Neue Spritsorte E10 wirbelt die Preise hoch

Von: hfs.
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„Benzinschläuche und Teile der Benzinpumpe können durch den neuen Biosprit angegriffen werden”, warnt TUV-Ingenieur Axel Lausberg vor E10-Kraftstoff. Foto: hfs.

Jülich. Super bleifrei, Super E10, Super. „Liebe Benzin-Tanker, tanken sie ab jetzt einfach immer Super”, heißt es auf dem Aufkleber einer der drei Zapfpistolen. „Super”, sagt die junge Dame, schaut sich unschlüssig auf dem Tankstellengelände um. „Und welche von diesen drei Super-Sorten soll ich nehmen?”

Seit Anfang dieser Woche ist auch das Tanken in Jülich zu einem kleinen Roulettespiel geworden. An allen Tankstellen ist nun der „Superkraftstoff” E10 erhältlich. Unter diesem Branchenkürzel verkaufen alle Mineralölkonzerne seit Januar diesen Jahres Kraftstoff, dem anstatt der bisher üblichen fünf Prozent nun zehn Prozent Ethanol beigemischt sind.

Eine einzige Mogelpackung

Um es auf den Punkt zu bringen: Für die Einführung des neuen E10 muss der Autofahrer tiefer in die Tasche greifen. Das bisherige Superbenzin wurde über Nacht um rund fünf Cent teurer, kostet nun gleich viel wie das neue Benzin. „Aber eine Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs ist damit nicht zu erreichen. Im Gegenteil, man verbraucht auf 100 Kilometer rund drei Prozent mehr”, sagt Axel Lausberg, Leiter der TÜV-Prüfstelle in Jülich.

Für den die Argumentation für die Einführung eine einzige Mogelpackung ist. „Mit der Erhöhung des aus Pflanzen gewonnenen Biosprits will man den Kohlendioxid-Ausstoß der Autoabgase senken. Aber auf Grund der geringeren Energiedichte von Ethanol steigt der Kraftstoffverbrauch an, und damit auch die CO2-Emissionen. Wer etwas für die Umwelt tun will, sollte die Finger von E10 lassen”, sagt der Prüfingenieur klar und deutlich. Und dafür hat er auch noch einen anderen Aspekt zur Hand.

„Ethanol wird aus zucker- oder stärkehaltigen Pflanzen hergestellt. Je mehr Weide- oder Brachland in Ackerland für den Anbau der benötigten Pflanzen umgewandelt wird, je mehr Kohlendioxid wird freigesetzt ”, meint Lausberg. Der auch davon überzeugt ist, dass nun die Preise für Grundnahrungsmittel ansteigen werden. Was die technische Komponente anbelangt, da hat der TÜV-Prüfer für alle Autofahrer einen guten Rat. „Nur die neuesten Fahrzeuge mit dem neuen Superbenzin zu betanken.” Denn zwischen der erhöhten Ethanol-Beimischung und verschiedenen Fahrzeugteilen kann es in älteren Fahrzeugen zu ungünstigen chemischen Reaktionen kommen.

„Der Alkohol zerfrisst Aluminiumbauteile in Benzinpumpen oder Benzinschläuchen aus Kunststoff”, sagt Dirk Spenrath vom gleichnamigen Jülicher Autohaus. Das vermehrt Anfragen von Autofahrern beantworten muss. „Wir haben von unserem Autohersteller Renault die Aussage, dass alle Fahrzeuge mit der Abgasnorm 2 diesen Sprit tanken können”, so Spenrath.

Sollte es vor diesem Hintergrund allerdings eine Fehlbetankung geben, rät er zum Abpumpen. „Um jedes Risiko auszuschließen”, meint der Autohändler. Der weist allerdings auch daraufhin, dass dies teuer wird, „wenn der Sprit schon durch alle Systeme gelaufen ist.”

Welche Fahrzeuge die höhere Biosprit-Beimischung vertragen, darüber informieren die Autohändler ihre Kunden auf Anfrage schon seit vielen Monaten. Denn ursprünglich sollte E10 bereits zum 1. Januar 2009 an den deutschen Tankstellen eingeführt werden. Doch die damals noch unverhältnismäßig hohe Anzahl von Altautos auf Deutschlands Straßen verzögerte die Einführung der EU-Richtlinie aus dem Jahre 2003.

Zu dem jetzt vom ADAC geschätzten Bestand von noch rund drei Millionen Fahrzeugen, für die der„Biosprit” nicht geeignet ist, zählte auch der Opel Corsa, den die eingangs beschriebene junge Dame fuhr. Sie landete bei ihrem Tankvorgang ungewollt und unwissend am E10-Rüssel. „Wir haben dann die Hotline des Autoherstellers angerufen. Gott sei Dank durfte das Benzin gefahren werden, obwohl das Auto schon alt war”, freute sich Tankstellenpächterin Diana Seller mit ihrer Kundin. Seit drei Tagen fließt an ihrer Jet-Tankstelle der neue Sprit.

„Was viele Kunden verunsichert. Wir klären zwar auf, aber ich muss sagen, dass ich mir gewünscht hätte, dass die Mineralölkonzerne weit vor der Einführung Aufklärung betrieben hätten.” Mit dieser Meinung steht Diana Seller nicht alleine. „Die sollten doch auch klipp und klar sagen, dass man mit E10 mehr Kraftstoff verbraucht. Und den dann auch noch teurer bezahlen muss”, verschafft sich Heinz Schmitz nach dem Betanken „Luft”.

Denn bei seiner Stammtanke ist, so ärgert er sich, aus der bisherigen ersten Super-Kraftstoff-Pistole sozusagen über Nacht die E10-Zapfpistole geworden. Macht für Schmitz bei einer Tankfüllung satte 2,50 Euro Mehrkosten aus. „Jetzt schaue ich genau hin, welches Superbenzin ich einfülle. Ich schenke denen jetzt noch nicht einmal einen einigen Cent.”

Den Preisvergleich kann der verärgerte Autofahrer aus Stetternich noch bis zum Jahre 2013 machen. Denn dann wird die fünfprozentige Beimischung von Ethanol im Kraftstoff komplett vom Markt verschwinden.

Vor dem Tanken genaue Informationen einholen

Mit der Einführung des neuen Kraftstoffs Super E10 werden die Vorgaben der EU erfüllt, die den Anteil der Biokraftstoffe an der gesamten Kraftstoff-Versorgung deutlich erhöhen will. Das neue Benzin hat einen Ethanolanteil von maximal zehn Prozent.

Nach Aussage von Fachleuten sind rund drei Millionen Altfahrzeuge nicht für E10 geeignet. Welche Autos tauglich sind, darüber informieren Kraftfahrzeug-Hersteller, -händler und Kfz-Werkstätten.

Darüber hinaus hat die Deutsche Automobil Treuhand unter http://www.dat.de/e10 eine Übersicht über alle tauglichen Kraftfahrzeuge erstellt. Wenn das Auto in dieser Liste nicht aufgeführt wird, sollte man - wie bisher - das herkömmliche Super tanken, denn das hat eine maximale Beimischung von fünf Prozent Ethanol. Ab 2013 wird dieser Kraftstoff verschwinden.

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