Niedrige Temperaturen: Feuerwehr braucht einen Gasbrenner

Von: Guido Jansen und Ottmar Hansen
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Derzeit spazieren 40 Enten üb
Derzeit spazieren 40 Enten über den zugefrohrenen Schwanenteich. Für die Vögel sind die Temperaturen kein Probem. Denn sie haben ohnehin immer halte Füße. Foto: Guido Jansen

Jülicher Land. Es war kalt. Minus 14 Grad war die Tiefsttemperatur zuletzt. Das Gefrierfach-Klima hinterlässt Spuren in der Region. Aber keine Panik: Ein Zeichen für Klimawandel oder gar den Weltuntergang sind die Minusgrade nicht.

„So außergewöhnlich war das nicht”, sagt Dr. Axel Knaps, der Leiter der Wetterstation am Forschungszentrum Jülich. Beim Blick in die lange Klimastatistik, die die Mitarbeiter der Station erstellt haben, wird klar, was Knaps meint. Minus 14 Grad sind der tiefste Wert, der in den vergangenen zwei Jahren im Jülicher Land gemessen worden ist.

„Das sind normale Schwankungen”, beschreibt Knaps den Temperatursturz. Minus 6,4 war der Tiefstwert 2011. Vielleicht erinnert sich ja noch eine oder andere an die Zeit vor etwas mehr als zwei Jahren. Viel Schnee und minus 18,6 Grad hat die Wetterstation damals registriert. Spätestens zum Beginn der kommenden Woche wird es laut Knaps milder.

Dass das russische Wetter nicht so arktisch kalt war, wie mancheiner das empfunden hat, zeigt die Rur. Denn sie fließt noch. Joachim Lange vom Wasserverband Eifel Rur kann sich nur an vier Jahre erinnern, in denen die Rur zumindest teilweise zugefroren war: 1963, 1985, 1986 jeweils im Februar und 1997 im Januar.

Die Tiefsttemperaturen laut Wetterstation damals: -20,7, -17,5, -16,9 und -20,4. Dass die Rur nicht, wie etwa derzeit die Elbe, so schnell zufriert, hat mehrere Gründe. Neben der schnellen Fließgeschwindigkeit (Lange: „Das Wasser braucht von der Eifel bis zur Maas-Mündung nur etwas mehr als einen halben Tag”) sorgen Einleitungen der Industrie für höhere Wassertemperaturen.

Aus der Tiefe der Talsperre

Hinzu kommt das Talsperrensystem. Auch wenn, wie derzeit beim Obersee, die Oberfläche eine einzige Eisfläche ist: Auf dem Grund der Stauseen ist es auch im knackigen Winter zwischen plus 4 und plus 7 Grad warm. Und vom „warmen” Seeboden wird das Wasser in die Rur abgeleitet.

Mancherorts in Jülich, Titz, Linnich, Inden und Aldenhoven sind Wasserleitungen geplatzt. „Das passiert, wenn die Leute vergessen, ihre Außenleitungen bei solchen Temperaturen abzustellen und zu leeren”, erklärt Adolf Borgend von der Feuerwehr-Leitstelle des Kreises. Deswegen hatte die Wehr einige Einsätze, vorgestern noch in Inden/Altdorf. „Aber das ist nichts Ungewöhnliches”, so Borgend.

Ein größeres Problem für die Feuerwehr könnten eingefrorene Hydranten sein. Wenns brennt und das Wasser ist eingefrohren ist, dann wird´s brenzlig. „Wenn nur der Hydrant eingefroren ist, dann versuchen wir, ihn schnell aufzutauen mit einem Gasbrenner”, erklärt Stefan Fahnert, Brandmeister auf der Feuerwache Jülich. Ist die Zuleitung gefroren, dann hilft auch der Gasbrenner nicht. Dann muss das Wasser, das die Feuerwehr auf ihren Fahrzeugen mit sich führt, ausreichen. Das hat Hallentemperatur und ist nicht gefroren.

Der Briefträger muss trotz Kälte raus. Genau so wie die Müllmänner oder viele Dachdecker. Wärmende Fäustlinge an den Händen der Post-Mitarbeiter scheiden aus, damit lässt sich kein schmaler Briefumschlag greifen. „Unsere Leute haben Spezialhandschuhe aus Wolle an, bei denen die Fingerkuppen frei sind”, verrät Post-Sprecher Dieter Pietruck. Bei Bedarf gibt es auch eine Mütze mit Fell für die Ohren auf Kosten der Post. Nur die wärmenden Spezialschuhe müsse der Zusteller, zu einem Sonderpreis, selbst erwerben.

Nicht nur die Briefträger sind derzeit ordentlich verpackt. Das gilt auch für viele Hunde. Frauchen und Herrchen verpassen ihnen Schal oder Mäntelchen. Bei den meisten Hunderassen nutzen die Vierbeiner-Kleider nur dem Verkäufer in Form von Umsatz. „Die meisten Rassen brauchen das beim derzeitigen Wetter nicht”, sagt Elsa Kalis vom Tierschutzverein Jülich. Lediglich Kurzfellrassen mit dünner Haut nutzt ein Mantel.

„Gesunde Hunde haben mit den Temperaturen kein Problem, wenn sie nicht lange draußen sind, ohne Bewegung zu haben”, so Kalis.

Pfoten versorgen

Allerdings rät sie dazu, die Pfoten der Vierbeiner wegen des Streusalzes zu versorgen. Ausspülen nach dem Spaziergang hilft. „Wir haben unsere Hunde an den Pfoten immer mit Hirschtalg eingerieben.” Was auch wichtig ist: Drinnen braucht Bello frisches Wasser.

Vögel, wie die Enten, die derzeit im Jülich nur auf dem gefrorenen Schwanenteich spazieren können, haben wenig Probleme, wenn sie genügend Nahrung finden. Die Füße sind immer kalt. Aufgrund eines Wärmetauschsystems wird es den Enten trotzdem nicht kalt. Vorteil der kalten Füße: Das Eis unter ihnen taut nicht.

Damit ist auch die Gefahr gebannt, dass Enten auf dem Eis festfrieren. Wenn, dann sorgt das Gefieder dafür, dass das passiert. Nicht in Gefahr war der schwarze Schwan, der angeblich auf dem Kirchberger See festgefroren war und deswegen einen Feuerwehreinsatz auslöste. Er war, wie berichtet, nur eine Attrappe.
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