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Neue Bürgerinitiative will „200-Meter-Monster“ verhindern

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Nicht Windkraft an sich, sondern die bei Boslar geplante Höhe der Räder und der Abstand zu Menschen stört die neue Initiative.
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v.l.: Dieter Rauh (Mersch), Heinz-Bernhard Peters, Heinz-Werner Themanns und Bernd Schneiders (alle Boslar) sowie Hermann Josef Wirtz (Mersch)

Linnich/Jülich. „Ja zur Windenergie – aber mit Augenmaß“, bringen Heinz-Bernhard Peters, Bernd Schneiders und Heinz-Werner Themanns aus Boslar ihren gemeinsamen Standpunkt auf einen einfachen Nenner. Sie sagen: „Bei der Planung einer neuen Windenergiezone durch die Stadt Linnich zwischen Boslar und der Autobahn (A 44) ist nach unserer Meinung Augenmaß der Gigantomanie gewichen.“

Deshalb haben sie vergangene Woche mit vielen Mitstreitern aus Boslar und den ebenfalls betroffenen Orten Tetz, Hompesch, Mersch und Broich die Bürgerinitiative „Für Windkraft mit Augenmaß“ gegründet. Ihr Ziel ist es, 200 m hohe Windräder – die ersten in Nordrhein-Westfalen – an der geplanten Stelle zu verhindern, weil sie Menschen, Tiere und Umwelt erheblich gefährdeten.

„Der Zuspruch zu unserer Initiative ist fantastisch“, erklärt Bernd Schneiders. „Immer mehr Menschen werden aufmerksam und erkennen, dass 200 Meter hohe Windräder, 43 Meter höher als der Kölner Dom, in einem Abstand von weniger als 1000 Meter zur Wohnbebauung für sie eine Bedrohung darstellen. Diese Bedrohung gibt selbst Bürgermeister Wolfgang Witkopp im Linnicher Infoblatt zu. Fast unbemerkt von vielen Bürgern kündigt er dort an, dass ,erhebliche Auswirkungen auf die Schutzgüter Landschaftsbild, Tiere, Pflanzen und Menschen zu erwarten’ sind.“

Diese erheblichen Auswirkungen, hervorgerufen durch die „immense Höhe“ der geplanten Windräder, bedeuten aus Sicht der Initiative „dauerhafte Beeinträchtigungen und krank machende Schalleinwirkung rund um die Uhr“, selbst dann, wenn er von den Betroffenen als „Infraschall“ nicht bewusst wahrgenommen werde, Lichtreflexionen und Schlagschattenwurf über viele Gebäude, nachteilige Veränderung der Lebensbedingungen von Menschen, Verlust an Erholungswert, Vernichtung und Zerstörung von Kulturlandschaften mit einer Größe von 200 Morgen und nicht zuletzt negative Auswirkungen auf den Verkehrswert bebauter Grundstücke.

„Nichts gegen die Windkraft an sich“, bekräftigt Heinz-Bernhard Peters. „Alternative Energien sind jedoch dann unsinnig, wenn sie genau das zerstören, was man eigentlich durch sie bewahren will, nämlich die Natur als Lebensraum für Mensch und Tier.“ Er kritisiert auch das Tempo der Umstellungspläne. „Selbst die neue Bundesregierung plant eine deutliche Reduzierung der Förderung, um die Geschwindigkeit des Ökoumbaus auf ein vernünftiges Tempo zurückzufahren, weil ein zu schneller Wechsel die Kosten für die Stromverbraucher enorm in die Höhe treibt. Die Zeche zahlt alleine der Stromverbraucher.“ Mit der geplanten vierten Windenergiezone im Stadtgebiet weist die Stadt Linnich nicht nachvollziehbar fast neun Prozent ihrer Gesamtfläche für Windkraftanlagen aus. Die Landesregierung schlägt als Planungsrichtwert den Kommunen lediglich vor, zwei Prozent als Vorranggebiete für die Windenergieerzeugung festzulegen.“

„Unser Hauptkritikpunkt ist und bleibt die Höhe der Windräder im Verhältnis zum Abstand zur Wohnbebauung“, betont Heinz-Werner Themanns. „Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für Windkraftwerke einen Mindestabstand zu Wohnungen in der zehnfachen Höhe der Windkraftanlagen. In unserem Fall wären das mindestens 2000 Meter zu jeglicher Wohnbebauung.“

Massive Kritik üben Mitglieder der Bürgerinitiative an der ersten Versammlung zur Beteiligung der Öffentlichkeit im November 2013. „Art und Form der Bekanntmachung dieser Versammlung entsprachen nicht der Bedeutung der Angelegenheit“, erinnert sich Schneiders. Die Mitglieder der BI wissen, dass der Beschluss zur Nutzungsplanänderung und zur Aufstellung des Bebauungsplanes „mit hauchdünner Mehrheit, und zwar mit der Stimme von Bürgermeister Wolfgang Witkopp, zustande gekommen ist und dass die von Ratsmitgliedern vorgeschlagene Bürgerbefragung ebenfalls mit dieser hauchdünnen Mehrheit abgelehnt wurde“. Die BI erklärt, dass sie „einen Windpark in dieser Form niemals akzeptiert“. Sie sind entschlossen, ihre Forderungen auch gerichtlich durchzusetzen.

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