Jülich - „Offene Zweierbeziehung“: Eine Komödie mit reichlich Tiefgang

„Offene Zweierbeziehung“: Eine Komödie mit reichlich Tiefgang

Von: Hilde Viehöfer-Emde
Letzte Aktualisierung:
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Madeleine Niesche und Thomas Kemper agierten temperamentvoll. Eine erstklassige schauspielerische Leistung in einer brillanten Komödie. Foto: Viehöfer-Emde

Jülich. Bestens in Szene gesetzt wurde das Thema der Offenen Zweierbeziehung in der gleichnamigen Komödie von Dario Fo und Franca Rame. Die Inszenierung des Grenzlandtheaters konnte mit zwei genialen Darstellern aufwarten, denen die Rollen auf den Leib geschrieben waren.

Antonia, gespielt von Madeleine Niesche, erträgt seit Jahren die Seitensprünge ihres Mannes, der sein Fremdgehen mit der verabredeten offenen Zweierbeziehung rechtfertigt. Die treusorgende Ehefrau im Hintergrund ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Die Problematik für den betrogenen Partner wird in den anfänglichen Monologen der Antonia deutlich. Mit Wortwitz, Power und Körpereinsatz schildert sie ihre Leiden, sowie die Szenen ihrer Begegnungen mit seinen Geliebten. Sie beschreibt die Situationen und macht deutlich, dass es in dieser Konstellation nie zwei Gewinner, sondern immer einen Verlierer gibt. Sie erträgt die Situation nicht mehr und hat Selbstmordgedanken.

Ihr Sohn öffnet ihr die Augen und macht ihr bewusst, dass sie diese Opferrolle nicht spielen muss. Er verhilft ihr zu mehr Selbstbewusstsein, sie nimmt ihr Leben wieder in die Hand und hat das Glück, einen interessanten, jüngeren Partner zu finden.

Die Verliererrolle wechselt auf ihren Ehemann, gespielt von Thomas Kemper, als er feststellen muss, dass seine Frau nicht mehr als Opfer fungiert, sondern sich auch einen Liebhaber zugelegt hat.

In geschliffenen Dialogen und mit unwiderstehlicher Situationskomik setzen sich die Ehepartner mit der neuen Situation auseinander. Der bis dahin von der offenen Zweierbeziehung überzeugte Ehemann leidet nun sichtlich unter Eifersucht auf den genialen, jüngeren Rivalen.

Bei aller Leichtigkeit des Spiels und der Freude an dem gehörnten Ehemann hat diese Komödie auch Tiefgang. Das Problem der ehelichen Treue und der unterschiedliche Umgang mit ihr in den traditionellen Rollen der Geschlechter werden deutlich.

Die Emanzipation der Frau, die sich gleich ihrem Mann Freiheiten nimmt, wächst erst und wird von dem Ehemann als unnatürlich empfunden. Die Rechte, die er sich nimmt, stehen ihr nicht zu. „Soll die offene Zweierbeziehung funktionieren, darf sie nur nach einer Seite offen sein, nach der Seite des Mannes. Denn falls die Beziehung nach beiden Seiten geöffnet wird, entsteht Durchzug.“

Dieses Zitat aus der Komödie gibt die Definition des Ehemanns wieder, für den eine Welt zusammenbricht und nun auch Selbstmordgedanken hegt.

Situationskomik

Temperamentvoll agierten die beiden Schauspieler. Das Stück lebte von der Situationskomik, die beim Publikum bestens ankam. Applaus auf offener Szene, herzhaftes Lachen, großer Schlussapplaus mit Bravorufen bewiesen, dass die Komödie bestens ankam. Durch die brillante schauspielerische Leistung von Madeleine Niesche und Thomas Kemper wurde der Theaterabend zu einem einmaligen Erfolg. Schön, dass die theaterlose Zeit in Jülich beendet ist und auch die Stadthalle wieder als Aufführungsort zur Verfügung steht.

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