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Musik des Mittelalters erklingt bei Matinée

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Barmen. Für den 20-jährigen Johann Sebastian Bach waren 800 Kilometer Fußmarsch kein Hindernis. Im Jahre 1705 machte sich der junge Komponist auf den Weg von Arnstadt in Thüringen nach Lübeck, um dort „Buxtehude zu behorchen“.

Der Deutsch-Däne Dietrich Buxtehude (1637 - 1707) hatte es als Organist und Kantor an der Marienkirche in Lübeck mittlerweile zu „Weltruhm“ gebracht und dem jungen Bach lag viel daran, von diesem bedeutenden Barockkomponisten zu lernen.

Bach verschmäht die Braut

Nach beiderseitigem Kennenlernen sah Buxtehude in Bach wohl einen würdigen Nachfolger für seine Lübecker Kantorenstelle, doch die daran anknüpfende Bedingung, seine scheinbar wenig attraktive Tochter Anna Margarete zu ehelichen, stieß bei Bach auf wenig Gegenliebe. Fünf Jahre zuvor hatten sich schon Johann Mattheson und Georg Friedrich Händel um die Nachfolge des inzwischen Sechsundsechzigjährigen beworben, weil auch sie nicht bereit waren, die damals achtundzwanzigjährige Tochter Anna Margareta zu ehelichen, wie es der Brauch verlangt hätte. Buxtehude fand dann noch in seinem Todesjahr mit Johann Christian Schieferdecker einen Schwiegersohn und Nachfolger.

Nach einer mehrmonatigen Lehrzeit kehrte Bach – er überzog sogar seinen Urlaub – wieder nach Arnstadt zurück, blieb aber zeitlebens ein großer Bewunderer des norddeutschen Meisters.

Auch die Overbacher Musiker sind mittlerweile zu Liebhabern von Buxtehudes Musik geworden. Bereits im vergangenen Frühjahr hatte Kerry Jago, Singschulleiter und Alte-Musik-Kenner, mit Mitgliedern des Overbacher Kammerchores drei Kantaten aus dem Passionszyklus „Membra Jesu Nostri“ einstudiert und in einer Matinée zu Gehör gebracht.

Drei Kantaten

Nun stehen die letzten drei Kantaten auf dem Plan: Diesmal unterstützt vom Cellisten Pedro Obiera, musizieren erneut Mitglieder des Overbacher Kammerchores sowie Solisten des Kammerorchesters in der nächsten Sonntagsmatinee am 2. Februar, um 12 Uhr in der dortigen Klosterkirche. Buxtehudes Passionsmusik beschreibt das Leidensszenario mit Blick über die sieben Gliedmaßen Jesu am Kreuz.

Der imaginäre Betrachter des Gekreuzigten richtet dabei seinen Blick immer wieder aufwärts. Ähnlich einer Meditation beginnt das Gebet demütig bei den Füßen, um über die Knie, die Seite, die Hände, die Brust und das Herz schließlich das Antlitz des Heilandes zu schauen. Buxtehude vertonte den zugrundeliegenden schwärmerisch-mystischen lateinischen Text des Mittelalters in ausdrucksstarke und affektgeladene Musik, die die Gefühle der Gläubigen zur damaligen Zeit zwischen Schmerzversenkung und sehnsüchtigem Hoffen auf Erlösung widerspiegelt.

Die Overbacher Sonntagsmatinee, von Gesangsdozentin und Sängerin Anna Schander ins Leben gerufen, gehört seit vier Jahren fest zum Programm von Haus Overbach. An jedem ersten Sonntag im Monat (außer in den Schulferien) musizieren in der Klosterkirche Overbach unterschiedliche Ensembles und Solisten im Anschluss an den Gottesdienst um 12 Uhr eine halbe Stunde verschiedenste Werke. Dieses Angebot ist für alle Besucher kostenlos. Die nächste Sonntagsmatinee findet am 2. März statt.

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