Müntefering und Spaltner diskutieren den demografischen Wandel

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
8545804.jpg
Franz Müntefering und Stephan Spaltner diskutierten auf Gut Köttenich den demografischen Wandel und seine Herausforderungen mit den Genossen. Foto: Wolters

Aldenhoven. Mit Franz Müntefering, dem ehemaligen Vizekanzler, SPD-Vorsitzenden (2004/05 und 2008/09) sowie vielfachen Minister hatte sich am Montag prominenter Besuch auf Gut Köttenich angesagt, um über den demografischen Wandel zu sprechen und dem laufenden Bürgermeisterwahlkampf seiner Partei in Aldenhoven Rückenwind zu geben.

Dabei verstand er sich mit dem parteilosen Kandidaten Stefan Spaltner, den die Genossen für das Amt nominiert haben, auf Anhieb bestens, wie die SPD-Granden aus dem Nordkreis beobachteten, die das bestens präparierte Urgestein erleben wollten.

Die Rollen an diesem Abend waren klar verteilt: Birgit Strack moderierte, Franz Müntefering trug im Stile eines Elder Statesmans seine Thesen und Beobachtungen vor, bevor Stephan Spaltner Aldenhovener Aspekte zum Thema ergänzte. Zudem hatten die Besucher ausreichend Gelegenheit zur Diskussion.

Als Aufgaben, die Kommunen anpacken sollten, um den demografischen Wandel zu gestalten, empfahl Müntefering die Schaffung von Bildungs- und Ausbildungschancen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, die Attraktivität des Wohnens zu gewährleisten und gut bezahlte Arbeitsplätze im Umkreis von bis zu 45 Fahrminuten anzubieten. Zudem müssten, um gut alt werden zu können, medizinische Versorgung und ÖPNV gewährleistet sein.

„Das größte Problem kommt aus der Einsamkeit der Menschen“, benannte der 74-Jährige die „schlimmste Krankheit“, die bei Senioren zu Depression und Verzweiflung führe. Hier gelte es, an sozialen Strukturen, Betreuungsmöglichkeiten und medizinischer Versorgung zu arbeiten, um ein gewisses Maß an Lebensqualität zu gewährleisten.

Dass Aldenhoven mitten im demografischen Wandel steckt, machte Stephan Spaltner anhand von Zahlen deutlich. In den nächsten fünf Jahren sind über 20 Prozent älter als 80 Jahre, für die Leben, Wohnangebot und Nahversorgung mit Energie zu gestalten seien. Wie aus dem Publikum zu hören war, fehlt es in Aldenhoven insbesondere an Angeboten zum altersgerechten Wohnen, die bezahlbar sind. Für diese wichtige Aufgabe bringt Spaltner die gemeindeeigene Woga und die Wohnungen an der Frauenrather Straße ins Spiel.

Um auch im Alter die Lebensqualität zu erhalten, schlägt Franz Müntefering die Stärkung des Ehrenamtes vor, beispielsweise durch die Einführung von Bürgerbussen oder eines Ehrenamtsbüros, das auch soziale Kontakte im Blick hat. „Bewegt älter werden“, sei auch ein wichtiger Aspekt, denn „die Bewegung der Beine ernährt das Gehirn“. Zudem sei es besser, gemeinsam in Gruppe oder Verein etwas zu unternehmen, als alleine zu sein. Als sinnvolle Aufgabe, die ein probates Mittel gegen Vereinsamung sei, nannte der Alt-Politiker Patenschaften von Senioren zu Kindern, denen diese Art der Solidarität sichtlich gut tue. Zudem sei das gut zu organisieren und vernünftig zu entwickeln.

Mit einem aktiven Angebot möchte Stephan Spaltner jüngere Menschen an den Standort Aldenhoven binden. Dank der verkehrsgünstigen Lage sei es wichtig, neue Wohngebiete mit günstigen Grundstückspreisen zu entwickeln, durch die Wirtschaftsförderung neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Potenziale der Gemeinde zu heben.

Ländliche Strukturen als Chance

„Wir müssen die Lebensqualität wieder betonen“, hat der Sauerländer Müntefering durchaus ein Faible für eher ländliche Strukturen, wie sie auch in Aldenhoven vorzufinden sind. Mit der Nähe zu Aachen, Köln und Düsseldorf gebe es hier überdies auch berufliche Perspektiven in erreichbarer Nähe bzw. mit der Euregiobahn möglicherweise die Chance zu einer Direktanbindung in die Kaiserstadt.

Ergänzt werde das durch gute Angebote bei Kitas und Schulen, fügte der Bürgermeisterkandidat hinzu. Der will auch mehr Geld in „die beste Gesamtschule für Aldenhoven“ investieren, und dafür Förderprogramme des Landes wie „Soziale Stadt“ akquirieren. Auf diese Weise soll es gelingen, die Jungen zu binden und die Generationen ins Gespräch zu bringen.

Dabei sollen Familien, die nicht viel haben, nicht zurückgelassen werden, sondern die Chance zu guten Schulabschlüssen erhalten. Nicht zuletzt gelte es, in Aldenhoven auch einfache Arbeit anzubieten, die von geringer Qualifizierten erledigt werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert