Offenes Denkmal: „Wie kam ein solcher Altar nach Linnich?”

Von: jago
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Antwerpener Hochaltar in St. M
Antwerpener Hochaltar in St. Martinus Linnich: Am Tag des offenen Denkmals vermittelte Dr. Maria Krämer dem sehr interessierten Publikum die große kunst- und kulturhistorische Bedeutung des geschnitzten und gemalten Meisterwerks. Foto: Jagodzinska

Linnich. Etwas mehr als 30 Besucher waren anlässlich des Tags des Offenen Denkmals der Einladung in die Linnicher St. Martinus Kirche gefolgt. Dort nahmen sie die Gelegenheit wahr, aus kompetentem Mund Einzelheiten und Hintergründe über den etwa 500 Jahre alten geschnitzten Flügelalter zu erfahren.

Als Referentin erläuterte Dr. Maria Krämer nicht nur die Herkunft des „Produkts aus Antwerpen”, das mit Eichenholz aus dem Baltikum hergestellt worden ist, sondern ging auch auf viele kleine Einzelheiten und versteckte Feinheiten des Linnicher Altars ein, den sie als „Hochkaräter seiner Art” einstufte.

Unter den interessierten Zuhörern befanden sich einige Fachleute, die ihr vorhandenes Wissen auffrischten, andere freuten sich, ihrem Erfahrungsschatz Neues hinzuzufügen. An der Herstellung eines derart komplexen Kunstwerks waren damals viele Spezialisten beteiligt. Kastenmacher, Schreiner, Schnitzer, Tafelmacher oder Fassmaler - jeder einzelne ohne Zweifel ein Könner seines Fachs.

„Wie kam ein solcher Altar nach Linnich?”, lautete eine Frage. Die Auflösung: Man hatte in Antwerpen schnell erkannt, dass die hochwertigen Schnitzaltäre ein begehrtes Handelsprodukt waren, mit denen sich viel Geld verdienen ließ. Da einige Linnicher Kaufleute ausgezeichnete geschäftliche Beziehungen mit der flandrischen Kaufmannschaft hatten und der Ort an der Rur zudem direkt am nördlichen Handelsweg in die Hochburg Köln lag, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Prachtstück in St. Martinus seine Bestimmung fand.

In Antwerpen selbst gibt es so gut wie keinen Schnitzaltar mehr, erfuhren die Zuhörer von Maria Krämer, da diese zu Zeiten der Reformation Opfer des Bildersturms wurden. Glücklicherweise waren die Herrscher im ehemaligen Herzogtum Jülich in dieser Frage etwas toleranter, so dass die Meisterwerke verschont wurden.

Weitere Aspekte des Referats behandelten unter anderem die lokale Aufarbeitung und kunsthistorische Merkmale. So wurde das Wirken der Linnicher Bürgerin Gertrud Küppers angesprochen, die nach dem Krieg mit aufopferungsvollem Einsatz eigenhändig jedes noch so kleine auffindbare Bruchstück des Altars aus Schutt und Trümmern gerettet hat.

Zur stilistischen Zuordnung erläuterte Krämer, dass die von der altniederländischen Malerei im Stile des Jan van Eyck ausgehenden Motivtafeln vom Kunsthistoriker Max Friedländer als „Antwerpener Manierismus” definiert worden seien. Eine seltene Besonderheit sei zudem die Variation des Letzten Abendmahls, das hier als Passahmahl dargestellt sei.

In Kürze werden die dem kleinen Publikum in St. Martinus vorgetragenen Erkenntnisse von Dr. Maria Krämer in erweiterter Form als Buch erscheinen.
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