Mobiler Jugendarbeit wird neues Leben eingehaucht

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
5477515.jpg
Kontakt hat die mobile Jugendarbeiterin schnell. In Boslar wollen Sebastian Faßbender und Justin Castrop beim Neufang im Schützenhaus mit von der Partie sein. Foto: Jonel

Linnich. Yasemin Atan sprüht geradezu vor Tatendrang. Am liebsten wäre sie draußen, sagt sie mit kaum zu zügelnder Energie. „Draußen“ ist ihr Job. Die 30-Jährige ist die neue Diplom-Sozialarbeiterin für die Mobile Jugendarbeit des Kirchenkreises Jülich, Schwerpunkt Linnich. Als solche ist sie viel unterwegs.

Ihr Betätigungsfeld sind Linnichs Satelliten, 13 Ortschaften, in denen Yasemin Atan die Jugendarbeit wiederbeleben möchte. Das kommt für beide Seiten, Jugendliche wie Jugendarbeiterin, einem Neuanfang gleich. Denn nach dem krankheitsbedingten Ausfall ihres Vorgängers, Jerome van Eijk, lag die die mobile Jugendarbeit auf Linnichs Dörfern fast ein Dreivierteljahr brach. Seit 1. April ist die „Neue“ im Dienst und hat alle Hände voll zu tun.

„Organisation und Menschen kennenlernen, und ganz wichtig: Vertrauen aufbauen“, das hält sie auf Trab. „Das kommt jetzt so langsam ins Rollen“, sagt und wieder schwingt mit, dass sie dem Rollen am liebsten mehr Tempo geben würde.

An der Wand in ihrem Speicherbüro im evangelischen Gemeindehaus am Altermarkt hängen 13 Landkartenausschnitte, für jeden Ortsteil einer. Auf manchen vermerkt sind bekannte Standorte, wo Jugendliche sich treffen. In Kofferen beispielsweise der Platz, auf dem der zum Jugendtreff umfunktionierte Bauwagen steht. Mit ihrem wichtigsten Arbeitsutensil, ihrem Kalender- und Notizbuch, plant Yasemin Atan ihre Besuchsroute.

In Düren geboren und aufgewachsen, ist der Nordkreis und das Linnicher Umfeld dennoch terra incognita, unbekanntes Land, das es zu entdecken gilt. Als Führer hat ihr dabei Tobias Storms wertvolle Dienste geleistet. Storms war vor seinem Wechsel als Jugendleiter im Jülicher Bonhoeffer-Haus zuständig für die mobile Jugendarbeit in Linnich. Er kennt sich bestens aus. Mit ihm kann sich Yasemin fast von Tür zu Tür austauschen. In Jülich finden die Dienstbesprechungen statt, dort beim Kirchenkreis hat sie ebenfalls ein Büro.

Der Austausch mit Kolleginnen und Kolleginnen ist ihr wichtig. Eingebunden sein in ein Netzwerk, sagt sie, könne nur positiv sein. Daraus könnten durchaus auch Kooperationen entstehen. Eine solche liegt ihr in Linnich auf der Schwelle. Die Bretterstadt, die seit Jahrzehnten zum sommerlichen Jugendprogramm in der Kernstadt zählt, wird 2013 wieder aufgebaut. Auf die Zusammenarbeit mit Urs Brunnengräber, dem Sozialarbeiter für die stationäre Jugendarbeit in der Linnicher KOT Skyline, „freue ich mich drauf“, strahlt sie.

Aber auch draußen in ihrem eigentlich Bereich hat sie erste Knoten geknüpft. In Gereonsweiler hatte die Kunde von Yasemin Atans Einstellung die Jugendlichen beflügelt. Drei junge Leute haben eigenständig begonnen, ihr Bauwagendomizil am Sportplatz zu streichen. „Ich bin zuversichtlich, dass da wieder was anrollt.“ Auch in Welz hat sie schon Kontakt aufgenommen zu den Jugendlichen, die in der Bürgerhalle „ihr Ding“ machen, und auch in Boslar lässt sich die Jugendarbeit hoffnungsvoll an.

Körrenzig, wo ebenfalls ein Bauwagen als Jugendheim fungiert, bietet ebenfalls einen optimistisch stimmenden Ansatz. „Da fahr‘ ich noch hin.“ Was ihr bisher ausgesprochen angenehm auffiel, ist der Kontakt mit den Ortsvorstehern, die der Jugendarbeiterin ihre Hilfe zugesagt haben. Die kann sie in dem ein oder anderen Fall sicherlich brauchen. „Feste Orte oder Räumlichkeiten sind wichtig.“ Die gelte es zu schaffen, beispielsweise mit den Bauwagen. „Die kommen bei den Jugendlichen sehr gut an. Da fühlen sie sich sicher.“

Neben den festen Einrichtungen will Yasemin Atan natürlich auch die informellen Treffs der Jugendlichen aufsuchen, Parkplätze, Bushäuschen oder ähnliche Orte, wo die jungen Leute sich weitgehend ungestört und „nicht störend“ austauschen. Sie zu aktivieren, ist das Ziel der mobilen Jugendarbeit. „Ich möchte gern auch Sportangebote machen“, schwebt Yasemin Atan vor. Fußball für Jungen und Mädchen sei in der Vergangenheit schon gut genutzt worden. Ein ausgetüfteltes Programm hat die mobile Jugendarbeiterin allerdings nicht parat, wenn sie über die Dörfer zieht. „Ich will mich an den Bedürfnissen der Jugendlichen orientieren und schauen, was davon ist umsetzbar.“

Die Altersbandbreite, mit der Yasemin Atan, es in ihrer täglichen Arbeit zu tun hat, ist bezogen auf die Entwicklungsstufen gewaltig. Von 12 bis 21 Jahren dürfte das reichen.“ Einerseits überlegt sie, ob sie Kindertreffs einrichtet, andererseits ist sie sich bewusst, dass sie mit Formen von Gewalt und Drogenkonsum konfrontiert werden kann. „Dann bin ich bereit, Hilfestellung zu leisten, zu unterstützen oder weiter zu vermitteln.“ Aber an dem Punkt ist Yasemin Atan noch nicht.

Erst müssen alle weißen Flecken von der Landkarte verschwunden und Kontakte engmaschig geknüpft sein. Und so steht Yasemin Atan am Abend am Getränkeausschank am Boslarer Sportplatz, in dem Justin Castrop (16) und Sebastian Faßbender (17) Dienst haben. Die beiden Jungs versprechen vorbeizukommen, wenn oben im Schützenhaus Jugendtreff ist. Wieder ein Anfang gemacht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert