Kreis Düren - Neue EU-Richtlinie: Gefährliche Kunst auf Kreiseln?

Neue EU-Richtlinie: Gefährliche Kunst auf Kreiseln?

Von: Margret Vallot
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Eine Sichtbehinderung? Was die Gestaltung vieler Kreisverkehre betrifft – unser Bild zeigt Koslar –, hat man in Brüssel andere Auffassungen als in den Kreiskommunen. Foto: Vallot/Jonel
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Große Tongefäße symbolisieren die Tradition auf dem Langerweher Kreisverkehr. Foto: Vallot/Jonel
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So sollen Kreisverkehre aussehen: Flach und übersichtlich, wie dieser Kreisel auch in Langerwehe. Foto: Vallot/Jonel

Kreis Düren. Kreisverkehre sind bei den Städteplanern der Hit: Sie entschärfen unfallträchtige Kreuzungen und machen den Verzicht auf teure Ampelanlagen möglich. Im Kreis Düren gibt es wohl keine Gemeinde, die nicht seit Ende der 90er Jahre einen oder sogar mehrere Kreisverkehre bekommen hat. Die Kreisel laden dazu ein, unter anderem Kunstwerke auf Kuppen dekorativ zu platzieren.

Weitere Pläne können die Gemeinden von Linnich bis Heimbach vergessen. Zumindest, wenn eine neue EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt wird.

Gestalterische Elemente im Straßenraum – sei es in Form von Plastiken oder von nett anzuschauendem Grünzeug – stehen schon immer im Verdacht, die Aufmerksamkeit der Autofahrer auf sich zu lenken. Doch die Erfinder der neuen Richtlinie sehen eine andere Gefahr: Kunstwerke, Fahnen, Hecken, Bäume, Findlinge und kunstvoll geschmiedete Schriftzüge auf den Kreiseln machen diese angeblich unübersichtlich, sie dienen zumindest nicht der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.

Im Gegenteil: „Sicht und Fahrtweg“ würden von Pkw- und Lkw-Fahrern in unzumutbarer Weise beeinträchtigt. So steht es in der Richtlinie mit dem Titel „Sicherheitsmanagement für die Straßenverkehrsinfrastruktur“.

Gestaltete Kreisel gibt es beispielsweise im Jülicher Stadtteil Koslar in Richtung Barmen. Hier erhebt sich eine recht schlanke Skulptur von Arnold Schlader. Oder in Nörvenich, Am Kreuzberg, wo es in Richtung Pingsheim geht. Dort zieren Metallvögel den runden Platz. Und wer von Kreuzau nach Drove fährt, sieht die Anfänge einer Gestaltung: Die Gemeinde will offenbar die Heidelandschaft nachbilden. In Heimbach gibt es einen dekorierten Kreisel ohne Aufbauten, der nur wegen der Unterschiedlichkeit der Geschmäcker einmal ins Gerede kam. Eine Sichtbehinderung liegt dort nicht vor.

Verkehrsingenieur Norbert Schiewe vom Straßenverkehrsamt kann den Kreisverkehren nur Gutes abgewinnen. Die Dekoration sei zur Orientierung besonders zu empfehlen. Schiewe meint, die Durchsicht müsse sogar eigens verhindert werden, „damit Sie da langsamer fahren“.

Die EU-Mitgliedsstaaten werden übrigens zur Beseitigung der vermeintlichen Sicherheitsrisiken aufgefordert. Doch ließ bereits die Stadt Paris wissen, man gedenke nicht, den Arc de Triomphe abzutragen... Was den Parisern ihr Arc de Triomphe, das sind den Langerwehern ihre Tongefäße. Die stehen dekorativ auf dem Kreisel, der sich am Ortseingang befindet, wenn man von Luchem, Düren oder Weisweiler auf den Zentralort zufährt. In der Mitte wird auf einer kleinen Anhöhe auf die Jahrhunderte alte Tradition von Langerwehe Bezug genommen.

Die zwei überdimensionalen Tongefäße seien „Aushängeschild des Zentralorts“, sagt Bürgermeister Heinrich Göbbels. Er nennt die neue Richtlinie schlicht „unsinnig“. Vom Eingang des Hauptortes „ist mir kein einziger Unfall bekannt“. Dazu die Polizei: In den letzten 14 Monaten habe es dort elf Unfälle mit minimalen Blechschäden gegeben und zwei ebenfalls kleine Unfälle. Das sei „eine relativ gute Bilanz“, so Sprecher Willi Jörres.

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