Nicht nur für Kenner: Das Jülicher Burgenland

Von: Volker Uerlings
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Ende der 80er Jahre wurden die Fundamente von Haus Ahr in Aldenhoven-Pattern ausgegraben und dokumentiert. In diesem Fall half der Tagebau bei der Burgenforschung. Foto: LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
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Guido von Büren hat die Tagung der Wartburg-Gesellschaft mitorganisiert und war am Entstehen von „Die Burg in der Ebene“ Foto: Uerlings

Jülich/Kreis Düren. Die Zeugnisse von Grafschaft und Herzogtum Jülich sind zum Glück so selten nicht. Im ersten Moment denken da wohl die meisten an die beiden bekannten Residenzen dieses Geschlechts im heutigen Kreis Düren, in Nideggen und der Herzogstadt selbst mit ihrer Zitadelle. Doch man kann mit Fug und Recht sagen: Das Land der Jülicher war einmal ein Burgenland.

Nicht weniger als 27 Jülichsche Landesburgen haben die Macht der Herren „aufbauen bzw. stützen können“, wie in einem neuen Band der Wartburg-Gesellschaft zu lesen ist. Der Name des 416 Seiten starken und hochwertigen Schmökers ist Programm: „Die Burg in der Ebene“.

Nideggen und Heimbach zählen nachweislich nicht in diese Kategorie, aber doch Hambach, Oberzier, Müllenark (Schophoven) oder Grevenbroich, Kaster und Bergheim im Rhein-Erft-Kreis. Mit Wilhelmstein (Würselen/Städteregion) und gleich sechs wehrhaften Jülichschen Bauten im Kreis Heinsberg (Wassenberg, Heinsberg, Millen, Gangelt, Geilenkirchen, Randerath) gab es Stützpunkte in der gesamten Region. Denn das war der Zweck der Burgen: Sie boten den Herrschenden bei Reisen durchs Territorium ein Dach über dem Kopf, dienten als Gefängnis oder auch Witwensitz und konnten – wie praktisch – bei Geldmangel verpfändet werden.

Natürlich ist es kein Zufall, dass das gesamte Rheinland und mit ihm auch das Herzogtum Jülich in dem Band eine tragende Rolle spielen. Das reich bebilderte Buch ist ein Tagungsband, der aus einem Treffen der Burgen-Forscher vor drei Jahren in Bonn hervorgegangen ist. Mitorganisator dieser Tagung war Guido von Büren (Museum Zitadelle / Jülicher Geschichtsverein), der den besonderen Hintergrund nennt, warum die Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern ihr Augenmerk auf das Rheinland legte: die Braunkohlentagebaue. Sie sind hier Fluch und Segen zugleich.

Zum einen bieten sie die Möglichkeit, groß angelegte Untersuchungen im Untergrund anzustellen. So ist laut Guido von Büren „unter der eher unspektakulären Hofanlage von Haus Pesch in Erkelenz eine hoch- bis spätmittelalterliche Anlage zum Vorschein gekommen“. Zum anderen reißen sie natürlich auch historische Gemäuer buchstäblich in den Abgrund. Haus Palandt in Erkelenz-Borschemich ist dafür ein Beispiel. Laut von Büren seien „viele wichtige Burganlagen völlig undokumentiert niedergelegt“ worden. Als Beispiel nennt er Burg Lürken bei Altlohn (Aldenhoven). „Das soll in Zukunft nicht passieren.“

Der Band „Die Burg in der Ebene“ beleuchtet auch den Erhalt von Denkmälern. So werde erstmals umfassend die Sicherung und Sanierung von Burg Engelsdorf mit vielen Abbildungen dokumentiert – oder auch die Sicherung der Ordensburg Kommende Siersdorf, die von Büren ein besonderes Anliegen ist. Er ist sich sicher: „Das ist auch interessant für Laien.“ Wer sich für Burgen interessiert, finde „nach langer Zeit eine Zusammenfassung des aktuellen Kenntnisstandes“.

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