Düsseldorf/Jülich - NRW will lückenlosen Bericht über Atomkugeln

NRW will lückenlosen Bericht über Atomkugeln

Von: dapd
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Der im Rückbau befindliche Forschungsreaktor des Betreibers Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR). Foto: dapd

Düsseldorf/Jülich. In der Debatte um Brennelementekugeln aus dem Atom-Forschungszentrum Jülich will das Land Nordrhein-Westfalen bis Ostern einen lückenlosen Bericht vorlegen. Es solle geklärt werden, ob vor Ort „die Mengen atomar spaltbaren Materials exakt nachgehalten” wurden, sagte Energie-Staatssekretär Günther Horzetzky (SPD) am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Düsseldorfer Landtags.

Zugleich räumte der Staatssekretär ein, dass die Kommunikation in dem Fall nicht optimal gelaufen ist. Am Donnerstag will das Ministerium bereits schriftlich mitteilen, wann in der Behörde bekannt war, dass die Kugeln doch noch in Jülich lagern.

Chaos um Kugeln

Der Verbleib der zuvor angeblich im Forschungszentrum Jülich vermissten Brennelementekugeln war am Dienstag nach mehrtägigem Streit zwischen Bund und Land geklärt worden. Sie befinden sich im Zwischenlager des Forschungszentrums, wie das Bundesumweltministerium in Berlin mitteilte.

Am Wochenende war eine Debatte über unstimmige Angaben des Forschungszentrums über die auf dem Gelände gelagerten Brennelemente aufgekommen. Die Düsseldorfer Landesregierung hatte laut „Spiegel” den Grünen auf Anfrage mitgeteilt, dass 2.285 Brennelementekugeln in Jülich vermisst würden. Es hieß, sie könnten möglicherweise in der Asse in Niedersachsen eingelagert worden sein.

Der Versuchsreaktor in Jülich lief von 1966 bis 1988 und wird seitdem zurückgebaut. Er galt als Prototyp für den 1989 ebenfalls von der damaligen SPD-Landesregierung stillgelegten Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) in Hamm-Uentrop.

Opposition empört

Die Opposition warf der Regierung ein „Kommunikationsdesaster” vor. „Es kann nicht sein, dass das zuständige Wirtschaftsministerium keinen Versuch unternommen hat, den Eindruck zu verhindern, spaltbares Material sei abhandengekommen”, sagte der FDP-Abgeordnete Dietmar Brockes. Stattdessen seien in der Anfrage im Einvernehmen mit dem Wirtschafts- und Energieministerium unwahre Behauptungen aufgestellt worden. Herausgekommen sei eine „peinliche Posse”.

Von einem „skandalösen Schauspiel” sprach der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hendrik Wüst. Rot-Grün habe auf „Skandalisierung und Verunsicherung der Bevölkerung” gesetzt.

Die Koalitionsfraktionen SPD und Grüne stellten unterdessen für die kommende Plenarwoche den Antrag, „unabhängige Sachverständige zu beauftragen”, um die Geschichte des Jülicher Zentrums im Hinblick auf technische Probleme und Störfälle aufzuarbeiten. Ohnehin läuft eine Sicherheitsüberprüfung der NRW-Atomanlagen als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima.
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