NRW kann Jülicher Castortransporte nicht stoppen

Von: Christian Rein
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Castor Atommüll Jülich
Das Land Nordrhein-Westfalen ist mit einem Versuch gescheitert, die Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus zu verhindern. Foto: Volker Uerlings

Jülich. Im Streit um den Jülicher Atommüll droht ein genehmigungsloser Zustand. Vertreter des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen schlossen am Mittwoch nach einer Sitzung des Aufsichtsrates des Forschungszentrums Jülich (FZJ) aus, dass die Lösung des jeweils anderen noch rechtzeitig vor Ablauf der aktuellen Genehmigung am 30. Juni 2013 erreicht werden kann.

Es geht um 152 Castorbehälter, in denen 288.161 Brennelement-Kugeln aus dem 1988 stillgelegten AVR-Versuchsreaktor lagern. Der Aufsichtsrat lehnte bei seiner Sitzung am Mittwoch den Antrag des Landes NRW ab, die Behälter weiter in Jülich zu lagern. Der Bund, der Mehrheitsgesellschafter des Forschungszentrums ist, möchte die Castorbehälter stattdessen in das Zwischenlager Ahaus bringen lassen.

Um die Genehmigung für eine weitere Lagerung in Jülich zu ermöglichen, müsste das Lager entweder ertüchtigt oder sogar neugebaut werden, da es nicht mehr dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung entspricht. Der Vorsitzende des FZJ-Aufsichtsrats, Karl Eugen Huthmacher vom Bundesforschungsministerium, schloss jedoch aus, dass dies noch rechtzeitig vor dem 30. Juni 2013 erreicht werden kann. Die Rechtmäßigkeit eines neuen Lagers könne man im übrigen erst feststellen, wenn es gebaut sei, ergänzte er. Dem Bund gehe es darum, „alles zu vermeiden, was dazu führt, dass wir in einen genehmigungslosen Zustand geraten”, betonte Huthmacher.

Ein genehmigungsloser Zustand sei aber auch mit Blick auf die Transporte längst nicht ausgeschlossen, hielt dem Helmut Dockter vom NRW-Forschungsministerium entgegen, der stellvertretende Vorsitzende des FZJ-Aufsichtsrats. Bislang liege weder die Transportgenehmigung für die Castorbehälter vor noch die Genehmigung für ihre Einlagerung im Zwischenlager Ahaus. Dockter bezweifelte, dass diese rechtzeitig erwirkt werden kann. Huthmacher räumte ein, dass für die Einlagerungsgenehmigungen noch gutachterliche Stellungnahmen fehlten.

Zu den Transporten selbst wollten sich die Vertreter des Aufsichtsrates nicht äußern. Huthmacher sagte, dass sie Gegenstand eines Genehmigungsverfahrens seien. Ein fertiges Konzept für die Transporte liege noch nicht vor, sagte Huthmacher.

Nach derzeitigem Kenntnisstand sollen die Castorbehälter per Lkw transportiert werden, wie das Forschungszentrum auch bereits in der Vergangenheit unserer Zeitung bestätigt hat. Im Gespräch sind Einzeltransporte mit maximal zwei Behältern gleichzeitig. Dies wären 76 Transporte. Rechnet man pro Woche einen solchen Transport, dann würden die Verlagerung der Castorbehälter nach Ahaus rund anderthalb Jahre dauern. Wenn dies am 30. Juni 2013 abgeschlossen sein soll, dann müsste der erste Transport also bereits im kommenden Januar rollen.

Stichwort: Jülicher Atommüll

Der Jülicher Atommüll besteht aus fast 300.000 Brennelementkugeln aus dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR). Mit dem Versuchsreaktor (1967-1988) sollte nach Angaben des Forschungszentrums Jülich der gasgekühlte Hochtemperaturreaktor weiterentwickelt werden. Die Kugeln haben eine hohe Strahlung und sind damit sehr gefährlich.

Die etwa tennisballgroßen Kugeln sind zum Transport und zur Lagerung in 152 Spezialbehältern vom Typ Castor verpackt. Die Behälter sind wesentlich kleiner als die Castoren für Brennelemente aus kommerziellen Kernkraftwerken. Sie sind weitgehend identisch mit den schon in Ahaus lagernden 305 Behältern mit Brennelementkugeln aus dem Kernkraftwerk Hamm-Uentrop.

Die Behälter schirmen die Strahlung fast vollständig ab, wie das Forschungszentrum mitteilt. Die Strahlung in einem Meter Abstand sei deutlich geringer als etwa bei einem Kurzstreckenflug.

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