Neue Aufgaben im Flüchtlingscamp Jülich

Von: Volker Uerlings
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Die Flüchtlings-Zeltstadt auf der Merscher Höhe bietet Raum für 1000 Menschen. Bewohnt wird sie aktuell von 203 Schutzsuchenden. Foto: Uerlings
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Zwei Jülicher leiten die Notunterkunft auf der Merscher Höhe: Sabine Günnel (DRK) und Werner Lüttgen für die Bezirksregierung. Foto: Uerlings

Jülich. Die Flüchtlings-Notunterkunft Jülich auf der Merscher Höhe wurde vor vier Monaten im Eilverfahren aus dem Boden gestampft. Sie könnte bis zu 1000 Schutzsuchende aufnehmen, wird aber derzeit von 203 Menschen bewohnt, wie unsere Zeitung vom Campbetreiber Deutsches Rotes Kreuz Jülich und der Bezirksregierung Köln informiert wurde. Sie ist also nur zu einem Fünftel belegt.

Auch in der großen Zeltstadt spiegeln sich die bundesdeutschen Gesamtzahlen wider. Seit Wochen sind erheblich weniger Flüchtlinge eingereist (oder konnten einreisen) als über viele Monate zuvor.

Wie sich das entwickelt, ist im Grunde nicht zu beantworten. „Ich habe keine Kristallkugel und lese keinen Kaffeesatz“, sagt die Jülicher Campleiterin Sabine Günnel und gibt deutlich zu erkennen, dass sie sich an Spekulationen nicht beteiligt. Allerdings haben sich die Aufgaben insgesamt geändert. Sabine Günnel: „Wir waren geplant als Notunterkunft, in der die Menschen wenige Tage oder Wochen bleiben. Manche leben hier aber schon seit dem 28. Dezember. Es geht für uns somit um Langzeitbetreuung und um Integrationsmaßnahmen.“ Natürlich sei auch ein Team eingestellt worden, „um 1000 Menschen gerecht zu werden“.

Die Mitarbeiterzahl ist geblieben und liegt bei genau 41. Die zahlreichen Sozialbetreuer sorgen nun dafür, dass die Bewohner auf der Merscher Höhe Angebote zur sinnvollen Freizeitgestaltung erhalten oder können sich um Dinge kümmern, für die bei Vollauslastung keine Zeit wäre. So wird recherchiert, wo sich nahe Verwandte der „Jülicher Flüchtlinge“ befinden, um Familien zusammenzuführen. Das war schon erfolgreich. Laut Sabine Günnel wurde zum Beispiel eine Mutter mit zwei Kindern inzwischen nach Bayern geschickt, wo sich der Ehemann und Vater in einer Unterkunft befindet.

Im Vordergrund der Arbeit stehe aber, für die Bewohner der Notunterkunft permanent Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Sabine Günnel erklärt das: „Alle hier haben die Hoffnung, dass es für sie schnell weitergeht – in eine Kommune, in der sie bleiben und in der die Kinder die Schule besuchen können.“ In der Jülicher Notunterkunft besteht keine Schulpflicht, weil es sich um eine Übergangseinrichtung handelt. „Aber jetzt sitzen sie hier seit drei oder vier Monaten auf einem Wartegleis.“

Von daher verwundert es nicht, dass die Deutsch-Kurse stets voll sind. Kinder lernen spielerisch Mathematik, auch Sport und mehr stehen auf dem Programm. Großer Nachfrage erfreut sich der Fahrradfuhrpark mit 50 Rädern, da die Flüchtlinge die Umgebung erkunden und sich bewegen möchten. Bei den Freizeitangeboten arbeiten bis zu 60 Ehrenamtler aus Jülich mit den Hauptamtlern des DRK zusammen. Das erfreut Sabine Günnel und die Bewohner. Inzwischen haben die engagierten Jülicher(-innen) Kontakte geknüpft und Ausflüge organisiert.

Das Camp ist längst noch nicht ausgebucht. Von daher haben die Betreiber ihre Belegungsstrategie angepasst. Wurden anfangs alle 8-Bett-Zimmer fast vollständig ausgenutzt, ist man dazu übergegangen, Familien eigene Räume zu ermöglichen, den sie nicht mit anderen teilen müssen, weil der Platz (noch) da ist. Alle Bewohner haben die Aufgabe, die eigenen Wohneinheiten und Zelte sauber zu halten, sich um die eigene Wäsche zu kümmern. Sabine Günnel: „Wir sind kein Hotel!“ Das klappe sehr gut, auch die Außenanlagen sind sichtbar „aufgeräumt“, was die Flüchtlinge selbst übernehmen.

Die Jülicher Einrichtung ist immer mehr ein in der Stadt fest verwurzeltes Camp. Neben der Jülicherin Sabine Günnel ist ein weiterer Herzogstädter in der Campleitung: Werner Lüttgen. Er ist „ständiger Vertreter“ der Bezirksregierung, für die er arbeitet, auf der Merscher Höhe und leitet deren Aktivitäten vor Ort. Das gewährleistet kurze Wege.

Wer das Camp unterstützen möchte, kann das mit allem tun, was laut Sabine Günnel „eine kreative Freizeitgestaltung erlaubt“. Gebraucht würden vor allem Wolle, Stoffe zum Nähen, Nähzubehör, Bastelmaterial oder gut erhaltene Fahrräder. „Einfach an der Hauptpforte abgeben.“

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