„Möhneball“ endet für Vater und Sohn vor Amtsgericht

Von: hfs.
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Anklage wegen schwerer Körperverletzung: Der Besuch des „Möhneball“ 2015 endete für einen Vater und seinen Sohn (beide aus Kirchberg) vor Amtsgericht. Symbolbild: dpa

Jülich. „Ich wollte den Aggressivsten aus dem Verkehr ziehen“, antwortete ein 50-jähriger Geschäftsmann aus Kirchberg auf die Frage der Staatsanwaltschaft, warum er sich in einen „Streit“ einmischte, der sich Karnevalsfreitag 2015 im Festzelt in Lich-Steinstraß ereignet hatte.

Eine Einmischung mit Folgen, denn nun wurde er zusammen mit seinem Sohn (26) wegen gefährlicher Körperverletzung am Amtsgericht Jülich angeklagt.

Im Festzelt durchleben Hunderte vorwiegend junge Kostümierte den Karneval bei der KG Maiblömche, seit vielen Jahren im Jülicher Möhnewinkel. An den Stehtischen wird diskutiert, mal lautstark, mal leise, Pärchen treffen sich, gehen wieder auseinander. „Nein, ich kannte keinen, ich habe nur beobachtet, dass an einem unserer Nachbartische eine aggressive Stimmung herrschte, die sich immer mehr aufschaukelte“, schilderte nun der 50-jährige Kirchberger aus seiner Sicht die Chronologie der Ereignisse, die ihn nun mit seinem Sohn vor die Schranken des Jülicher Amtsgerichts brachte.

Zusammen mit seinen Kindern und Freunden hatte er, „wie jedes Jahr“, den Möhneball besucht. Irgendwann im Laufe des Abends habe er aus dem Blickwinkel gesehen, wie sich an einem Nachbartisch, rund fünf Meter von seinem entfernt, „bei den Jugendlichen eine aggressive Stimmung aufbaute, die vorwiegend von Herrn K. ausging.“ Dieser hatte, ebenfalls mit Bekannten, den Möhneball besucht, der für ihn allerdings im Jülicher Krankenhaus endete.

Warum dazu kam, brachte der Beklagte in der Gerichtsverhandlung auf den Punkt. „Als ich gesehen habe, dass K. ein Mädel zur Seite schubste, bin ich auf ihn zu, habe ihn in den Schwitzkasten genommen und versucht, auf ihn beruhigend einzureden. Ich wollte die Situation deeskalieren.“ Das Gegenteil war der Fall.

Beim anschließenden Gerangel – K. wehrte sich gegen den Griff des ihm unbekannten Mannes – kamen beide zu Fall und rauften am Boden. Dass der Vater sich des „Geschehens“ am Nachbartisch angenommen hatte, hatte der mit angeklagte Sohn nicht miterlebt. „Ich war zur Toilette. Als ich zurückkam, sah ich die beiden am Boden liegen.“ Noch im Hinlaufen habe er lautstark gerufen, dass K., den er vom Sehen her kannte, seinen Vater loslassen solle. Im Aufstehen taumelte der Jülicher laut Aussage in Richtung des Anstürmenden.

Nach Blutspucken zweiter Schlag

„Ich habe dann nur noch liegend gesehen, wie K. plötzlich zurücktaumelte, was wohl von einem Schlag meines Sohnes herrührte“, sagte der Vater. Der Filius hatte direkt ins Gesicht geschlagen, das anschließende Blutspucken in seine Richtung beantwortete er mit einem zweiten Schlag, was der Senior bestätigte.

„Warum haben Sie überhaupt eingegriffen?“ wollte Staatsanwalt Robert Bodden wissen. „Ich wollte den Aggressivsten aus dem Verkehr ziehen“, bekam er als Antwort. Die Frage, warum er nicht den anwesenden Sicherheitsdienst gerufen habe – schließlich hatte er das Geschehen am Nachbartisch lange beobachtet“ – blieb unbeantwortet. Auch nicht auf Nachfrage des Anwaltes des geschädigten jungen Mannes aus Jülich.

Der hatte mit seiner Schwester, deren Ex-Freundin und deren Freund einige Zeit am Tisch gestanden. „Es hat keinerlei Wortgefechte bei uns gegeben, wir haben uns unterhalten, es ist absolut nichts passiert“, schilderten diese als Zeugen. Von einem „geworfenen Bierglas“, das der Anwalt der Beklagten erwähnte, wisse man überhaupt nichts. Dass der besagte „Tisch“ auffällig gewesen, es zu einer Schlägerei gekommen sei, dies hatten auch drei weitere Zeugen – einer reiste sogar aus einer Kaserne in Frankreich an – nicht gesehen.

Ob er denn Kampfsportler sei, wollte die Vorsitzende Richterin Grahn von dem 26-jährigen Kirchberger wissen. „Denn sie haben ja gut getroffen.“ „Nein“, antwortete der Beklagte, der sich von der auf ihn „zukommende Aufstiegsbewegung von Herrn K.“ bedroht gefühlte hatte.“

Wie die Verhandlung ergab, kannten sich alle Beteiligten nicht, so dass Staatsanwaltschaft und der Anwalt des Geschädigten mehrmals in Richtung des 50-jährigen Angeklagten wissen wollten, warum er sich denn dazu genötigt sah, den jungen Mann direkt in den Schwitzkasten zu nehmen? Eine plausible Antwort blieb aus. Da sich die Kirchberger nach dem Zwischenfall von anderen Gästen bedroht gefühlt hatten, verließen sie anschließend sofort das Festzelt.

Eine erwartete Einlassung der Anwälte nach der Zeugenvernehmung – Vater und Sohn wurden jeweils von einem Anwalt vertreten – scheiterte. Denn seitens der Anwaltschaft des Filius wurde nun namentlich eine Zeugin benannt, die berichten könne, was am Nachbartisch geschehen sei. „Denn die Zeugen, die wir jetzt gehört haben, sind alle unglaubwürdig.“ Eine Aussage der Beklagtenseite, die vom Staatsanwalt und vom Anwalt Thomas Pauli aus Herzogenrath nicht nur mit lautem Grummeln, sondern auch mit Kopfschütteln beantwortet wurde.

Der Termin für die nächste Runde, bei der auch ein Urteil erwartet werden kann, ist auf Mittwoch, 9. März festgesetzt.

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