Nach dem Messerstich: Igor B. nicht völlig schuldunfähig

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Jülich. Die Sachverständige für Psychiatrie hatte am Mittwoch das Wort im Prozess gegen den 27-jährigen Angeklagten Igor B. Er steht wegen versuchten Totschlags vor dem Aachener Schwurgericht.

Wie es zu der Tat im betrunkenen Zustand an einem Sonntagmorgen im Februar kam, weiß heute selbst das Opfer, der 30-jährige Cousin Aleksander A., nicht mehr.

Beide kamen von einer ausgedehnten Geburtstagsfeier der Familie in die Wohnung von B. und tranken weiter - bis gegen 10 Uhr am Morgen der Cousin mit einer Stichwunde im Brustkorb auf den Jülicher Marktplatz torkelte.

Auch am Mittwoch wusste Aleksander A. nicht mehr zu sagen, als dass man in betrunkenem Zustand „mit einem Küchenmesser” Geschicklichkeitsspiele gespielt habe. Dann spürte er plötzlich einen Stich in der Brust, sackte zunächst zusammen und lief dann blutend nach draußen auf den Marktplatz.

Drei Promille

Die Sachverständige Dr. Konstanze Jankowski (Köln) stellte nach eingehender Begutachtung von Igor B. keine „dissozialen Tendenzen” fest. Der Angeklagte sei gut eingebunden, habe einen Beruf, wolle eine Familie gründen. Nur der Alkohol mache ihm zu schaffen, eine Sache, die sicherlich auch einen kulturellen Hintergrund habe.

Die Tat habe er im Zustand eines „mittelschweren Rauschzustandes” begangen, die Psychiaterin attestierte dem alkoholgewohnten jungen Mann zum Tatzeitpunkt eine verminderte Schuldfähigkeit, hatte er doch rund drei Promille Alkohol im Blut.

Eine gänzliche Schuldunfähigkeit durch einen Vollrausch etwa konnte sie nicht feststellen, die anhaltende Amnesie, das völlige Nichterinnern, sei kein hinreichendes Merkmal für einen Zustand völliger Schuldunfähigkeit.

Am Donnerstag werden die Plädoyers gehalten, ein Urteil wird für Montag erwartet.
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