- und Vielstimmigkeit, mit Modulationen durch viele Tonarten, harmonische Vorwegnahmen und enharmonische Umdeutungen machen die Fantasie g-Moll von Johann Sebastian Bach zu einer seiner interessantesten und kühnsten harmonischen Schöpfung. Diese prägnanten Elemente wurden von Yeheun Ju mit großer Eleganz und Werktreue herausgearbeitet. Sie entwickelte eine unnachahmliche spielerische Eleganz und Leichtigkeit, die selten bei Bachinterpretationen zu erleben ist. Ruhig und innig vorgetragen erklang „Christ, unser Herr, zum Jordan kam“ und die Fuge g-mol, die insbesondere in ihren Mittelpartien von fast überirdischer Schönheit ist.

Von dem französischen Orgelspieler und Komponisten Nicolas de Grigny standen die Fuge á 5, der Dialogue sur les Grands Jeux auf dem Programm. Sein Wirken in St. Denis bei Paris und in der Kathedrale in Reims inspirierte ihn zu seiner Komposition „Premier livre d ´orgue“. Zurückhaltend aristokratisch, aber auch vergeistigt ist seine Musik zu erleben. Yeheun Ju stellte den Dialog der Stimmen und die Farbigkeit der Register in den Mittelpunkt. Festlichen Charakter wies das Concerto del Sign. Vivaldi auf, das sich auf der kleineren Orgel vorzüglich darstellen ließ. Beeindruckend war die wunderschöne Stimmführung beim klangvollen Adagio.

Fremde Klänge

Typisch süddeutsch ist die „Toccata duodecima et ultima“ von Georg Muffat. Feierlich, sparsam im Pedal, stark in den Kontrasten stellt sie ein überaus hörenswertes Werk dar. Ein Meister der Form ist Joseph Rheinberger, dessen ganz persönlicher Stil in der Sonata Nr. 4 deutlich wurde. Rauschende Klangfülle, rasante Läufe, gewaltige Schlussakkorde forderten von der Musikerin höchste Spielkunst.

Interessanter und wunderschöner Abschluss des Programms war die Aufführung von „Arirang Dancing“, eine traditionelle koreanische Melodie, die bei internationalen Sportveranstaltungen für die gesamten koreanischen Mannschaften als Ersatz für die Nationalhymne gespielt wird. Die fremden Klänge der traditionellen koreanischen Musik auf dem alten, traditionellen Instrument der Orgel gespielt hatten ihren besonderen Reiz. Fremde Klänge auf dem vertrauten Instrument zeigten die weltumspannende und einigende Macht der Musik. Graziös, sehr melodisch, mit Effekten der Programmmusik und der Filmmusik, beflügelten die Orgelklänge die Fantasie der Zuhörer und ließen Bilder des fremden Landes vor dem inneren Auge erscheinen. Die Orgelspielerin erreichte eine Klangfülle, die der eines ganzen Orchesters vergleichbar war.

Das Publikum feierte begeistert eine Organistin, die unvergleichlich differenziert ihr Instrument beherrscht. Voluminöse, feierliche Klänge, filigrane Feinheiten, technische Finessen, das ganz Repertoire der Orgelkunst beherrschte sie perfekt. Das Orgelkonzert in Linnich war ein Hörgenuss.

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