Noch nicht eröffnet, schon gesperrt: Linnicher Skulpturengarten

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
10062646.jpg
Die Steine des Anstoßes: Die herausgeschwemmten Ziegel der Uferbefestigung unterhalb des Skulpturenwegs hält der Wasserverband für ein untrügliches Zeichen der Einsturzgefahr. Foto: Jonel
10062654.jpg
Kurt Beaujean, Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, und Skulpturenweg-Gestalter Gottfried Peter Derks (von rechts) begutachten die gegenüberliegende Ufermauer. Foto: Jonel

Jülich. Eigentlich hätte Kurt Beaujean schon damit beginnen können, an der Eröffnungsrede zu feilen. Der Skulpturengarten hinter dem Linnicher Glasmalerei-Museum ist nämlich fast fertig. Aber ob dieses künstlerisch-gärtnerische Kleinod wie geplant in zwei Wochen zum offiziellen Start des Linnicher Kultursommers der Öffentlichkeit frei gegeben wird, ist noch völlig offen. Der untere Teil des Skulpturengartens ist derzeit von Amts wegen gesperrt.

„Ich bin jetzt erst mal ein bisschen am Boden zerstört“, reagierte Kurt Beaujean auf die Hiobsbotschaft. Die war vergangene Woche bei der Stadt Linnich eingegangen. Der Wasserband Eifel-Rur (WVER) setzte die Stadt darin in Kenntnis, das der untere Weg des Skulpturengartens zu sperren sei. Dieser Weg führt auf der Uferkrone des Mühlenteichs zur Treppe, die den unteren mit dem oberen Teil des Skulpturengartens verbindet. Begründet wurde die Sperrung mit der drohender Gefahr, der Weg könnte als Erdrutsch im Mühlenteich landen. Tatsächlich lassen sich an der Wasserlinie zwei ausgeschwemmte Bereiche in dem Ziegelmauerwerk erkennen, mit dem der Uferweg einmal gefestigt wurde.

Die Stadt reagierte wie aufgefordert und sperrte den Weg. Und hier endet zunächst einmal ihre Einflussnahme. Während die Bewirtschaftung und Unterhaltung des Gewässers in der Verantwortung des Wasserverbandes liegt, ist der Eigentümer des Uferbereichs zwar für alles zuständig, was damit zusammenhängt – etwaige Aufbauten oder Wege. Beim Skulpturengarten aber handelt es sich nicht um ein Projekt der Stadt, sondern um eine mit Sponsorenmitteln finanzierte Initiative des Stadtmarketingvereins. So ist die treibende Kraft hinter dem Skulpturengarten Gottfried Peter Derks, der mit seinem Unternehmen mit Sitz in Barmen das Zusammenspiel Kunst und Gartenbau professionell betreibt.

Derks zeigte sich von der Reaktion des Wasserverbands mehr als überrascht. „Wir sind auf dem Weg mit einem Drei-Tonnen-Bagger gefahren. Da passiert gar nichts“, meinte er kopfschüttelnd. Aus seiner Sicht handelt es sich um eine Fehleinschätzung des WVER. Zum einen sei der Weg zu stark durchwurzelt, um wegbrechen zu können. Zum anderen zeige die Ufermauer keine Vertikalrisse. Die aber seien ein untrügliches Zeichen für Erdbewegung. Die ausgespülten Ziegel seien auf Frostschäden zurückzuführen, die aber keinen nachweisbaren Einfluss auf die Uferstabilität hätten.

Derks will sich nun umgehend mit dem Wasserverband in Verbindung setzen, um die Problematik zu erörtern. Bereits an aufwändige Stützmaßnahmen von eingezogenen Querstreben bis hin zu Spundwänden zu denken, hält der Gartengestalter für nicht angemessen und verfrüht. Derks hat bisher nach eigenen Angaben schon über 500 Arbeitsstunden und 13 Kunstwerke in den Skulpturenpark eingebracht.

Bleibt der WVER bei seiner Einschätzung, schwebt Beaujean ein Plan B vor. Er will den Skulpturengarten und den Mühlenteich in das Integrierte Handlungskonzept einbringen, das in der Stadt immer klarere Formen annimmt. Als Projekt für Naherholung und touristische Nutzung hätte der dann deutlich erweiterte Skulpturenweg die Chance auf finanzielle Förderung und einen optimalen Ausbau.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert