Neujahrsempfang: Titz feiert das 850-Jährige

Von: jago
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Norbert Schiffer hob das Glas zum Wohl der Gemeinde und der Ortschaft Titz.

Titz. Ein „in weltliche Hände gelangter in Titz und Spiel gelegener Zehnt von neun Hufen und zehn Morgen“ wurde wiedererworben und der Kölner Kirche St. Gereon übergeben. Für das heutige Titz ist diese am 2. August 1166 durch den Kölner Erzbischof Rainald von Dassel besiegelte Anordnung von besonderer Bedeutung.

In der Urkunde wird Titz (Tyzene) erstmals nachweislich erwähnt, so dass dieses Datum als Ausgangspunkt der offiziellen Zeitrechnung der Ortschaft gilt. Als Auftakt in das Jubiläumsjahr „850 Jahre Titz“ hatten der Heimat- und Geschichtsverein und die Vereinigten Vereine Titz zu einem Neujahrsempfang in das Titzer Pfarrjugendheim eingeladen.

Norbert Schiffer, Ortsvorsteher und Vorsitzender der veranstaltenden Vereine, erinnerte daran, dass es „selbstverständlich hier lange vor 1166 Besiedlung gibt“, zahlreiche Funde bezeugten dies. Die Rodung der umliegenden Wälder um das Jahr 1200 ließ das kleine Dorf aus seinem Schlummerzustand erwachen und es mit seinen tausenden Morgen fruchtbarsten Ackerlands zum bäuerlichen Siedlungszentrum werden.

Die gewaltigen Entwicklungssprünge im Verlauf der letzten 60 Jahre veranschaulichte Schiffer anhand eines privaten Beispiels: „Als man zu meiner Kinderzeit noch auf der Straße Fußball spielte, wählte man nicht Mannschaften, sondern bestimmte kurz und knapp: Dorf gegen Chaussee.“ Heute ist das links der Landstraße (Chaussée) liegende historische Titz mit der rechts liegenden Wohnbebauung, Rathaus, Schulzentrum oder Schwimmbad und Einkaufszentrum zusammengewachsen.

Bürgermeister Jürgen Frantzen zeigte sich sehr angetan vom „Format der Veranstaltung“ und konnte sich gut vorstellen, einen solchen Empfang zum Beginn eines Jahres zu einer festen Einrichtung werden zu lassen. Im weiteren Verlauf seiner Ansprache beleuchtete er die Entwicklung ab 1980, in der er den damaligen Gemeindemüttern und -vätern eine vorausschauende Planung zum Wohle der Bürger, insbesondere der Familien, attestierte.

Damals wurden die Weichen gestellt, dass Titz heute deutlich anders und besser als 1980 sei. In der Gegenwart angekommen, verwies der Bürgermeister auf die leerer werdenden Kassen. Der kleiner gewordene Spielraum dürfe jedoch keinen Stillstand nach sich ziehen, trotz weniger Geld müsse sinnvoll in die Infrastruktur und Zukunftsfähigkeit investiert werden.

Frantzen wagte einen visionären „Rückblick“. Wie könnte sich die gesamte Landgemeinde weiterentwickelt haben, wenn 2066 eine Festrede zum 900. Geburtstag der Ortschaft Titz gehalten würde? Dann könnte auf die Errichtung eines modernen Feuerwehrstandorts zwischen Titz und Jackerath zurückgeschaut werden.

Man würde an die nach 2035 begonnene Errichtung attraktiver Freizeiteinrichtungen am Restsee des abgeschlossenen Tagebaus Garzweiler erinnern oder sich über die 25 Jahre zuvor endlich durchgesetzte Umgehungsstraße freuen, in deren Folge die Landstraße zu einer Allee für den innerörtlichen Anliegerverkehr geworden war.

Schmunzelnd zur Kenntnis genommen wurde Frantzens Vision einer neuen kommunalen Neugliederung, die der gestiegenen Bedeutung der Landgemeinde Rechnung trage: „250 Jahre nach der Errichtung des damaligen Kantons Titz durch die napoleonischen Besatzungstruppen wird Titz erneut Hauptort einer Körperschaft, zu dem neben 22 rechtsrurischen Dörfern auch die vorher selbstständige Herzogstadt Jülich gehört.“

Dem Beifall der 100 Besucher schloss sich einer nicht an – als Gast aus Jülich und Mitarbeiter an einem Buch über die Gemeinde konnte Wolfgang Hommel sich mit dieser gewagten These nicht anfreunden.

Mit einem informativen Vortrag, begleitet von einer von Marcel Cramer kommentierten Diaschau, rief Norbert Schiffer 850 Jahre Titzer Geschichte ins Gedächtnis. Einzelne Themen wie die Entstehung des Wappens oder die Entschlüsselung der Zeichnung des „Fleckens Titz“ im „Codex Welser“, der 1723 erstellten Bestandsaufnahme des Herzogtums Jülich, fanden großes Interesse bei den Zuhörern. Nicht nur den Vortragenden und Rednern merkte man die Liebe zu ihrer Heimat an. Für die musikalische Untermalung sorgte Elena Kelzenberg.

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