Neues Trommelwäldchen in Jülich braucht Zeit

Von: Volker Uerlings
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Vom alten Trommelwäldchen mit seinen bis zu 35 Meter hohen Bäumen im Nordviertel ist seit der Rodung so gut wie nichts mehr zu sehen. Die Neubepflanzung ist inzwischen fast beendet. Unter der Oberfläche befinden sich Trümmer der 1944 zerstörten Stadt Jülich. Die Bäume auf der Anhöhe links stehen auf dem Bodendenkmal Lünette A. Foto: Uerlings
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Unter Anleitung von Förster Moritz Weyland (links unten) setzten die Kinder der Klasse 4d von der Grundschule Nord am Mittwochmorgen Dutzende Bäume und Sträucher. Foto: Uerlings

Jülich. Manchmal wiederholt sich Geschichte doch. Wie schon Anfang der 60er Jahre standen am Mittwoch Kinder einer Jülicher Schule Pate bei der Neubepflanzung des Trommelwäldchens, das kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres gerodet worden war.

Die Mädchen und Jungen aus der Klasse 4d der benachbarten Grundschule Nord packten mit an und pflanzten einige Dutzend Bäume und Sträucher. Sie wurden von Schulleiter Paul Rombach und Klassenlehrerin Heike Bleck begleitet und von Förster Moritz Weyland angewiesen. Vor gut 55 Jahren hatte der laut Zeitzeugen „legendäre Lehrer Lätzsch“ die damaligen Kinder zur Bepflanzung einer durch und durch historischen Jülicher Fläche animiert. Von ihrem Werk ist seit der Rodung nichts mehr zu sehen. Und die Neuanpflanzungen werden einige Zeit brauchen.

Der Boden unter den Füßen der großen und kleinen Baumpflanzer hatte es damals wie heute in sich. Hier wurde ein großer Teil der Trümmer des „alten Jülich“ verkippt, das beim Bombenangriff am 16. November 1944 in Schutt und Asche gelegt wurde. Einige ältere Bürger betrachten die Fläche, die über Jahrzehnte zum grünen Kleinod des Nordviertels heranwuchs, als eine Art „städtischen Friedhof“. Vor diesem Hintergrund, aber auch wegen der natürlichen Funktion dieses wilden Mini-Parks mit seinen hochgeschossenen Bäumen gab es viele Proteste gegen die Rodungspläne.

Dem Kahlschlag gingen Inspektionen durch den zuständigen Förster voraus. Sein Befund: 80 Prozent der Bäume seien geschädigt oder umsturzgefährdet. Rund um die ehemals grüne Fläche befinden sich Häuser und Gärten. Und der Trampelpfad durch das Wäldchen wurde auch rege genutzt. Da stellten laut Weyland die bis zu 35 Meter hohen Bäume mit dünnen Stämmen und zu wenig Wurzelhalt im Erdreich eine potenzielle Gefahr dar. Daraus hat der Forstfachmann seine Lehren gezogen und die Neubepflanzung nun anders geplant.

Wegverlauf abgezeichnet

Entlang der Nachbargrundstücke und eines Weges, dessen Verlauf im Moment hellgrün abgezeichnet ist, wurden Sträucher gesetzt: zum Beispiel Liguster, Heckenkirschen, Pfaffenhütchen oder schwarzer Holunder. Zwischen den Strauchreihen wachsen die neuen Baumsorten in sicherer Entfernung zur Bebauung. Feldahorn, Hainbuche, Ebereschen, aber auch mitunter seltene „Bäume des Jahres“ wie Wildbirne und Wildapfel zählen dazu. Sie alle sind „zweiter Ordnung“, wie es der Fachmann nennt, also mittelwüchsig. Sie werden nur bis zu 20 Meter hoch.

„Wir haben 3700 Sträucher und Bäume in einer Woche gesetzt“, sagte Weyland am Mittwoch. Im Boden befinden sich auch noch Stöcke der Altbepflanzung, die ausschlagen werden, und Saatgut. „Diese Naturverjüngung mit Buchen, Eichen und anderen Sorten kommt hinzu. Wir müssen sie rechtzeitig pflegen“, nennt der Förster die wesentliche zukünftige Aufgabe. Grundsätzlich sei diese Bepflanzungsstruktur deutlich weniger pflegebedürftig als die alte.

An der Optik wird das so schnell nichts ändern, auch wenn der neue Wegverlauf mit Mulch bedeckt ist: Die Fläche sieht auf absehbare Zeit wüst aus. Moritz Weyland denkt, dass nach zwei Jahren das Strauchwerk deutlich gewachsen ist, blüht und Früchte bildet. Bei den Bäumen dauert es sicher länger. Gut erkennbar ist allerdings nun das Bodendenkmal Lünette A als Anhöhe am Rand mit den letzten verbliebenen alten Bäumen. Als Lünette wird ist ein kleines und (häufig) in die Erde gelassenes Festungswerk bezeichnet. Die sieben Lünetten in Jülich stammen aus der Zeit der französischen Besatzung.

Der Name des „Trommelwäldchens“ stammt übrigens auch aus der Militärvergangenheit der Stadt. Genau hier lernten die Spielleute der alten Unteroffiziersschule das Trommelschlagen.

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