Linnich - Organtransplantationsbeauftragter spricht über Vorteile und Probleme

Organtransplantationsbeauftragter spricht über Vorteile und Probleme

Letzte Aktualisierung:
12317136.jpg
Ein Organspendeausweis kann für einen Erkrankten die Chance auf ein besseres Leben bedeuten. Trotzdem haben viele Menschen Vorbehalte. Der Tag der Organspende soll helfen, wichtige Fragen zu beantworten. Foto: dpa
12317138.jpg
Dr. Achim Fritz vom Linnicher St.- Josef-Krankenhaus. Foto: ctw

Linnich. Am Samstag ist der Tag der Organspende, organisiert von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Die Zahlen der Organspenden gehen seit Jahren zurück. Guido Jansen hat sich mit Dr. Achim Fritz vom Linnicher St.-Josef-Krankenhaus unterhalten. Fritz ist leitender Arzt für Nephrologie und Dialyse in Linnich sowie der Organtransplantationsbeauftrage des Hauses.

Welcher Sinn steckt hinter dem Tag der Organspende?

Fritz: Ein solcher Tag hilft, global Aufmerksamkeit für dieses Thema zu gewinnen, wenn es an vielen Orten Aktionen gibt. Seit ein paar Jahren sind die Zahlen der Spenden rückläufig, nachdem es ein paar Skandale gegeben hat. Es geht darum, die Vorbehalte gegen die Spende zu beantworten.

Einer der Vorbehalte ist fehlende Transparenz bei der Verteilung der gespendeten Organe.

Fritz: Eurotransplant hat ein sehr ausgeklügeltes System mit Wartezeiten auf ein Spenderorgan und Punktezahlen, die erreicht sein müssen. Das ist nicht transparent, auch für die Mediziner nicht. Da gibt es definitiv Verbesserungsbedarf.

Aus Ihrer persönlichen Beobachtung: Wie wirkt sich eine Spende auf einen Empfänger aus?

Fritz: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Ein Spenderorgan lässt sehr lange auf sich warten, es dauert meistens sechs bis zehn Jahre. In dieser Zeit verbessert sich der Zustand des Patienten nicht. Eine rasche Transplantation würde besser helfen. Und dann stellen sich noch medizinische Fragen. Wie nimmt der Körper das Organ an? Wie funktioniert die medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems? Andererseits ist es immer das Ziel, eine Dialysefreiheit zu erreichen.

Also ist nach einer Transplantation nicht automatisch alles gut?

Fritz: Eine Transplantation ist kein Grund zur Sorglosigkeit. Man muss lebenslänglich immununterdrückende Medikamente nehmen. Damit ist man beispielsweise viel schneller gefährdet, wenn Erkältungen grassieren. Es wäre aber sicher falsch, vor einer Transplantation Angst zu machen. Wenn man nach einer erfolgreichen Transplantation ohne Dialyse leben kann, dann ist das ein großer Unterschied.

Es gibt viele Werbekampagnen für das Anlegen eines Organspenderausweises. Gleichzeitig gibt es viele Vorbehalte. Wie erklären Sie sich das?

Fritz: Das ist eine wichtige Funktion, die ein Tag der Organspende haben kann. Wir begegnen häufiger der Angst, dass sich Ärzte weniger Mühe geben, jemanden zu retten, wenn er einen Organspenderausweis hat – angeblich, weil die Organe gebraucht werden. Diese Angst können wir den Menschen ganz sicher nehmen. Es macht überhaupt keinen Unterschied, ob jemand einen Ausweis hat.

Eine der Ängste ist auch, dass jemand vielleicht doch noch nicht tot ist, wenn ihm Organe entnommen werden.

Fritz: Ja, diese Angst gibt es häufig, auch bei Angehörigen oder Betreuern eines Menschen, der einen Organspenderausweis hat. Man muss den Angehörigen die Irreversibilität des Hirntodes erläutern.Und man muss ihnen erklären, dass der Hirntod von zwei voneinander unabhängigen Fachärzten festgestellt werden muss, die beide nichts mit der Transplantation zu tun haben. Ich habe in 23 Jahren als Arzt noch nicht gehört, dass jemandem Organe entnommen wurden, der nicht hirntot war.

Im Gegensatz zur Stammzellenspende, bei der es ein Höchstalter von 55 Jahren gibt, spielt das Alter bei einer Organspende keine Rolle. Warum?

Fritz: Zunächst einmal muss ein Spender 18 Jahre alt sein. Im Kindesalter entscheiden die Eltern. Es gibt das Prinzip old for old, also alt für alt. Für einen älteren Patienten kommen auch Organe von älteren Spendern infrage. Old to old verkürzt auch die Wartezeit.

Neben der Niere – welche Organe werden ansonsten transplantiert?

Fritz: Nach der Niere wird das Herz am häufigsten transplantiert, dann noch Leber, Bauchspeicheldrüse und Lunge.

Wie stehen Sie persönlich zu dem Thema?

Fritz: Als Mediziner habe ich mehr Einblicke in das Thema. Wenn ich Betroffener wäre, dann würde ich eine Transplantation anstreben. Ich würde das immer empfehlen anstelle einer Nierenersatztherapie.

Wie viele Organentnahmen gibt es im Linnicher Krankenhaus?

Fritz: Wir sind ein kleines Krankenhaus, im vergangenen Jahr hatten wir eine Entnahme, 2014 zwei. Die Entnahme führen wir nicht selbst durch. Wir erfahren, wohin das Organ geht, aber nicht an wen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert