Mit Windkraft den Platz verschönern

Von: Ingo Kalauz
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Der auch jetzt schon beschauliche Platz an der Ruricher Kirche soll noch attraktiver gestaltet werden. So ist der Bau eines Brunnens und eines Obelisken geplant. Foto: Stefan Klassen

Hückelhoven-Rurich. In Zeiten, als Nachrichten noch analog verschickt wurden, hat man gerne das Vokabular der Militärs benutzt, wenn es darum ging, bereits vorhandene Dinge den Entwicklungen der Zeit anzupassen: Sie wurden „aufgerüstet“.

Im digitalen Zeitalter wird an der Sache selbst nichts geändert, man bedient sich aber einer anderen Sprache, um das auszudrücken: „Der Windpark Rurich wird derzeit repowerd.“ Damit wird umschrieben, dass die beiden Windräder, die auf den Feldern gegenüber der Ortschaft Rurich auf landwirtschaftlich genutztem Gelände Strom produzieren, abgebaut und durch sehr viel größere Windkraftanlagen mit mächtigeren Generatoren, die erheblich mehr Strom produzieren als die (nur wenige Jahre) alten, ersetzt werden.

Größere Masten brauchen mehr Fläche – das ist eine analoge Tatsache, die auch im digitalen Zeitalter nicht wegzudiskutieren ist. Im Ruricher Fall hat der Eigentümer der landwirtschaftlichen Fläche dem Betreiber der Windräder vertraglich eine ausgedehntere Nutzung des Bodens gestattet. Der Eigentümer will dafür, wer könnte es ihm verdenken, etwas haben. Geld natürlich.

Um es sich mit seinen Ruricher Mitbürgern nicht zu verscherzen, kommt an diesem Punkt Bauernschläue als zusätzlicher Aspekt mit ins Spiel: Dieses Geld soll zweckgebunden für die Verschönerung des Ortes Rurich verwendet werden. Das hatte man in einer Bürgerversammlung, die, wie der Technische Beigeordnete Dr. Achim Ortmanns im Bau- und Umweltausschuss berichtete, „sehr kontrovers verlaufen ist“, so beschlossen. Eine Art Kuhhandel also: Unschön große Windräder ja – aber nur dann, wenn der Ort selbst schöner wird.

Wenn man als Ruricher jeden Tag den Anblick der Rotoren auf den Feldern gegenüber der Ortschaft ertragen muss, dann soll man sich zumindest im Ort selbst wohlfühlen und an schönen Dingen erfreuen dürfen. Zum Beispiel an dem Kreis mit der alten Pumpe und der Linde, die als Brunnenanlage den kreisförmigen Ortsmittelpunkt direkt neben er neugotischen Pfarrkirche Herz Jesu ziert.

Um diesen schönen Platz noch schöner zu machen, soll dieser jetzt auf Kosten des Betreibers des Windparks Rurich mit einer Zierbrunnenanlage und einem achteckigen Wasserbecken („lichtes Innenmaß ca. 4,10 Meter“) sowie einem mittig darin stehenden, etwa 5,25 Meter hohen Obelisken bestückt werden. Dieser Entwurf ist so mit den Vertretern der Ruricher Vereine abgestimmt worden.

Der Obelisk, so die Verwaltung, sei „kompatibel zum Schloss Rurich“ – wohl, weil dort im Park auch ein Obelisk steht. Der Brunnen soll von einer kreisrunden Stufenanlage und acht Zierbäumen gesäumt werden. Im Ausschuss war von einem „schönen Entrée für Rurich“ und von einer „strengen geometrischen Figuration“ die Rede.

Aber auch davon, dass die Stadt, also alle Steuerzahler Hückelhovens, zur Realisierung des neuen Ortsmittelpunktes für Rurich als Gegenleistung für die deutlich höheren Windräder dort, Leitungen für Wasser und Strom neu verlegen müsse. Und deshalb die Straße aufgerissen werden muss. Da reicht die Summe, die vertraglich mit dem Betreiber als Entschädigung für die Aufhübschung festgelegt worden ist, bei weitem nicht aus: Sie deckt nur rund ein Drittel der anfallenden Kosten. Allerdings sei „der Initiator der Umgestaltungsmaßnahme zudem gleichfalls bereit, sich an den Herstellungskosten zu beteiligen“. Um es digital auszudrücken: Er ist willens zu repowern.

Über die Details zur „Finanzierung der übrigen Herstellungskosten“ wurde nicht öffentlich beraten. Viel Wind also rund um die neue Windkraftanlage auf den Feldern bei Rurich. Der jedenfalls war, ist und bleibt auch in Zukunft analog.

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