Offene Labortüren auf dem Campus Jülich

Von: ptj
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Warum bewegt sich die linke Sc
Warum bewegt sich die linke Schaukel schneller? „Physik hat ganz viel mit systematischem Spielen zu tun”. Foto: Jagodzinska

Jülich. Wer würde nicht gerne mal Ingenieuren der Fachhochschule bei ihren Forschungen über die Schulter schauen? Diese Möglichkeit nutzten zahlreiche Gäste am „Tag der offenen Tür” der FH nach ihrem Umzug in den Neubau, wo Labore aller Studiengänge geöffnet waren.

Im medizinischen Bereich der Technomathematik wurde zum Beispiel in acht Jahren das Programm „explore Dicom mobile” entwickelt, das seit seiner Zertifizierung das Betrachten radiologischer Bilder auch auf Tablet-PCs und Handys ermöglicht, wie Prof. Walter Hillen interessierten Gästen demonstrierte. Ein paar Türen weiter bestaunen Besucher vor allem den etwa 10.000 Euro teuren humanoiden „Nao”-Roboter, der auf die Bewegungen eines Mädchens reagierte und nach entsprechender Eingabe im Laptop sogar tanzte. Der Stolz der Technomathematik dient nach Bekunden von Prof. Andreas Terstegge zur Veranschaulichung der Entwicklung mathematischer Modelle und Methoden.

Spaß bereitete der Besuch im Physiklabor: „Physik hat ganz viel mit systematischen Spielen zu tun”, erklärte Prof. Dr. Matthias Rateike, der sogleich darüber informierte, dass „nebenan die ernsthafte Physik” gezeigt wird. Hier aber wurde der Lehrsatz des Pythagoras mit der Waage verbildlicht, und ein vermeintlicher Optikversuch führte in die Geometrie: Ein unter Spiegelglas zu lesender Satz bestand aus problemlos zu entziffernden roten Buchstaben und spiegelschriftlich erkennbaren grünen Lettern. „Es liegt an den Buchstaben selbst”, erklärt der Professor nach einigem Rätselraten der Gäste. Buchstaben wie „D”, „I” oder „E” erscheinen beiderseits leserlich, wenn man in die Mitte einen Spiegel hält. Das „Geheimnis eines Spion-Spiegels” im schwarzen Zelt auf dem Flur war: Nur wer selbst im Dunkeln saß, während es auf der anderen Spiegelseite hell war, konnte durch den Spiegel schauen.

Im Chemielabor lernte der Besucher von Laboringenieur Günter Reißmann zur Gefährlichkeit von Kunststoffen: „Man muss nur vernünftig damit umgehen und gewisse Fachkenntnisse haben”. Styrol sei zum Beispiel sehr giftig - sogleich bei einem zu tiefen Einatmen über der Flasche zu bemerken. Styroporkugeln hingegen seien „nach Aufblähen der Gase ungefährlich”.

Material durchleuchtet

In der Nukleartechnik demons­trierte Dr. Margarethe Marten-Tölle die Durchleuchtung von Materialien per Röntgenstrahl. Wie stark die Strahlung schließlich durch Kupfer, Zirkon oder Silber dringt, hängt vom Material und seiner Schichtdicke ab. Solche Erkenntnisse dienen sowohl dem Strahlenschutz als auch der Medizin.

Viele weitere Labortüren standen offen, Vorträge wurden gehalten, Informationsstände luden ein, Musik, Tanz- und Selbstverteidigungsvorführungen und ausgestellte Gemälde lockten zum Verweilen.

Auch Spirituelles im „Raum der Stille” durfte nicht fehlen. Gleich dreimal lief zum Thema Konsumverhalten der Tierrechtsfilm „Earth­lings”, der deutlich zeigte, wie sehr Tiere als „Mit-Lebewesen” zum Nutzen und Vergnügen des Menschen leiden müssen.

„Ignorieren schützt”

„Kaum einer traut sich hier rein, denn dann müsste man ja sein Leben ändern”, brachte eine Zuschauerin die Zurückhaltung der vielen FH-Besucher auf den Punkt. „Ignorieren schützt”, meinte Dr. Tanja Grüdl, Federführerin der Jülicher Initiative „Konsum um jeden Preis” dazu.
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