Modell Sekundarschule: Eltern geht die Fusion zu fix

Von: jan
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Sie stellten sich den Fragen der Eltern: (von links) Wolf Krämer-Mandeau (Bildung und Region), Bürgermeister Heinrich Stommel, Katarina Esser (Stadt Jülich) und Hauptschul-Rektor Helmut Lang. Foto: Guido Jansen

Jülich. Verunsichert bis verärgert - so ist der Gemütszustand bei den Eltern der Grundschulkinder aus Jülich. Die Sekundarschule, die die Stadt schon 2012 anstelle von Haupt- und Realschule einrichten will, stößt bei den Eltern offenbar auf viel Skepsis und wenig Gegenliebe.

Das wurde bei einer Informationsveranstaltung der Stadt in der Schirmerschule deutlich.

Die Eltern der Kinder, die derzeit die 3. und 4. Klasse der Grundschule besuchen, sind bald gefragt, den Daumen nach oben oder unten zu halten für oder gegen die neue Schulform. Bis zum 23. Dezember muss die Stadt als Schulträger den Antrag für die Sekundarschule bei der Bezirksregierung stellen, damit die Schulform schon 2012 Wirklichkeit wird.

„Warum jetzt diese Operation am offenen Herzen? Warum kann man nicht mit ruhiger Hand daran arbeiten, 2014 eine vernünftig konzipierte Gesamtschule einzurichten?” Die Fragen eines Vaters brachte es auf den Punkt und lösten viel Applaus bei den rund 300 Eltern aus.

Zahlenspiegel

Die Sekundarschule, die Jülich auf Anraten des Landes einrichten will, weil die Schülerzahlen für Haupt- und Realschule immer weiter zurückgehen, erscheint den Eltern wie ein unbekanntes Wesen, das viel zu schnell Realität werden kann. Die Frage, warum die Stadt und die beiden betroffenen Schulen dafür sind, schnellstmöglich die Sekundarschule aus dem Boden zu stampfen, wurde immer wieder gestellt.

Zunächst antwortete Wolf Krämer-Mandeau von der Projektgruppe Bildung und Region aus Bonn, die die Kommunen als Schulträger berät, mit dem Ursprungsargument. Die Zusammenlegung von Haupt- und Realschule sei notwendig, da die Zahl der Schüler in Jülich rückläufig sei. 1500 Schüler hätte es vor zehn Jahren noch auf den weiterführenden Schulen der Stadt gegeben, derzeit seien es 1200 und der Trend gehe absehbar in Richtung 1000. „Darüber hinaus wird die Tendenz, das Kind zum Gymnasium zu schicken, immer größer”, so Krämer-Mandeau.

Weniger Kinder bedeuteten für Haupt- und Realschule im Umkehrschluss, dass das Angebot an Kursen abnehmen wird. „Wir versuchen, diesem Trend nicht bloß zuzuschauen, sondern den Schülern, die nicht aufs Gymnasium gehen, eine Chance aufzubauen.” Die Zwischenfrage der Eltern kam sofort: „Warum soll die Sekundarschule schon im kommenden Jahr kommen und nicht erst 2013?” Wieder Applaus.

Realschulrektor Paul Krahe antwortete: „Weil es für eine Schule nicht toll ist zu erkennen, dass sie ihre letzten Jahre erlebt.” Krahe und sein Hauptschul-Kollege Helmut Lang warben für das neue Schulmodell, da eine zusammengelegte Schule mehr Möglichkeiten habe als zwei immer schwächer werdende.

„Außerdem ist damit zu rechnen, dass die Eltern ihre Kinder nicht auf einer Schule anmelden, wenn sie wissen, dass die Schulform ein Jahr später verschwindet”, fügte Katarina Esser vom Amt für Kinder, Jugend und Sozialplanung der Stadt hinzu. Das eine Fusion kommen wird, sei laut Esser unausweichlich.

Die zweite kritische Anmerkung vieler Eltern war das vermeintliche Fehlen eines Konzepts. „Ich will ein konkretes Konzept kennen, wenn ich mein Kind auf der neuen Schule anmelden soll. Aber das gibt es nicht”, meldete sich eine Mutter zu Wort und erntete Beifall wie Zustimmung.

Erst spät in der Diskussion verdeutlichten Esser und Krämer-Mandeau, dass die Sekundarschule stark an das Modell der Gesamtschule angelehnt sei, allerdings ohne gymnasiale Oberstufe. „Es gibt je nach Begabung ein Konzept mit Grund- und Förderkursen”, so Krämer-Mandeau.

Die nächste große Frage der Eltern beantworteten die beiden ebenfalls einstimmt. „Was ist, wenn die Eltern gegen die Sekundarschule stimmen?” Dann würden Haupt- und Realschule weiter geführt. „Wenn die Eltern das neue Modell nicht wollen, dann wären wir schlecht beraten, es trotzdem durchzusetzen”, erklärte Krämer-Mandeau. Das Problem schwächer werdender Schulen bliebe allerdings ungelöst.
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