Nachbarn sehen Jülicher Gesamtschulwunsch "sehr kritisch"

Von: Volker Uerlings
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Jülich. Eine große Mehrheit der Jülicher Sekundarschuleltern wünscht sich eine eigene Oberstufe. Dieser Antrag an den Träger – die Stadt Jülich – hat für mächtig Wirbel gesorgt, denn er bedeutet in Konsequenz die Wandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule.

Doch so leicht ist das auch nicht: Die Jülicher Politik und am Ende die Bezirksregierung müssten zustimmen. Nun haben sich die Nachbarschulen aus dem Stadtgebiet Jülich zu Wort gemeldet, die sich „ein bisschen überrumpelt“ gefühlt haben, weil sie nicht informiert worden sind.

Das sagte am Mittwoch Thorsten Vogelsang, Schulleiter des Gymnasiums Haus Overbach, im Beisein von Vertretern verschiedener Gremien des Mädchengymnasiums, des Gymnasiums Zitadelle und des Berufskollegs Jülich. Sie alle verfügen über eine eigene Oberstufe und betrachten das Ansinnen der Sekundarschul-Elternschaft „sehr kritisch“.

Trotz der Vorbehalte gab es aber konstruktive Signale. Ludwig Johnen, Schulpflegschaftsvorsitzender des Gymnasiums Zitadelle, kündigte eine Gesprächseinladung an die Sekundarschul-Elternschaft an: „Wir haben die Pflicht, uns auszutauschen, und wir möchten auch die Hintergründe kennenlernen. Wir werden die Hand reichen, um das System in Gänze zu prüfen.“

Dabei sehen die Eltern nicht nur eine Dialog-Notwendigkeit vor aktuellem Hintergrund. Auch die Frage der Durchlässigkeit sei ein Thema. Weil an der Sekundarschule Spanisch zweite Fremdsprache ist, sind Wechsel zu anderen Jülicher Schulen sehr schwierig. Dort ist Französisch Fremdsprache Nummer zwei.

Das große Ganze in der Jülicher Schullandschaft – oder im Nordkreis – zu sehen: Das war den Vertretern aller Bildungseinrichtungen in Overbach ein Anliegen. Wenn nämlich in der Sekundarschule eine fünfte Oberstufe im Stadtgebiet entstünde, hätte das Folgen für alle – auch die Sekundarschule.

„Wir haben dann eine so starke Vielfalt, dass kein Angebot mehr zustande kommt“, argumentierte Thorsten Vogelsang, der ein Beispiel lieferte: Schon jetzt gebe es in drei Gymnasien der Stadt keine Chemie-Leistungskurse. Bei einer weiteren Verteilung der Schülerströme durch eine fünfte Oberstufe würde das Angebot auf Standardniveau und „Pflicht-Leistungskurse eingedampft“. Das wäre für den gesamten Bildungsstandort Jülich ein Rückschritt, auch für die Sekundarschule. Zudem gehe die Zahl der Kinder noch stärker zurück.

Helmut Jagdfeld, Vize-Vorsitzender der Schulpflegschaft am Mädchengymnasium, fragte nach den Folgen, wenn es „faktisch keine Schule mehr im Sekundarstufenbereich I“ gibt: „Was passiert mit den klassischen Haupt- und Realschülern? Fallen die nicht hinten runter?“ Ihm pflichtete Gerd Schmidt, Vorsitzender des Fördervereins Berufskolleg, bei. Ein „Überangebot gymnasialer Schulen“ habe deutliche Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt. Dort herrsche dann noch mehr Nachwuchsmangel als bisher.

Am 5. November steht eine Diskussion über den Antrag der Sekundarschuleltern im Jülicher Schulausschuss auf der Tagesordnung. Dort liegen dann wohl auch Prognosen eines aktuellen Schulentwicklungsplanes vor. Der zeigt auf, welche Folgen eine fünfte Oberstufe in Jülich haben könnte.

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