Museumstag: Vier regionale Fenster in die Geschichte

Von: ptj/jago
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LVR-Kulturhaus Landsynagoge: Dr. Alexander Schmalz durchläuft in seinem Vortrag 2000 Jahre hebräische Sprachentwicklung. Foto: Jagodzinska
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Bergbaumuseum „Glück Auf“ in Aldenhoven: Der ehemalig Elektro-Obersteiger Franz-Josef Vietler demonstriert eine alte CO2-Maske, die den Kumpels zwei Stunden Sauerstoff sicherte. Foto: Jagodzinska

Jülicher Land. Vier Schwerpunkte gab es anlässlich des Internationalen Museumstages im Jülicher Land: Das Museum Zitadelle in Jülich, das LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen, das Linnicher Glasmalerei-Museum und das Aldenhovener Bergbaumuseum „Glück Auf“.

Augustus hatte „helle, glänzende Augen, sein Haar war leicht gelockt und ins Blonde gehend, seine Zähne standen auseinander und waren klein und unsauber“. So beschreibt der römische Schriftsteller Sueton den Kaiser Augustus, der auf Kameen, Münzen und Statuen stets idealisiert und jugendlich dargestellt wird.

Auf seiner „Suche nach den Wurzeln der Euregio“ bot das Jülicher Museum Zitadelle als ein Glied der euregionalen Vicusgruppe (römisch: Siedlung) mit Forschern aus Maastricht, Heerlen, Aachen und Jülich einen näheren Blick. Auch das in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Düsseldorf erstellte Phantombild des Kaisers – Teil der Ausstellung „Fahndung nach AVGVSTVS“ – hilft, diese Vorstellungen zu korrigieren.

So alt wie Weihnachten

Erkenntnisse zum Alter der Euregio gewähren Datierungen mit Bodenschichten, Keramik, Münzen, Fibeln und der Dendrochronologie (Baum-Alter). Damit ist die Fragestellung als Ziel der Ausstellung geklärt: „Wir sind so alt wie Weihnachten – wenn nicht sogar älter!“. Zur weiteren Veranschaulichung trug Christoph Ludwiki als „Beneficarier“ (römischer Straßenpolizist) bei.

In einer Stunde durchlief Religionswissenschaftler Dr. Alexander Schmalz in seinem Bildvortrag im LVR-Kulturhaus Landsynagoge in Rödingen 2000 Jahre hebräische Sprachentwicklung und leitete im Anschluss einen Hebräisch-Workshop. Zusammengefasst hat sich die quadratische Konsonantenschrift aus der Bibel in der Schreibweise kaum verändert. Allerdings führten die „Masoreten“ (Überlieferer des Tanach, der hebräischen Bibel) bis zum 10. Jh. n. Chr. Vokalzeichen in die Bibelhandschriften ein. Verändert hat sich allerdings die Aussprache.

Durchgesetzt hat sich die sephardische (osteuropäische) gegenüber der aschkenasischen Aussprache spanischer Juden, die Diphtonglaute wurden minimiert. Das moderne Hebräisch, das Lehnwörter aus anderen europäischen Sprachen enthält, eint die gesamte israelische Gesellschaft. Mit Klezmer, jiddischen Liedern und jiddischem Tango, gespielt auf Geige, Akkordeon und Klarinette, verzauberte das „Duo Tangoyim“ abschließend seine Zuhörer.

Franz-Josef Fietler, ehemaliger Elektro-Obersteiger und Gründungsmitglied des „Bergmännischen Traditionsvereins“ Aldenhoven, klemmte sich im Bergbaumuseum „Glück Auf“ einen alten blechernen CO2-Filter an die Nase, der eingeklappt eher einer Kaffeedose ähnelt. Jeder Bergmann wurde mit einem solchen ausgestattet und hatte damit Sauerstoff für zwei Stunden. Für die Grubenwehr gab es wesentlich größere Filter mit höherer Kapazität. Unwillkürlich beschleicht den Besucher ein klammes Gefühl.

Das „größte Grubenunglück aller Zeiten hier“, natürlich auch im Museum dokumentiert, ereignete sich im Oktober 1930 auf der Schachtanlage Anna II und forderte 271 Todesopfer, nur ein Kumpel überlebte. Eine Besonderheit bei der Führung durch das reich ausgestattete Museum war die private Lampensammlung mit rund 100 Exponaten von Hartwig von Hoym aus Birgel, darunter auch eine 115 Jahre alte Öllampe aus England. Ein nettes Detail ist die speziell angefertigte Vier-Mann-Lore im Untertagezug für Bischof Hemmerle anlässlich seiner Visitation.

Technik der Bleiverglasung

Das Angebot von drei kostenlosen Führungen durch die ständige Sammlung und die aktuelle Sonderausstellung des Glaskünstlers Thierry Boissel nutzten viele Kunstinteressierte für einen Besuch im Linnicher Glasmalereimuseum. Bereits kurz vor 15 Uhr begrüßte Museumsleiterin Myriam Wierschowski mit Herta Gerlach, die in Begleitung ihres Ehemanns Hubert aus Düren angereist war, die 500. Besucherin. Besonders spannend war der Tag für Kinder, die ihre Kreativität als „Murmelmaler“ zeigten.

Das Museums-Rätsel diente gleichzeitig als Ansporn und Führer durch die verschiedenen Bereiche des Museums. Auf großes Interesse stieß eine Demonstration der Technik der Bleiverglasung, die von Glaskünstler Michael Scheu vorgeführt wurde. Ein Flohmarkt, zu dem viele außergewöhnliche Artikel aus Glas gespendet worden waren, fand regen Zuspruch. Der Erlös kommt dem Bereich Museumspädagogik zugute.

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