Nach Bronze in London wartet der Köln-Marathon

Von: Antonius Wolters
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Mit dem Liege-Dreirad schafft
Mit dem Liege-Dreirad schafft Handbikerin Svetlana Moshkovich mehr als 30 km/h. Im Hintergrund Michael Biermann. Foto: Wolters

Müntz. Für Svetlana Moshkovich aus Müntz schließt sich am kommenden Sonntag beim Köln-Marathon der Kreis: Die 29-Jährige startet in ihrer Altersklasse WH 3 als Tielverteidigerin im letzten Handbike-Rennen einer überaus erfolgreichen Saison, die am 5. September der Gewinn der Bronzemedaille bei den Paralympics in London gekrönt hat.

Die Russin startete auf der Rennstrecke Brands Hatch beim Einzelzeitfahren über 16 Kilometer, wobei die vierfache russische Meisterin die erste Paracyclingmedaille für ihr Heimatland gewann.

In Svetlana Moshkovichs Augen tritt ein Leuchten, wenn sie sich an den Empfang durch Wladimir Putin erinnert, der alle 102 Medaillengewinner der Paralympics in den Kreml eingeladen hatte. So schmückt ein Autogramm des Präsidenten das Band, an dem die riesige Bronzemedaille hängt, die Svetlana daheim in Müntz wie ihren Augapfel hütet.

„Der Leistungssport war ganz neu für mich”, gesteht die junge Frau aus Sibirien, die 1983 in der Millionenstadt Krasnojarsk geboren wurde, wo sie später Englisch und Deutsch studierte.

Bevor Moshkovich zur Senkrechtstarterin in der Handbike-Szene avancierte, fesselte ein 2004 ein Autounfall sie an den Rollstuhl. Mehrere Operationen musste die junge Frau überstehen, bis sie 2007 mit ihrem Arzt, der in Heidelberg eine Fortbildung absolvierte, erstmals nach Deutschland kam. Im Gesundheitszentrum der Manfred-Sauer-Stiftung, die sich speziell um Querschnittgelähmte kümmert, lernte sie Michael Biermann vom Otto Bock Handbiketeam kennen, der dort als Tour-Guide eines Trainingslagers wirkte und auch Svetlana unter seine Fittiche nahm.

Biermann, der seit 1993 nach einem Motorradunfall auf den Rollstuhl angewiesen ist, machte die attraktive junge Frau mit dem Ausdauersport auf dem Handbike vertraut. Swetlana fing offenbar sofort Feuer, denn das Handbike hat ihr die lange vermisste Selbstständigkeit zurückgegeben. Etliche Trainingskilometer hat die ehrgeizige junge Dame seit dem ersten Kennenlernen vor vier Jahren mit dem Liege-Dreirad zurückgelegt, in dem feinste Fahrradtechnik verbaut ist. Für das Otto Bock Handbiketeam, das bei den Paralympics in London die komplette technische Betreuung der Athleten übernommen hat und mit rund 70 Mechanikern und einer großen Werkstatt vor Ort war, ist Svetlana Moshkovich inzwischen eine von drei Paralympic-Botschaftern.

Sie fährt seit 2010 Rennen und reist für Weltcup und Weltmeisterschaften durch Europa und Kanada, fliegt auch oft nach Russland. Allein im vergangenen Jahr hat sie an 27 Wettbewerben teilgenommen. Vor den Paralympics war das Trainingspensum besonders groß: Dreimal täglich war sie vier bis sechs Stunden unterwegs, absolvierte täglich 60 bis 80 Kilometer. Bronze in London und die russische Ehrenmedaille waren der Lohn und ihre Liebe zu Micha Biermann, der beim entscheidenden Rennen seiner Freundin auf der Tribüne mitfieberte.
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