NPD-Mitglied soll in Linnich sprechen

Von: Guido Jansen und Daniela Mengel-Driefert
Letzte Aktualisierung:
11155979.jpg
Die Polizei erklärt, dass es rund um die Notunterkunft einen geringen Anstieg an Anzeigen gibt. Foto: Jansen

Linnich. Die Organisatoren der Demonstration gegen die Flüchtlingsnotunterkunft in Linnich am 8. November gehören nach Recherchen unserer Zeitung der rechtsextremen Szene an. Redner auf einer Kundgebung während der Demonstration soll der in der Neonazi-Szene bekannte Christian Remberg sein, der für die NPD im Erkelenzer Stadtrat sitzt.

Die Polizei macht aus Datenschutz-Gründen keine Angaben über die Personen, die hinter der Demonstration stehen. Nur soviel: Die Demonstration ist genehmigt und werde seitens der Polizei „in ausreichender Personalstärke“ begleitet. Angemeldet wurde sie mit dem Slogan „Der Kreis steht auf gegen die Asylinvasion“, beworben wird die Demonstration im Internet unter anderem von einer Initiative names „Bürger stehen auf“. Eine Stellungnahme der Initiative zu den Fragen unserer Redaktion finden Sie im unten stehenden Artikel.

Die Recherchen unserer Redaktion in Linnich decken sich nicht mit den Aussagen von „Bürger stehen auf“, dass es in Linnich auch aktuell immer wieder zu Auseinandersetzungen, Diebstählen und Belästigungen rund um die Notunterkunft komme. Als gesichert gilt nur, dass es in den ersten Tagen und Wochen Probleme rund um die Flüchtlingsnotunterkunft in der ehemaligen Polizeischule gab, weil sich Flüchtlinge falsch verhalten haben, beispielsweise, weil sie auf einem nahe gelegenen Friedhof Bier getrunken und Frauen belästigt haben, vor allem dann, wenn Männer in größeren Gruppen in der Stadt aufgetreten sind. Zudem war von Diebstählen im Umfeld zu hören.

Eine Betreuerin räumte auf der Bürgerinformationsveranstaltung im Juli ein, dass es „ein paar Prozent gibt, die wir nicht im Griff haben“. Informationen unserer Zeitung nach soll die Einrichtung anfangs nicht über ausreichend Fachkräfte verfügt haben. Mittlerweile ist das anders. Das sagte ein Sprecher des Betreibers European Homecare (EHC) auf Anfrage.

„Es gibt keine signifikante Erhöhung der Nahbereichskriminalität“, so EHC weiter, was die Kreispolizeibehörde bestätigte. Eine Sprecherin nannte für Linnich einen „geringen Anstieg“ an Anzeigen für den Zeitraum Anfang Mai bis zu dieser Woche, beispielsweise bei den Ladendiebstählen. Allerdings lägen keine Kenntnisse vor, dass Flüchtlinge hierfür als Verursacher infrage kommen. „Und wir verzeichnen keinen Einsatz im Umfeld, der in Verbindung mit den Flüchtlingen steht.“ Die Lage rund um die Notunterkunft hat sich weitgehend beruhigt, das hat auch die Redaktion mehrfach festgestellt.

„Bürger stehen auf“ sprechen zudem von täglichen Problemen am nahe gelegenen Supermarkt. Auch hier hat sich die Lage gebessert, wie unsere Nachfragen im Umfeld ergeben haben. Die angeblichen tätlichen Angriffe auf das Personal, von denen „Bürger stehen auf“ im Internet berichten, hat es zudem nie gegeben.

Auch die Sichtweise der „Bürger stehen auf“ auf den Aufmarsch der Polizei während der Bürgerinformation der Bezirksregierung im Juli ist Zeugenaussagen zufolge falsch. Die Initiative spricht davon, dass die Polizei mit der Absicht angerückt sei, gegenläufige Meinungen mundtot zu machen. Vor Ort erklärten die Beamten ihren Einsatz, damit, dass sie im Internet Hinweise gefunden hätten, dass sich Anhänger der rechtsextremen Szene verabredet hatten, um die Veranstaltung zum Kippen zu bringen. Bis zur Hälfte des Abends verschärfte sich die Stimmung zunehmend, auch aufgrund der Redebeiträge von Männern, deren Aussehen eine Zugehörigkeit zur rechtsextremen Szene zumindest vermuten ließ. Als die Polizei anrückte, verließ diese Gruppe die Veranstaltung schnell. Anschließend wurde emotional, aber sachlich weiter diskutiert.

