Mordopfer wollte wieder anschaffen gehen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Jülich. Mit einem Geständnis des Angeklagten Heinz G. (52) aus Jülich-Welldorf ist der Prozess wegen Mordes an seiner Ehefrau am Montag vor dem Aachener Schwurgericht weitergegangen.

Der Betriebswirt und Finanzbuchhalter gestand, am Morgen des 15. Oktober die 39-jährige gebürtige Brasilianerin mit zwei Schüssen aus seiner Pistole niedergestreckt zu haben. Als Grund für die Tat gab der langjährige Sportschütze an, er habe ihre erneutes Abrutschen in die Prostitution verhindern wollen.

„Ich wollte sie nicht umbringen, ich wollte nur, dass sie bleibt”, hatte er gestanden. Sie wollte aber nicht bleiben und stattdessen wieder in einem Massagesalon in Mönchengladbach Geld verdienen. Als sie morgens aus der Dusche kam und sagte, sie gehe jetzt wieder anschaffen, sei er in den Keller zum Waffenschrank gegangen.

Von dort kam er mit einer Pistole wieder hoch und forderte seine Frau mit vorgehaltener Waffe ultimativ auf, ihre Pläne nicht weiterzuverfolgen. Sie habe ihn angeschrien, denn er habe schließlich - anders als sie gedacht hatte - doch nicht genügend Geld für sie und ihren zehnjährigen Sohn.

Da schoss er auf den Kopf seiner Frau. Sie sei zusammengesackt. Das mit dem zweiten Schuss könne er sich nicht so richtig erklären, berichtete er gefasst. Nur wenig male kippte seine Stimme wegen unterdrückter Tränen weg. Der zweite Schuss sei quasi einfach so los gegangen, als er seine zitternde Pistolenhand mit der freien Linken festhalten wolle. Bei dieser Version schaute das Gericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl ungläubig auf.

„Der Rechtsmediziner spricht sogar von einem finalen Fangschuss”, unterbrach Nohl das Geständnis. Bislang ist auf jeden Fall strittig, ob der Ehemann zuerst von hinten in den Nacken schoss oder, wie er angab, zuerst in das Gesicht seiner hübschen Frau.

Das Paar hatte vor etwa einem Jahr auf Rügen geheiratet, zunächst war alles gut. Dann aber kam immer wieder das Thema Geld auf den Tisch. Die Firma des diplomierten Betriebswirtes hatte Insolvenz anmelden müssen, er befand sich in einer Auffanggesellschaft - mit allerdings hohen Bezügen. Die waren jedoch nicht mehr so hoch, dass sie für den aufwendigen Lebensstil der nur 1,50 Meter großen Ex-Prostituierten reichte.

Der langjährige Leiter der Finanzabteilung einer Dürener Firma hatte die ebenso hübsche wie muntere Frau in dem Mönchengladbacher Salon „Body to Body” kennengelernt.

„Ich habe mich sofort in sie verliebt”, berichtete er über die Besuche im Massagesalon. Seine vorige Ehe sei seit Jahren nicht mehr erfüllt gewesen, im Betrieb hätten ihm die Arbeitskollegen den guten Rat gegeben, „doch mal in den Puff zu gehen”, wie Richter Nohl die freundschaftliche Geste formulierte.

Vor der Tat soll es immer wieder Streitereien gegeben haben. Besonders drei Wochen vor der Tat im gemeinsamen Haus in Welldorf gab es Ärger auf einem Straßenfest. Hier hatte sich die quirlige Frau mit einem Nachbarn so intensiv beschäftigt, dass Heinz G. ausflippte und sie an den Haaren zurück nach Hause schleifte. Ab dann spitzte sich alles zu. Der Prozess geht am Mittwoch weiter.
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