Linnich - Notunterkunft: Wie ein Satellit mitten in Linnich

Notunterkunft: Wie ein Satellit mitten in Linnich

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Bietet jetzt 500 Flüchtlingen als Notunterkunft ein Dach über dem Kopf: die ehemalige Polizeischule Linnich. Foto: Guido Jansen
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Die Landtagsabgeordnete Ingola Schmitz (3.v.r.) wollte sich in Linnich ein Bild vor Ort machen – und kam wie auch Bürgermeister Wolfgang Witkopp (3.v.l.) nicht in die Notunterkunft hinein.

Linnich. Linnich ist bisher eine Art Vorzeige-Beispiel, was die Aufnahme von Flüchtlingen angeht. Die kleine Stadt hat mit ihren Unterkünften in Welz und Gevenich mehr Kapazitäten als andere Kommunen. Linnich konnte sogar Flüchtlinge aufnehmen, die eigentlich den Gemeinden Inden und Titz zugeteilt waren.

Seit der vergangenen Woche nutzt das Land zusätzlich die große Liegenschaft der ehemaligen Polizeischule in der Innenstadt als Notunterkunft. Mittlerweile sind dort nach Angaben der Bezirksregierung 500 Menschen untergebracht, notdürftig und schnell, um zu verhindern, dass die Flüchtlinge obdachlos werden. Die Stadt allerdings fühlt sich ob der rapiden Zunahme der Zahl an Flüchtlingen allein gelassen, der Unmut in der Bevölkerung wächst. Jetzt hat die Bezirksregierung angekündigt, in Sachen Betreuung nachzubessern.

„Die Bedenken bei uns in der Bevölkerung waren am Anfang groß“, sagt Bürgermeister Wolfgang Witkopp über die Zeit, als in Linnich von der Notunterkunft noch keine Rede war. „Aber diese Bedenken waren längst zerstreut.“ 135 Flüchtlinge waren das zur Spitzenzeit, die Linnich selbst betreut hat. Jetzt sind es noch 114, weil die Stadt aufgrund der Notunterkunft keine Neuzuweisungen erhält. „Es gab bisher nie negative Rückmeldungen“, sagt Witkopp. Das ist seit ein paar Tagen anders.

Stefan Helm betreut die Flüchtlings-Thematik bei der Stadt federführend und spricht sogar davon, dass „wir uns mit unserer Flüchtlingspolitik einen guten Namen gemacht haben“. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei hoch – bisher. „Aber jetzt geht das alles vor die Hunde“, erklärt Witkopp die Sicht der Stadt in einem Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Ingola Schmitz (FDP), die sich vor Ort ein Bild machen wollte. „Wenn das so weiter geht, dann kriegen wir ein Problem.“

Innerhalb weniger Tage hat sich die Zahl der Flüchtlinge in der Notunterkunft mehr als verdoppelt, auf rund 500. Es gebe viele Beschwerden wegen Lärmbelästigung, auch aus dem unmittelbar benachbarten Krankenhaus.

Viele der neu angekommenen Flüchtlinge würden in Gruppen durch die Stadt ziehen und sich vor allem dort sammeln, wo es frei verfügbares Internet gibt. „Das ist ganz bestimmt nicht verboten“, sagte der Beigeordnete Hans-Josef Corsten. Allerdings seien größere Gruppen von Männern, die abends durch die Stadt ziehen, ein ungewohnter Anblick. Es sei laut Witkopp zu Beschwerden von Frauen gekommen, die angepöbelt worden sein sollen.

Ingola Schmitz hat gefragt, welche Forderungen die Stadt in Richtung Land stellt. Die Antwort: Mehr Transparenz. Und mehr Sozialarbeiter. „Da ist was aus den Fugen geraten. Die Belegung wird aufgestockt, das Betreuungspersonal aber nicht“, sagt Helm.

In Linnich ist ebenfalls nicht bekannt, wie lange es die Übergangslösung an der ehemaligen Polizeischule geben soll. Nach Auskunft des NRW-Innenministeriums kann das erst entschieden werden, wenn absehbar ist, wie sich die Flüchtlingszahlen weiter entwickeln. „Wenn die Notunterkunft irgendwann wie ursprünglich geplant geschlossen wird, dann steigt auch die Zahl an Flüchtlingen wieder, die wir als Stadt versorgen müssen“, sagte Helm. „Wir wissen aber nicht, ob wir uns darauf vorbereiten müssen.“

Corsten, Witkopp und Helm betonten zudem, dass die Stadt keinerlei Zuständigkeit für die Flüchtlinge in der Notunterkunft hat. „Wir sehen das Problem, dass die Bürger in Linnich jetzt alles in einen Topf werfen“, erklärte Corsten. Gemeint sind damit die neu angekommenen Flüchtlinge, deren Betreuung noch nicht reibungslos läuft und die, die in Linnicher Obhut sind.

„Die Integration dieser Menschen ist ein langer Prozess“, sagte Helm. „Das Telefon ist mehr als reine Sachbearbeitung, da muss man auch Zeit haben, um zuzuhören.“

Weiterhin fordern die Linnicher Verantwortlichen feste Ansprechpartner in der Notunterkunft, die sich auch um die Sorgen der Bevölkerung kümmern.

Erste Schritte in Richtung Verbesserung waren am Mittwoch zu erkennen. Da hat die Bezirksregierung Köln eine Veranstaltung zur Bürgerinformation zum Thema Notunterkunft in Aussicht gestellt und erklärt, dass geplant sei, sogenannte Umfeldmanager einzustellen, die dafür sorgen, dass sich der Kontakt der Linnicher und der neuen Flüchtlingen verbessert.

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