Lärm-Problem hat abgenommen

Beschwerden wegen Lärmbelästigung gab es zu Beginn auch von Seiten des Linnicher Krankenhauses, das unmittelbar an die ehemalige Polizeischule angrenzt. Auch hier hat sich die Lage beruhigt, wie Judith Kniepen, Mitarbeiterin der kaufmännischen Direktion, berichtet. „Ein Grünstreifen der Erstaufnahmeeinrichtung grenzt direkt an das Krankenhaus. Die Flüchtlinge spielten Fußball, länger als man sich das so vorstellt. Das wurde geändert. In den letzten Monaten hat es keine Beschwerden mehr gegeben. Wir haben gemerkt, wenn miteinander gesprochen wird, ist es erheblich einfacher.“

„Bürger stehen auf“ antworten auf unsere Fragen

Die Redaktion hat der Initiative „Bürger stehen auf“ einen Katalog mit Fragen geschickt. Die Frage nach den Personen hinter der Initiative blieb unbeantwortet, der in der Antwortmail als Absender genannte Name ist nach Recherchen unserer Zeitung ein Fantasiename.

Hier – in Auszügen – die weiteren Fragen:

Gegen oder für was genau demonstrieren Sie in Linnich? Warum befürchten Sie eine Überfremdung unseres Landes? Können Sie konkrete Beispiele nennen, an denen klar wird, warum Sie sich von der lokalen, regionalen und bundesweiten Politik alleine gelassen fühlen? Bei Ihnen tauchen Begriffe auf wie Gutmenschen, Realitätsverweigerer, Multikultiseifenblase, Schutz von Kindern und der Überfremdung des Abendlandes. Damit stellen Sie eine Nähe zu den Wahlkampfprogrammen von Pro NRW oder der „Rechten“ her. Wie kommentieren Sie diese Nähe?

Die Antworten, ebenfalls in Auszügen:

„Seitdem die alte Polizeischule in Linnich zur Unterkunft für Asylbewerber bereitgestellt wurde, hat sich unser Leben in Linnich dramatisch verändert. Es ist mittlerweile so, dass wir aufgrund einer Vielzahl von Vorfällen in unserer Freiheit eingeschränkt sind. Das heißt, dass manche Teile der Stadt zu sogenannten „No-Go-Areas“ geworden sind. Es kam zu vielen Delikten wie Störung der Totenruhe, indem Afrikaner dort auf Gräbern lagen, Bier tranken sowie auf die Gräber urinierten. Mehrere junge Frauen und Mädchen wurden von den Anwohnern belästigt, indem man diese zu sexuellen Handlungen aufforderte. Es kommt, wie Mitarbeiter des nahe gelegenen Discounter beschreiben, zu täglichen Beleidigungen und Diebstählen. Bei der Bürgerversammlung der Bezirksregierung Köln haben die Anwohner diese Fälle und weitere angesprochen. Dabei kam heraus, dass die Polizei sich teilweise der Verantwortung entzieht. Anstatt sich der Probleme anzunehmen, versuchte man, die Probleme nur runterzuspielen. Als man merkte, dass die üblichen Multikulti-Phrasen noch mehr Empörung verursachten, ließ man kurzerhand ein Großaufgebot der Polizei anrücken. Kurz und knapp, es hat sich nichts geändert und es kommt andauernd zu weiteren Vorfällen. Wir sind die hohlen Phrasen der Gutmenschen satt, die in totalitärer und faschistischer Art versuchen, andersdenkende Menschen zu kriminalisieren. Ebenso wie meist auch die Berichterstattung der Presse. Die Anwohner der Flüchtlingsunterkünfte müssen die Probleme der mittlerweile schon zur Invasion gewordenen Völkerwanderung ausbaden. Sollte es Überschneidungen unserer Positionen mit denen von Rechtsparteien oder Ähnlichem geben, so belastet uns das nicht wirklich. Uns ist egal, in welche Schublade man uns stecken möchte. Uns ist bewusst, dass man versuchen wird, uns zu diffamieren, auch Ihrerseits, das ist halt der heutige Zeitgeist, den wir verurteilen. Demokratie gilt heutzutage halt nicht für jedermann.“

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert