Bourheim - Ohne Menschen keine Kirche: Diskussion um Bourheimer Gotteshaus

Ohne Menschen keine Kirche: Diskussion um Bourheimer Gotteshaus

Von: ptj
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Sind wir bereit, die Kirche aufzugeben? Darüber diskutierten 30 Bourheimer engagiert. Foto: Jagodzinska

Bourheim. „Wird die Bourheimer Kirche verkauft?“ Unter dieser Überschrift hatte ein Team um den Gemeinderatsvorsitzenden Norbert Freudenberg und den Gemeinderatsmitglied und Wortgottesdienstleiter Dietmar Müller zu einer Info-Veranstaltung ins Pfarrheim eingeladen.

In der Diskussionsrunde zugegen waren ebenfalls Gemeindereferent Ralf Cober, zuständig für den Seelsorgebereich Süd-West, und Pfarrer i.R. Dr. Peter Jöcken, Subsidiar in der Pfarrei „Heilig Geist“. Die Moderatoren Müller und Freudenberg zeigten sich von rund 30 Interessierten „positiv überrascht“. Hinter der Überschrift verbirgt sich eigentlich zusammengefasst die Frage: „Sind wir bereit, die Bourheimer Kirche als Gotteshaus und Identitätszentrum aufzugeben?“

Erwähnenswert ist der Abschluss des Entscheidungsprozess „KIM 2“ im Kirchlichen Immobilienmanagement, in denen Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte über ein neues Raumkonzept in den veränderten Rahmenbedingungen abgestimmt haben. Nach Beschluss in der Pfarrei „Heilig Geist“ erhält das Pfarrheim als Begegnungsstätte weiterhin Fördergelder aus dem Bistum, nicht aber die Kirche.

Das ist weniger dramatisch, als es sich zunächst anhört, denn St. Mauri ist denkmalgeschützt und ihr „Fabrikfonds gut gefüllt“. Neben der Wirtschaftlichkeit sprach Freudenberg die Leistbarkeit an: Lohnt sich der Aufwand für eine Messe mit drei Besuchern?

Zudem hat nach Bekunden Müllers Propst Josef Wolff den Erhalt der 16 Kirchen in der Pfarrei „Heilig Geist“ für die nächsten zehn Jahre unter der Bedingung zugesagt, dass „noch Leute kommen“. Freudenberg fasste zusammen: „Wenn die Leute die Kirche verlassen, wird die Kirche den Ort verlassen“. Wie aber das Gotteshaus wieder füllen?

Es muss „etwas Besonderes her“. Dabei würden beispielsweise auch Frauen-Wortgottesfeiern in Abstimmung mit der Frauengemeinschaft lange nicht so gut besucht wie etwa Exequien/Beerdigungen. Da nicht „jede Woche einer von uns sterben kann, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen“, wie augenzwinkernd betont wurde.

„Ich vermute, dass wir es nicht schaffen werden, jeden Gottesdienst zu einem Event zu machen. Wir müssen uns an die eigene Nase packen und uns fragen: Wie viel ist uns der Glaube noch wert, um ihn hier mit anderen zu feiern“, sagte Cober.

Als Gründe für das Fernbleiben der Bourheimer Katholiken nannte Müller den Zeitgeist, in dem Gott/Kirche/Gemeinde nicht mehr als notwendig erachtet würden, „Personal“, das nicht gefiele, oder die Leute gingen „woanders hin, wo es besser ist“. Seit der Fusion zur Pfarrei Heilig Geist 2013 hatten einige der 16 Kirchen ein bestimmtes Profil ausgewählt.

So ist St. Franz Sales im Nordviertel anerkannte Jugendkirche, wie die einzige junge Besucherin bestätigte: „Die drei bis vier Leute, die Interesse haben, haben schon einen Platz in St. Franz Sales gefunden“. St. Andreas und Matthias in Lich-Steinstraß fungiert als „Seniorenkirche“, die Propsteikirche als „City-Kirche“ mit speziellem Begleitangebot. Die von Pfarrer Jöcken in den Raum geworfene „Museumskirche“ mit Schätzen aus allen 16 Gotteshäusern gefiel nicht, die Bourheimer wollen keine „tote Kirche“.

Anklang fanden hingegen die Vorschläge „Hochzeitskirche“ oder „Taufkirche“. Für die Spendung dieser Sakramente eigne sich die schmucke kleine Kirche mit barockem Inventar und genau der richtigen Größe für solcherlei Veranstaltungen. Als weitere alternative Nutzungen wurden Ausstellung, Lesungen und Konzerte im kleineren Rahmen vorgeschlagen.

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