Neue Sozialarbeiterin mit viel Elan auf dem Weg nach „draußen“

Von: Otto Jonel
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Im Augenblick ist Theorie wichtig. „Viel lesen“ muss Varinja Mijou Wirtz, bevor es an die tägliche mobile Jugendarbeit geht. Foto: Jonel

Linnich. Die paar Quadratmeter unterm Dach juchhe täuschen. Hier in diesem Büro im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Linnich erledigt Varinja Mijou Wirtz, salopp gesagt, ihren „Papierkram“, entwirft vielleicht Pläne und lagert Utensilien, die sie draußen braucht.

Draußen, das ist ihr eigentliches Betätigungsfeld. Dieses „Draußen“ kann sie von ihrem Bürodachfenster noch nicht einmal sehen. Varinja Mijou Wirtz‘ Arbeitsplatz ist in Kofferen oder Gereonsweiler oder Tetz oder – im Grunde überall in den Stadtteilen Linnichs, nur nicht in Kernstadt selbst. Die 23-Jährige ist die neue Fachkraft für Mobile Jugendarbeit in Linnichs Ortschaften.

Selten dürfte eine Stellenbesetzung so zügig erfolgt sein wie in diesem Falle. Im Februar hatte Varinja Mijou Wirtz ihr Studium der Sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule Köln abgeschlossen. Und dann ging alles ganz schnell: „Ich habe die Stelle gesehen, habe mich beworben, hatte sehr schnell ein Vorstellungsgespräch – und am 7. März die Zusage“, fasst sie strahlend zusammen.

Lange gesucht

Der Stellenausschreiber, das Jugendreferat des Evangelischen Kirchenkreises Jülich, hatte freilich einen ganz anderen Eindruck von Zeit. Drei Mal wurde die Stelle der Mobilen Jugendarbeit in Linnich ausgeschrieben. Über ein Jahr hat es gedauert, bis mit Varinja Mijou Wirtz endlich jemand gefunden wurde, um eine schmerzliche Lücke zu schließen. Denn kontinuierliche und planvolle Jugendarbeit in Linnichs Dörfer gab es seit Jahren nicht mehr.

Da ist also viel zu tun. Und nicht nur in den Dörfern. „Ich muss viel lesen – alles über Mobile Jugendarbeit“, sagt die Jugendbeauftragte. Denn ausgerechnet dieser Bereich der Sozialen Arbeit werde im Studium kaum bis nicht aufgegriffen, räumt sei ein. Zugute kommt ihr, dass sie vor ihrem Fachabitur noch ein Praktikum im MultiKulti-Jugendzentrum der evangelischen Kirchengemeinde zu Düren absolviert hatte. Da hat sie Einblick in „streetwork“ erhalten.

Theorie kann aber nur das Rüstzeug bieten. Das Wesentliche wird sein, sich auf die Verhältnisse in den zwölf Satelliten Linnichs einzustellen. Auf örtliche Gegebenheiten etwa. Jugendarbeit, auch die mobile, braucht einen festen Platz, und das darf kein Buswartehäuschen sein, wie es Robert Fabig vom Amt für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren des Kreises Düren bei Varinja Mijou Wirtz‘ Vorstellung im Linnicher Fachausschuss vor wenigen Wochen formulierte. In dieser Hinsicht könnte das Treffen mit den Ortsvorstehern am 26. April vielleicht schon entscheidende Hinweise bringen, hofft die Jugendbeauftragte.

Im Fokus stehen natürlich die Kinder und Jugendlichen selbst. „Für mich ist das Allerwichtigste, dass ich ankomme“, sagt sie. Sie muss Kontakte knüpfen, sich bekannt machen und die Basis zu einem Vertrauensverhältnis schaffen. Einen Ansatzpunkt hat sie schon. Bei einem Ortsrundgang mit Patrick Rudolph, einem Ehrenamtler in der Jugendarbeit der evangelischen Gemeinde Linnich, „haben wir auch Jugendliche aus Kofferen getroffen. Die haben was von einem Bauwagen erzählt“. Der existierten zu Zeiten ihrer Vorgängerin. Da will Varinja Mijou Wirtz natürlich nachhaken.

Eisbrecher Musik

Auf die Kinder und Jugendlichen zuzugehen, bereitet ihr überhaupt keine Probleme. „Ich habe vielleicht den Vorteil, dass ich so jung bin.“ Klar, sagt sie, hat sie die Jugendsprache drauf. Und beim Musikgeschmack – HipHop, Rap, aber auch R‘n‘B – dürfte sie ebenfalls nicht gerade als Grufti eingestuft werden. Mit dem Ghettoblaster im Gepäck, den Laptop am langen Arm und das Smartphone griffbereit dürfte der Draht zwischen ihr und ihrer Klientel recht fix glühen. Von Vorteil ist sicherlich auch, dass sie – aufgewachsen in Derichsweiler – dörfliche Gegebenheiten kennt und mag.

Bewusst ist der 23-Jährigen, dass sie nicht von heute auf morgen Strukturen schaffen kann, wo derzeit nichts ist. Sie will sich Ortschaft für Ortschaft auf den Weg machen. „Mein Ziel ist, in einem Jahr sagen zu können: Jetzt läuft es.“ Vom Gradmesser, ob es läuft, hat sie eine konkrete Vorstellung: „Ich will einen Raum schaffen, wo die Jugendlichen zu mir kommen, all ihren Alltagsstress hinter sich lassen und mit über alles reden können.“ Derzeit schaut sie sich um, wo welcher Bedarf herrscht und welcher Ort die Vorreiterrolle einnehmen wird.

Akzeptiert hat sie selbstverständlich, dass ihre Arbeitszeit nicht ins klassische Schema fällt. Jugendliche sind am Nachmittag und frühen Abend unterwegs. Feierabend 17 Uhr? Das wird wohl nie der Fall sein.

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