Muskalisch spannender Brückenschlag im Roncallihaus

Von: ptj
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Am „Tag der Deutschen Einheit“ Brücken schlagen zwischen Kontinenten und von der Vergangenheit in die Zukunft: Querflötist Oliden Mata und Cembalist Antonio Figueroa, beide aus Venezuela, wirken als Brückenbauer und begeistern ihr Publikum. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Venezuela und Europa – Musik kann Brücken bauen“ war ein bestens gelungener Musikabend überschrieben, zu dem die Studierendengemeinde Jülich (KSG) erstmals ins Jülicher Roncallihaus geladen hatte. Das Konzert war laut Hochschulseelsorger Alexander Peters „beim Länderabend relativ spontan in die Wege geleitet worden“.

Initiator war Diplomphysiker Antonio Figueroa, der in Jülich studiert und sein Cembalo-Studium bei Professor Abraham Abreu abschloss, der als Gründer der Organisation „El Sistema“ außergewöhnlich begabte junge Musiker fördert. Figueroas Konzertpartner heißt Oliden Mata, ist professioneller Querflötist, stammt ebenfalls aus Venezuela und wohnt im Hamburg. Als Cembalo diente ein Keyboard, das mittels Laptop den silbrigen Klang des barocken Tasteninstrumentes imitierte.

Natürlich ist der Saal in der zweiten Etage des Roncallihauses „nicht unbedingt als Konzertsaal bekannt, aber das kann sich ändern“, wies Peters die Richtung. Trotz mangelnder Akustik und fehlendem Originalinstrument begeisterten die hervorragenden Musiker das internationale Publikum, das in der Pause zu angeregten Gesprächen fand.

Weil der „Tag der Deutschen Einheit“ ein Fest ist, zu dem in Venezuela getanzt worden wäre, war das Konzert untergliedert: In einen einleitenden Part mit „nicht mehr tanzbaren“ europäischen Kompositionen, einem Mittelteil aus venezolanischen Stücken, zu denen in dem nordamerikanischen Land sehr wohl getanzt wird, und einem brückenbauenden Schlusspart mit eigenen Arrangements von Figueroa. „Besonders wichtig“ war den Musikern, die Solo und im Duett spielten, der Mittelteil, weil er die „Geschichte unserer Kultur“ erzählt.

So wurden etwa Bachs „Partita in A-moll, BWV 1013“ und „El Parrandero“ (Der Partygänger) von Daniel Mayz einander gegenübergestellt. Die Partita ist eine „Bourrée anglaise“, ein Hoftanz aus dem 16. Jahrhundert, „El Parrandero“ eine fröhlich/rhythmische Merengue, beide wurden im Zwei-Viertel-Takt als Flötensolo vorgetragen.

Ein zweites Vergleichsbeispiel ist Bachs kunstvolle Fuge „Contrapunctus I, BWV 1080“ und „Atardecer“ (Sonnenuntergang), ein venezolanischer Walzer von Lencho Amaro. Mit Spannung erwartet wurde der dritte Teil, in dem das Duo in seinen Arrangements kunstvolle europäische Elemente mit fröhlich/rhythmischen venezolanischen Akzenten verband. So erklang etwa das „Kreolische Präludium“, von Rodrigo Riera für Gitarre komponiert, auf einem umfunktionierten Keyboard in einem Figueroa-Arrangement wundervoll im Cembalo-Klang.

Ferner wurden der Walzer „Viajera del Rio“ (Flussreisende) als Flötensolo interpretiert oder das anspruchsvolle schnelle Stück „Seis por derecho“ (gerade sechs), ein typisches Beispiel für die vielseitige Landesmusik Venezuelas, in der Elemente-verbindenen Handschrift Figueroas im Duett gespielt.

Auf den donnernden Applaus des Publikums, das auch mit stetem Zwischenapplaus sein Wohlwollen bekundet hatte, spielten Figueroa und Mata erneut das beliebte „Parrandero“ als Zugabe, worauf sie wiederum kräftig beklatscht wurden.

Sicher wären die nordamerikanischen Musiker geeignet, in einer Kirche oder Konzerthalle mit toller Akustik zu glänzen.

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