„Nacht der offenen Kirchen“: Gotteshäuser in anderem Licht

Von: ptj
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Heute nur noch Kirchenschatz: Dr. Harald Goder präsentierte eine „Custodia“, einen Behälter für die konsekrierte Hostie für die Monstranz.
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Ferdinand Piel spart in Stetternich bei seiner Führung sogar die alten Bäume auf dem Kirchengelände nicht aus. Foto: Jagodzinska

Jülich. Die Glocken vieler Kirchen läuteten am Freitagabend zu ungewöhnlicher Zeit zur sechsten „Nacht der offenen Kirchen“ in Jülich. Viele Menschen machten sich auf den Weg – keineswegs nur regelmäßige Kirchgänger. Stolze acht Gotteshäuser und das Museum Zitadelle beteiligten sich an der Aktion unter dem Thema „Das entfesselnde Buch – Die Bibel“.

Erstmalig lagen in allen beteiligten Räumen Bibeln und das TeDeum, das Stundengebet im Alltag, kostenlos zum Mitnehmen aus. Sponsoren wie das Lions Hilfswerk Jülich Juliacum, der Rotary Club Jülich und die Sparkasse machten es möglich. Neu dabei waren die Freie evangelische Gemeinde in der Wiesenstraße, St. Martinus Stetternich und St. Phi-lippus und Jakobus Güsten.

Viele Gotteshäuser waren in besondere Lichtnuancen getaucht, zudem ließen romantische Arrangements mit Kerzen und Teelichtern Kirche einmal ganz anders erleben. Stärkungen gab es an den meisten Stellen. Erwähnenswert ist das Angebot der St. Rochus-Kirche, wo Kostproben verschiedener Herkunft aus biblischer Zeit gereicht wurden. Dazu zählten etwa „Esaus Linsengericht“, Taboulet-Salat oder „Backwerk der Königin Esther“.

Besucher konnten zu jeder Zeit jeden Kirchenraum betreten, Bilder anschauen, Mitsingen, den Melodien und Worten lauschen und nach Belieben weiterziehen zum nächsten Gotteshaus. Offenes Singen, Chor- und Orgelkonzerte rundeten den Themenabend ab, den jeder Veranstalter anders ausgelegt hatte. So zeigte St. Andreas und Matthias sowohl eine Dauer-Dia-Show mit Musik zum Thema „und Gott sah, dass es gut war“ als auch die Bilder-Ausstellung „Vorbilder“.

„Requiem für Maiglöckchen“

Es folgte der WDR-Dokumentarfilm „Requiem für ein Maiglöckchen“ unter Regie von Aribert Weis. Hier muss Lich-Steinstraß dem Braunkohlenabbau weichen. Jugendliche hatten in der Christuskirche ein „Werkwinkelprojekt“ in fünf mit Folie abgetrennten Räumen vorbereitet, die in romantisches Licht mit vielen thematisch passenden Details getaucht waren. Die Gäste durften interaktiv die Geschichte von „Jakob und der Himmelsleiter“ nachspüren.

Wie gewohnt zeigte sich St. Franz Sales im Nordviertel jung, kreativ, musikalisch und multimedial. Ein Aktivitätsprogramm für Kinder und Jugendliche reichte vom karaokemäßigen Mitsingen über die Kirchenrallye bis zur Fotoaktion zu Bibelstellen. Abschließend wurde meditiert. Die Freie Evangelische Gemeinde bot „offene Lobpreiszeiten“ mit modernen Anbetungsliedern und biblische Lesungen und Gebetszeiten an. In St. Martinus Stetternich schlossen sich an ein Orgel- und Chorkonzert zum Mitsingen Kirchen-, Kirchturm- und Orgelführungen mit Nachtwanderung zur Wendelinuskapelle an.

Nicht fehlen durfte die Präsentation des Kirchenschatzes, bestehend aus wertvollen Missale (Messbuch), Kelchen, Turm- und Strahlermon-stranzen und einer Custodia. Was ist das? Ein kostbarer Behälter, der den Leib des Herrn enthält, aber nur für die Monstranz (Zeigegerät zur Anbetung). „Heute nimmt man die konsekrierte Hostie aus der vorausgehenden Messe“, erklärte Dr. Harald Goder. St. Philippus und Jakobus Güsten startete mit einem offenen Singen und einem Bibelquiz für Kinder im Rahmen des Wettbewerbs „Wer wird Biblionär?“. Eine kleine Kunstgeschichte zu 1200 Jahren Kirche in Güsten mit anschließender Komplet (nächtliches Stundengebet) folgte. Abschließend fand eine Kirchen- und Glockenführung statt.

In der in ein blaues Licht getauchten Propsteigemeinde lauschten die Gäste der Lesung ausgewählter Bibelstellen, die unter der Überschrift „..und Jesus sprach: Wer Ohren hat zum Hören, der höre!“ in einer Art Hörbuch zusammengefasst waren. In St. Rochus stellten bekannte Jülicher ihr persönliches Bibelwort vor. Dr. Peter Nieveler hatte das Papstwort „Durch Erbarmen und durch Wahl“ ausgesucht, Krankenhauspfarrer i.R. Josef Jansen widmete sich Ezechiel 36, „weil es da um Neubelebung des Geistes geht“. Ein Konzert mit „Rochus Vocale“ schloss sich an.

In der Schlosskapelle der Zitadelle sah, hörte, fühlte und gestaltete der Besucher den Dialog zwischen drei Landschaftsgemälden aus dem 19. Jahrhundert mit aktuellen religiösen Fragen. Titel: „Gelobtes Land und Bühne des Heils“.

Gemeinsam beschlossen (freie) Protestanten und Katholiken um 23 Uhr mit einem Taizégebet auf dem Kirchplatz vor der zentral gelegenen Propsteikirche einen gelungenen und erlebnisreichen Abend in den offenen Kirchen.

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