Neue Windanlagen: Gegenwind in Gereonsweiler

Von: Gerda Kròl
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Nahe Gereonsweiler sollen 21 neue „Wind-Spargel“ entstehen. Viele Bürger sind dagegen. Foto: Jansen
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Hatten keinen leichten Stand bei der Infoveranstaltung in Gereonsweiler (v.l.): Tancu Mahmout, Wolfgang Witkopp, Sascha Schulz, Axel von der Heide sowie Hermann Josef Reyer und Dierk Schumacher. Foto: Kròl

Linnich. Scharfer Gegenwind blies den Politikern und Planern im Linnicher Stadtteil Gereonsweiler bei einer Bürgerversammlung ins Gesicht. So einfach wollen die Menschen den Bau weiterer Windrädern nördlich von Gereonsweiler zwischen Linnich und Lindern nicht schlucken. Auf der ausgewiesenen Konzentrationsfläche laufen die Planungen zur Errichtung von 21 Windrädern (Nabenhöhe 135,4 Meter).

Zu diesem Vorhaben beginnt am Montag, 22. Juni, die Offenlegung der Pläne und Gutachten für die Bürger. Die Unterlagen sind sowohl im Internet als auch im Rathaus der Stadt einzusehen. Bis zum 21. August bleibt dann Zeit, Bedenken vorzutragen, die in die weitere Planung mit einfließen sollen. Und Bedenken gab es viele bei der Informationsveranstaltung in der Gereonsweiler Bürgerhalle.

Gutachten und Prüfungen

Zahlreiche Bürger waren gekommen und hielten nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg. Zunächst begrüßte Bürgermeister Wolfgang Witkopp die Anwesenden und stellte das Projekt kurz vor. Von der Energie-Agentur NRW, die als Ansprechpartner zu Themen von Energieeffizienz und erneuerbarer Energie vom Land ins Leben gerufen wurde, war Sascha Schulz gekommen, der die Veranstaltung moderierte. Der Öffentlichkeit stellten sich auch Axel von der Heide und Tancu Mahmout, beide vom Planungsbüro VDH. Sie haben für die Stadt Linnich das Planungsverfahren übernommen.

Über die Schritte zur Standortuntersuchung über Schallgutachten bis hin zu Artenschutzprüfungen informierte Tancu Mahmout, ehe den Bürgern Gelegenheit geboten wurde, ihre Fragen zu stellen. So berichtete Mahmout, dass laut Schallgutachten und Schattenwurfgutachten die Grenzwerte weitgehend eingehalten würden. Das gelte auch für den Abstand von 1000 Metern zur nächsten Bebauung – eine Vorgabe des Stadtrates.

Lediglich an vier Punkten werden durch eine Schallvorbelastung die Grenzwerte überschritten. Bei den Schattenwurfemissionen sieht es ähnlich aus. Bei 30 Minuten pro Tag oder acht Stunden im Jahr dürfen sie liegen; an acht Punkten wurden Überschreitungen errechnet.

Bei der Artenschutzprüfung sei festgestellt worden, dass einige gefährdete Vogelarten, darunter auch der Kiebitz sowie Zwergfledermäuse, auf der Fläche gefunden wurden. Für sie sollen Schutzmaßnahmen während der Brutzeit ergriffen und dem Kiebitz Ausweichflächen angeboten werden.

Den Anwesenden gingen teilweise die Erklärungen des Planungsbüros nicht weit genug. Sie bemängelten außerdem die schlechte Qualität der Grafiken und Karten, die auf der kleinen Leinwand kaum erkennbar waren.

Warum, so fragten sie auch, ist in Linnich der Abstand der Windräder zur Bebauung weit geringer als beispielsweise in Bayern. „Sind wir weniger wert als die Bayern?“ Es wurde sogar der Nutzen der Windenergie in Frage gestellt und dem Rat der Stadt vorgeworfen, lediglich als Steigbügelhalter für Windkraftbetreiber zu fungieren.

Bürger kritisierten, dass beim Schallgutachten die Windrichtung nicht mit berücksichtigt worden sei und der Infraschall erst gar nicht erwähnt wurde. Immer wieder wurde an Bürgermeister Wolfgang Witkopp die Frage gerichtet: „Was hat die Stadt davon?“ Er sagte: „Bevor ich in meinem Garten ein Kohlekraftwerk oder Atomkraftwerk stehen habe, hätte ich lieber Windräder.“

Er riet den Bürgern: „Schauen Sie sich alles in Ruhe an, und wenn Sie Bedenken haben, formulieren Sie sie schriftlich. Sie haben Zeit bis zum 21. August.“

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