Nach drohender Insolvenz wieder Optimismus beim Sozialwerk

Von: ptj
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Bringen Dynamik in die Fahrradwerkstatt: Die geflüchteten iranischen Mechaniker (v.l.) Mustafa Kouhshari und Hamid Reza Babaghorbah. Foto: Jagodzinska
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Christliches Sozialwerk feiert Neustart: Vor vielen Gästen drückt Vorsitzender Dr. Thomas Kreßner seinen Dank und seine Freude aus.

Jülich. Um seinen „Neustart zu feiern“, hatte das Christliche Sozialwerk Jülich zum „Tag der offenen Tür“ in seine Räume in der Schützenstraße geladen. Nach eineinhalb Jahren drohender Insolvenz, in der Hauptsache verursacht durch weggebrochene Bundes- und Landesfördermittel, lag es Vorsitzendem Dr. Thomas Kreßner am Herzen, den „Unterstützern, Kunden, Freunden und Spendern einmal Danke zu sagen“.

Unter vielen anderen nannte der Vorsitzende den Dürener Insolvenzverwalter Dr. Mark Boddenberg, die Beraterfirma „Omniss“ und Steuerberater Frank Liemich, letztere beiden aus Jülich. Dr. Peter Nieveler fügte später das verdiente Lob für Kreßner hinzu, der „richtig hart gearbeitet hat“. In seiner Ansprache betonte letzterer: „Alle, die an dem (Insolvenz)verfahren beteiligt waren, haben uns ermutigt.“

Nun herrscht wieder Aufbruchstimmung, obwohl „alles noch ein bisschen hängt und mit dem Finanzamt auch noch nicht alles geklärt ist“. Noch steht der nämlich der erneute Eintrag ins Vereinsregister und damit die Anerkennung der Gemeinnützigkeit aus, was nach Kreßners Bekunden einen Steuerunterschied von 1000 Euro ausmacht.

Das Sozialwerk hat interne Strukturen verändert und „bittere Personalentscheidungen gefällt“. In diesem Zusammenhang stellte er den neuen Geschäftsführer Michael Mauer vor. Beide Standbeine des Vereins, die Alten- und Familienhilfe und das Gebrauchtwarenkaufhaus „Möbel & mehr“ (Mum), werden von „tollen engagierten Teams“, darunter ein Logistikteam, organisiert. Die Familienhilfe betreut zwischen 60 und 70 Kunden. Das Gebrauchtmöbelkaufhaus liefert vor allem Möbel nach Jülich, Linnich, Titz und Inden, darunter „viele an Flüchtlinge“. Weil es seit 26 Jahren ureigenstes Ziel des Christlichen Sozialwerks ist, durch Beschäftigung, Beratung und Qualifizierung Maßnahmen zur Verringerungen von Arbeitslosigkeit zu fördern, bringt die Institution mit Kooperationspartnern gerade zwei Projekte auf den Weg: Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk in Düsseldorf will sie Flüchtlinge in Arbeit bringen, mit der „Aktion Mensch“ in Bonn die Behindertenintegration weiter verfolgen. Ein Antrag ist bereits gestellt.

Zwei geflüchtete Iraner, die Mechaniker Hamid Reza Babaghorbah und Mustafa Kouhshari, sind in der kaufhauseigenen Fahrradbörse beschäftigt, natürlich wie alle anderen sozialversichert, wie Kreßner betonte. „Sie bringen Dynamik in die Fahrradwerkstatt“, freute sich der Vorsitzende. Sozialamtsleiterin Doris Vogel, die das „Möbel & mehr“ einst mit Herbert Kaltenbach auf den Weg brachte, unterstrich allerdings die Aufwandsentschädigung der Iraner, die nach dem neuen Integrationsgesetz nur 80 Cent je Stunde beträgt. „So etwas macht man eigentlich nicht“!

Kreßner fand für diesen Zustand weitaus drastischer Worte. Deshalb sucht das Sozialamt „immer noch Arbeitgeber, die einen vernünftigen Stundenlohn zahlen. Wir haben so viele Flüchtlinge, die so gerne arbeiten möchten“, sagte Vogel. Zudem war Babahorbah unlängst in Jülich Opfer einer „Willkommenskultur, die ins Nazi-Reich gehörte“, wie Kreßner es ausdrückte. Ein Deutscher hatte den Iraner von hinten auf die Schulter getippt. Als dieser sich umdrehte, traf ihn ein harter Schlag mitten ins Gesicht. Er musste sich im Krankenhaus behandeln lassen.

Die Fahrradwerkstatt repariert im Übrigen Drahtesel für Flüchtlinge und Harz IV-Empfänger, weil sie Fahrradhändlern „keine Konkurrenz machen darf. Gerne folgten die zahlreich erschienenen Gäste – viele unter ihnen sind für ihr gemeinnütziges Engagement bekannt – der Einladung Kreßners, „zu gucken, zu staunen und zu kaufen“. Kostenlos seien allerdings Getränke, Kuchen und Grillwürste, darunter auch für Muslime geeignetes Fleisch. Abschließend bat das Christliche Sozialwerk um gut erhaltene Sachspenden für ihr Gebrauchtmöbelkaufhaus. Beispielhaft erwähnt wurden Küchen, Schränke, elektrische Geräte, Tassen und Teller.

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