Ölspuren binden Kräfte bei den Wehren im Nordkreis

Von: Antonius Wolters
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Bei diesem Fahrzeug war ein Tank voller Diesel undicht und hatte eine lange Ölspur auf die Fahrbahn gezogen: Um bei der Leerung des Tankinhaltes keinen Brand auszulösen, sichern Wehrleute ihren Kollegen mit gezücktem Pulverlöscher ab. Foto: Wolters
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Am Ende tilgt die kleine Kehrmaschine auf dem Parkplatz die letzten Reste des Öleinsatzes. Foto: Wolters

Jülicher Land. „Die Beseitigung von Ölspuren ist nicht unsere originäre Aufgabe“, sagt Udo Diss, Wehrleiter bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Jülich. Sie beteiligt sich an einer Erhebung des Landkreistages, in der der festgehalten wird, wie stark die personalintensive Beseitigung von Ölspuren die Freiwilligen Feuerwehren beschäftigt – und damit auch häufig über Gebühr belastet.

„Wir wollen weg davon“, gibt Diss unumwunden zu, denn die sogenannte Bagatelle Ölspur zieht einen beachtlichen personellen Aufwand nach sich. Laut Diss hat die Jülicher Wehr 2014 58 Ölspuren und 2015 75 Ölunfälle beseitigt und fragt sich, ob die Ehrenamtler da vielleicht die preiswertere Variante darstellten.

Wie schnell man in eine solche Situation geraten kann, hat der Verfasser dieses Artikels unlängst feststellen müssen. Nach einem routinemäßigen Werkstattaufenthalt zur Wartungsinspektion wurde der Wagen am Abend gen Heimat gelenkt. Erst ein herannahender Autofahrer, der ihn mit Warnblinklicht überholt und zum Anhalten animiert hatte, stoppte die Fahrt auf dem Seitenstreifen der B 56: Das Fahrzeug hatte auf etwa vier Kilometern Diesel-Kraftstoff verloren, der die gesamte Rückseite des Wagens verölt und auf der Fahrbahn eine breite und entsprechend lange Spur gezogen hatte.

Kaum war der Wagen an der Bundesstraße abgestellt, entfaltete sich das komplexe Zusammenspiel von Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und städtischem Bauhof: Als das Fahrzeug beispielsweise am späteren Abend vom Abschleppdienst Huckepack zurück zur Werkstatt gebracht wurde, war auf der Bundesstraße längst die große Kehrmaschine unterwegs, die auf der Gegenfahrbahn das von den Wehrleuten großflächig ausgebrachte Ölbindemittel aufnahm, das später zu entsorgen war.

Die Nacharbeiten auf dem Parkplatz, wo sich ebenfalls ein großer Ölfleck angesammelt hatte, übernahm am darauffolgenden Vormittag der Bauhof, der Ölbindemittel streute und später die kleine Kehrmaschine zum Einsatz brachte, um die letzten Spuren des Öleinsatzes zu tilgen.

Diese Arbeitsteilung zwischen Feuerwehr, Ordnungsamt und Bauhof ist zeitlich so geregelt, dass die „zivilen Kräfte“ während der normalen Arbeitszeiten tagsüber von 7 bis 16 Uhr am Zuge sind, die Feuerwehr in der Regel die späteren Zeiten und nachts übernimmt. Zudem ist die Feuerwehr grundsätzlich bei der Abwehr von besonderen Gefahren und Notfällen gefragt.

Dieses Schema wird in vergleichbarer Weise auch in der Gemeinde Aldenhoven angewendet, berichtete auf Anfrage unserer Zeitung Gemeindebrandmeister Wilfried Thelen. Er ergänzte, dass nach Beseitigung einer Ölspur am Ende die Polizei die Straße wieder freigebe. Zudem sei es notwendig, eine Spezialfirma mit der Beseitigung zu beauftragen, wenn Hydrauliköl im Spiel sei. Das kann offenbar nicht von den in Säcken gelagerten Ölbindemitteln aufgenommen werden, sondern eine entsprechend kontaminierte Fläche bedarf der Nassreinigung mit dem zusätzlichen Einsatz spezieller Chemikalien.

Bei den Kosten, die solch ein Einsatz verursacht, ist es die Frage, ob der Verursacher bekannt ist, dessen Versicherung in der Regel die Schadensregulierung übernimmt. Ist der Verursacher eines wie auch immer gearteten Ölunfalls nicht bekannt, muss der sogenannte Straßenbaulastträger die Kosten für den Personal- und Materialeinsatz übernehmen. Bei Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen ist das der Landesbetrieb Straßen NRW. „Die erhalten von uns auch Gebührenbescheide“, sagt Gemeindebrandmeister Thelen zur Praxis, die in der Merzbachgemeinde geübt wird.

Um speziell die Freiwilligen Feuerwehren auf dem Land bei der Aufgabe zu entlasten, Ölspuren zu beseitigen, hat eine Projektgruppe, der alle an dem Thema beteiligten Stellen angehören, im Oktober entschieden, Rahmenverträge mit Reinigungsfirmen abzuschließen, die diese Aufgabe künftig übernehmen sollen. Im Laufe dieses Jahres würden noch das Anforderungsprofil für solche Firmen und die Art der Kontrollmöglichkeiten festgelegt, informierte Gerd Dahmen, Sachbearbeiter Umweltschutz bei Straßen NRW in Gelsenkirchen, auf Anfrage.

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