Neuer Halt für die Rurtalbahn?

Von: Volker Uerlings
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Die Südbastion des Brückenkopfs: Die Behebung der Feuchtigkeitsschäden wäre sehr aufwändig. Foto: Uerlings

Jülich. Die Rurtalbahn könnte im Jülicher Nordviertel künftig einen weiteren Stopp einlegen. Das soll nach Vorstellung der Stadt im Bereich der Straße An den Aspen realisiert werden, um vor allem die Jülicher Schulen (KGS, Schirmer-, Haupt-, Real- und eventuell Sekundarschule) besser an die Schiene und den ÖPNV anzubinden.

Dieser Plan ist nicht nur technisch problemlos machbar, sondern scheint auch finanzierbar.

Das erfuhr der Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen am Dienstagabend von einem Fachmann der Rurtalbahn. Das Gremium wurde andererseits mit der Ansicht der Verwaltung konfrontiert, die keine finanzielle Möglichkeit sieht, die Südbastion des Brückenkopfes opulent zu sanieren, um sie wieder als Veranstaltungsstätte zu nutzen. Machbar scheint nur die Pflichtaufgabe: nämlich den Verfall des Denkmals zu stoppen.

Verschiedene Varianten

Vor gut einem Jahr hatte ein Fachbüro verschiedene Sanierungsvarianten der Bastion dargelegt, die bei der Landesgartenschau nach der damaligen Sanierung als stimmungsvoller Ort für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen (wieder-)entdeckt worden war. Mit der Herrlichkeit war es aber nach der LaGa gleich vorbei, weil der Teil der napoleonischen Festung von massivem Feuchtigkeitseinfall betroffen war.

Wie im Herbst 2010 berichtet, wurden drei millionenteure Sanierungsvarianten vorgestellt, die Kosten von 1,25 bis 3,85 Millionen Euro verursachen würden. Das alles ist nach Ansicht der Verwaltung trotz bereits bewilligter Landeszuschüsse von 56.000 Euro in 2011 und 311.000 Euro in 2012 für die Herzogstadt nicht finanzierbar, meinen die Experten im Rathaus.

Sie plädieren daher dafür, eine sogenannte „Nullvariante” umzusetzen. Hierbei werden für 310.000 Euro die größten Schäden behoben, um das Fortschreiten des Verfalls zu stoppen und das Bauwerk abzudichten. Argumentiert wird auch damit, dass auf der anderen Seite des Brückenkopf-Parks ein Jugendgästehaus-Komplex entsteht, der diverse Veranstaltungsräume zu bieten haben wird.

Durch Belüftungsmaßnahmen hat sich das Schadensbild in der Bastion inzwischen gebessert. Problem: Die insgesamt knapp 370.000 Euro Landesförderung sind dann für alle Zeit verloren. Der Hauptausschuss in seiner Sitzung am heutigen Donnerstag als auch der Stadtrat müssen in der Sache eine kurzfristige Entscheidung treffen, um nicht auch noch Zinsen für den ersten Landeszuschuss zahlen zu müssen, sondern fristgerecht darauf zu verzichten.

In Sachen Zuschuss scheint der Plan eines Rurtalbahn-Haltes An den Aspen erheblich unproblematischer. Laut Christoph Göddecke (Rurtalbahn) sei das Vorhaben voll förderfähig, so dass von den geschätzen Kosten in Höhe von 327.000 Euro insgesamt 85 Prozent über Zuschüsse finanziert werden könnten. Dann käme die Stadt mit einem Eigenanteil von knapp 50.000 Euro vergleichsweise günstig weg.

Nicht im Kostenrahmen enthalten sind der Grunderwerb, der aber laut Göddecke „überschaubar” sei, und das notwendige „Drumherum”: Ein solcher Bahnhof braucht natürlich eine Zuwegung und eventuell Plätze für Park+Ride- und Bike+Ride-Pendler. Das liegt aber im Ermessen der Stadt. Auf Nachfrage von Matthias Hoven (Jül), ob denn Parkplätze für einen Bahnhof, den vornehmlich Schülerinnen und Schüler nutzen, „zwingend” seien, sagte Göddecke klipp und klar „Nein”.

Das Gesamtverfahren ist laut Rurtalbahn bis Ende 2013 umsetzbar, wenn sich die Stadt Jülich bis Ende März des nächsten Jahres entschieden hat und dann fristgerecht die Mittel beantragt. Der Halt An den Aspen ist mit einem Bahnsteig von 85 Metern Länge geplant und wäre dann auch für längere Züge als heute tauglich.

Auf dem Steig soll es eine Wartehalle, Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und Infovitrinen geben. Ein barrierefreier Zugang ist selbstverständlich. Der Ausschuss unter Vorsitz von Erich Gussen (CDU) signalisierte Wohlwollen, bevor nun die Detailüberlegungen starten.

Das Gremium beendete am Dienstagabend auch zwei langwierige und umstrittene Verfahren. Bei jeweils sechs Gegenstimmen ließ die Ausschussmehrheit die zahlreichen Anregungen und Bedenken zum Bebauungsplan sowie zur Flächennutzungsplanänderung für das Jugendgästehaus passieren. Die Verwaltung hatte - auch unter Mithilfe von Juristen - alle bis Ende Juni vorgetragenen Einwände abgewogen.

Die „Autoren” mussten darauf lange warten und auch erleben, dass die Baugenehmigung für das Projekt auf Basis einer gesetzlichen Sonderregelung bereits erteilt worden ist, noch bevor ihre Anregungen erörtert wurden. Der erste Teil des Gästehauses ist bekanntlich bereits seit Wochen in Bau.
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