Neue Halle der Firma Schuran wirkt wie ein riesiges Aquarium

Von: hfs.
Letzte Aktualisierung:
9188995.jpg
Julia, Hermann und Florian Schuran (v.l.) sind stolz auf ihr großes „Künstleratelier“, das ab Januar als neuer Firmensitz genutzt wird. Dabei dürfte die sieben mal 70 Meter große Meereslandschaft künftig Arbeiter, Kunden oder Besucher gleichermaßen begeistern. Foto: hfs.

Jülich. Noch wirkt das Innere einer Lagerhalle auf den ersten Blick wie ein riesiges Kunstatelier. Dort, wo früher tausende Kisten, Flaschen und Fässer mit Getränken aller Art gelagert wurden, bezieht in diesem Monat in zwei Werksgroßhallen an der Eleonorenstraße im Heckfeld die Jülicher Firma von Hermann Schuran ihr neues Domizil.

Doch es sind nicht irgendwelche „Räumlichkeiten“, in denen die Spezialmaschinen zur Bearbeitung von Acryl- oder Plexiglas stehen werden, sondern die Wände stellen sich als 70 mal 40 Meter große Kunstfläche dar. Gestaltet von Künstlern aus der Region.

Wassertiere? Fabelwesen oder vielleicht Papierflieger? Als Betrachter kann man sich viele skurrile und immer farbintensive Gebilde vorstellen, wenn man Gemälde des Malers Wassily Kandinsky betrachtet. Für Formen und Farben besaß der 1866 geborene Russe eine außergewöhnliche Gabe sowie ein feines Gespür und Empfinden der besonderen Art.

„Herausragend in seiner abstrakten Malerei stand die Farbe Blau für die Begriffe Himmel, für kalt oder zum Beispiel für die Unendlichkeit“, sagt Hermann Schuran, selbst passionierter Hobbymaler und Liebhaber von Wassily Kandinskys Werken. Angetan hat dem Jülicher Firmenchef das Bild „Blue Sky“, entstanden 1940. Das Original im Format 100 x 70 cm hängt im Centre Pompidou in Paris. Eine „Kopie“ ziert allerdings seit wenigen Tagen die künftige Werkshalle Schurans.

„Ja, das Bild ist vier mal sieben Meter groß“, lacht der Firmenchef. Der hat Kandinskys Bild in vielen Stunden Arbeit auf die Innenfläche einer riesigen Wand übertragen. Darauf ist nicht nur er stolz, sondern auch seine beiden Kinder Florian und Julia.

Alles blau

Als sich die Familie im vergangenen Sommer dazu entschloss, aus Platzgründen den Firmensitz von der Margareten- in die Eleonorenstraße zu verlagern, wurden sie sozusagen nach der Entrümpelung „erschlagen von der Größe und der sich daraus ergebenen Kälte der Wände“, erinnert sich Hermann Schuran. Er fand bei den Beratungen im Familienrat schnell zu einer Lösung: „Wir haben die Riesenhalle durch eine Zwischenwand getrennt, die sich daraus ergebene Fläche von 40 mal 70 Meter in der Farbe Blau grundiert und nach Künstlern gesucht, die diese dann verschönern.“

Da Hermann Schuran sich in der Hobbykünstler-Szene bestens auskennt, waren schnell Kontakte geknüpft. Mit dem 19-jährigen Lucas Lehnard fand sich jemand, dem der Bezug zur Firmenphilosophie – seit der Gründung im Jahre 1986 hat sich Schuran als Hersteller von Aquarien aus Acryl- oder Plexiglas in ungewöhnlichen Formen und Größen sowie im technischen Bereich der Aquaristik weltweit einen Namen gemacht – besonders eindrucksvoll gelang. In über 200 Stunden sprühte er in schillernden Farben und Formen eine Meereslandschaft, schuf so im wahrsten Sinne des Wortes ein Riesenaquarium in der Größe von 7 mal 70 Metern.

„Wir haben nur die Farben gestellt. Es gab keinen Lohn, wir haben keinerlei Einfluss auf Gestaltung und Inspiration des Künstlers genommen“, blickten bis zum laufenden Umzug nur die Familie und einige enge Mitarbeiter auf das imposante Gemälde voller Seeschlangen, skurrilen Fischen, Qualen, Haien oder aber anderen, friedlich dahingleitende Meeresbewohnern. Inmitten einer Korallenlandschaft, die dem Ganzen einen fantastischen Anstrich gibt.

Doch damit nicht genug, denn auf der Rückseite der Wand bietet sich eine weitere Projektionsfläche. Neben „Sky Blue“ hat hier Elke Bürger aus Erkelenz ihre Fantasie ausgelebt. Ihre „Aufsteiger“ – bunte und schrille Holzfiguren, deren Schatten beim Klettern eine gewisse Dreidimensionalität verleihen und mit der Höhe der Wand immer kleiner werden – lassen den Betrachter länger verweilen. „Man fühlt sich geradezu hingezogen zu den Gebilden, man träumt sich weg“, bewundert Hermann Schuran dieses Werk.

Während daneben raue, harte und aggressiv wirkende Graffitikunst den Blick fast erstarren lässt. Um das ganze Werk auf sich wirken zu lassen, muss man schon einige Schritte zurücktreten, um aus der Distanz die Betrachtung der „Düsterheit der Farbgestaltung wahrzunehmen“.

Der Produzent wird nicht genannt, es ist auf jeden Fall ein Graffiti-Künstler, der in der Kölner Szene schon oft für Aufmerksamkeit – auch bei der Polizei – gesorgt hat und deshalb auch anonym bleiben möchte. „Ich habe es auf jeden Fall genossen, mich jetzt einmal völlig legal zu bewegen, in Ruhe arbeiten zu können“, sagte der junge Mann bei der Bauparty als einer der geladenen Gäste, die aus ganz Deutschland bekommen waren.

Reiner Zufall

Kunden für kleine wie Riesenaquarien haben die Jülicher Acryl-Experten überall auf der Welt. „Ich finde es einfach toll, dass man als kleiner Besteller mit einem Becken von gerade 200 Litern Inhalt genauso gut beraten und betreut wird wie ein Kunde, der sich ein 20.000 Liter fassenden Aquarium bestellt“, merkte der Kölner an. Dass die Bauparty ausgerechnet am Todestag Kandinskys erfolgte, „war reiner Zufall, davon habe ich erst aus der Zeitung erfahren“, bekannte Schuran hinterher.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert