Neue Geheimnisse im Herzen der Zitadelle

Von: Guido Jansen
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Im vergangenen Jahr stand in der Mitte der Ausgrabungsfläche noch eine Zisternenanlage aus dem 19. Jahrhundert. Die ist jetzt weg, die Archäologen werten jetzt die Erdschichten aus der Zeit vor dem Zitadellenbau aus und finden dabei große Fundamente, die möglicherweise zu einer kleineren Vorgänger-Festung gehört haben. Foto: Guido Jansen
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Schicht für Schicht neue Geheimnisse: Museumsleiter Marcell Perse vor einem Querschnitt durch das Erdreich im Herzen der Zitadelle.

Jülich. Die Zitadelle gibt ihre Geheimnisse preis - langsam, Schaufel für Schaufel, Stein für Stein, seit zwei Jahren. Und dabei überrascht sie die Experten immer wieder. Nach den Osterferien hat das Ausgrabungsteam wieder etwas gefunden, das es als „unerwarteten Fund“ einstuft.

Vielleicht ist auch ein neuer Grund entdeckt worden, warum die kolossale Zitadelle ausgerechnet an dieser Stelle im vorher recht beschaulichen Jülich gebaut worden sein könnte.

In den Herbstferien waren die Archäologen im Innenhof in der Tiefe auf die Zeit vor der Zitadelle gestoßen. Schon damals war die Überraschung groß - nicht zum ersten Mal. Sie fanden die Überreste eines Gebäudes, das da gestanden hat, bevor der italienische Baumeister Alessandro Pasqualini im Auftrag von Herzog Wilhelm V. die Zitadelle geplant hat.

Das war den Experten des Museums Zitadelle bis dahin nicht bekannt. Seit den Osterferien formulieren sie eine noch größere These, die auf den gefundenen Fundamenten für große Pfähle und einem sogenannten Spitzgraben basiert. „Das sind Riesendinger. Das war sicher mehr als ein Schafstall“, sagt Museumsleiter Marcell Perse. 40 Zentimeter Durchmesser müssen die Pfähle gehabt haben, der Spitzgraben könnte mehr als zwei Meter breit gewesen sein.

„So viel Mühe macht man sich nicht, wenn man das eigene Vieh einpferchen will“, sagt Perse. „Das sieht mehr nach einer Befestigung zum Schutz gegen böse Leute aus.“ Eine Motte oder eine sogenannte Niederungsburg könnten da gestanden haben, wo sich jetzt der Innenhof der Zitadelle befindet.

Vielleicht hat sich diese Befestigung auch schon im Besitz der Jülicher Herzöge befunden. Sollte dem so sein, dann müsste die Geschichte einer der zentralen Orte der Macht in deutschen Landen in der Frühen Neuzeit neu geschrieben werden. Denn dann hätte Wilhelm V. die Zitadelle nicht nur in Jülich gebaut, weil Pasqualini hier genug Platz hatte, um die Renaissance-Idealstadt zu konzipieren und weil Jülich einen klangvollen Namen hatte.

Damals ging man davon aus, dass der Stadtname unmittelbar auf Julius Caesar und das nach ihm benannte römische Herrschergeschlecht der Julier zurückging. In der Renaissance, einer Zeit, als alles so gemacht werden sollte wie im alten Rom, war ein altes Kaisergeschlecht im Namen äußerst verlockend.

Jetzt kommt die bisher unbekannte, aber simpel klingende These dazu, dass das Gelände ganz einfach schon dem Herzog gehört hat.

„Wir haben keinen genauen Plan, was wir da in der Schicht aus der Zeit vor der Zitadelle gefunden haben“, sagte Perse. Möglicherweise kommt die Wahrheit aber noch ans Licht, vielleicht in den Sommerferien. Derzeit graben die Archäologen nicht, sie konservieren und erfassen die Ausgrabungen, die im vergangenen Herbst gemacht wurden. Perse formulierte Führungen als Ziel, die mitten in die Ausgrabung hinein führen, wenn das Wetter es zulässt. „Das wäre ein großer Glücksfall, wenn wir im Jahr des 500. Geburtstags Wilhelms V. einen Blick in seine Baugrube ermöglichen könnten“, sagt Perse.

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