Ohne Wehrpflicht kein Kreiswehrersatzamt in Jülich

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:

Jülich. Der Anlass war feierlich: Benjamin Schulz ist am Dienstag als der neue Leiter des Kreiswehrersatzamtes Jülich vorgestellt worden. Diese Dienststelle der Bundeswehr mit etwa 50 Beschäftigten mustert jährlich 5000 junge Männer aus den Kreisen Düren und Heinsberg, der Städteregion und der Stadt Aachen.

Was aber, wenn die Wehrpflicht kippt? Die Debatte um die Struktur der Streitkräfte war beim Festakt in Jülich allgegenwärtig.

„Wir werden abwarten müssen, wie politisch diskutiert wird und welche Resultate die Parteitage in naher Zukunft haben. Die Wehrpflicht hat sich in über 50 Jahren bewährt und ist das Markenzeichen der Bundeswehr. Ohne Not hiervon zu lassen, wäre aus meiner Sicht nicht begründbar”, sagte am Rande der Feier Georg Stuke gegenüber unserer Zeitung. Er ist Präsident der Wehrbereichsverwaltung West (Düsseldorf), die unter anderem für 19 Kreiswehrersatzämter in NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland zuständig ist.

Vor dem Frühjahr 2011 seien keine Standortentscheidungen zu erwarten, hatte Stuke bei der Vorstellung des neuen Chefs in Jülich beruhigt. Und vor diesen müssten erst einmal grundsätzliche Überlegungen reifen, ob sich die Bundeswehr als Armee nur mit Berufs- und Zeitsoldaten sowie Freiwilligen aufstellt - oder an Wehrpflichtigen festhält.

Noch grundlegender ist die Frage, wie stark die Truppe sein soll. In verschiedenen Modellen schwankt die Zahl zwischen gut 150.000 und 205.000 - gegenüber rund 250.000 Uniformierten bislang. Der Präsident der Wehrbereichsverwaltung appellierte: „Das Thema darf nicht nur von der Haushalts- und Finanzlage abhängig gemacht werden.”

Mitarbeiter besorgt

Sollten aber keine Wehrpflichtigen mehr benötigt werden, sind wohl auch die Behörden überflüssig, die sie mustern. Das wollte so in Jülich niemand sagen. Hinter vorgehaltener Hand waren aber die Sorgen des Personals deutlich zu vernehmen. Manch einer arbeitet seit fast vier Jahrzehnten in diesem Kreiswehrersatzamt. Zwar muss niemand um seinen Job fürchten. Doch Versetzungen im Umkreis von 150 Kilometern sind denkbar.

Die Bundeswehr muss auch nach einer Verkleinerung ihren erheblichen Nachwuchsbedarf stillen. Georg Stake: „Bei einer Größenordnung von 195.000 brauchen wir jährlich etwa 20.000 neue Soldaten.” Der neue Leiter des Kreiswehrersatzamtes Jülich kündigte für sich und seine „Mannschaft” an, der Unsicherheit mit Engagement und Herzblut entgegenzutreten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert