Jülicher Land - Mit Salz gegen „Barbara” und „Daisy” im Jülicher Land

Mit Salz gegen „Barbara” und „Daisy” im Jülicher Land

Von: gep
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In der Fahrerkabine ist Fingerspitzengefühl gefragt: Streufahrzeug in Jülich. Foto: Horrig

Jülicher Land. Wenn die „Wetterschauer” des Bauhofs der Gemeinde Inden, die ab 4.30 Uhr auf den Beinen sind, Schnee oder Eis melden, „geht es ab 5.30 Uhr los”, sagt Marco Schmitz. Dann werden der Unimog, der in seinem Streugerät zwei Tonnen Salz bunkern kann und mit einem Schneeschild ausgerüstet ist, und das kleine Gehweg-Räumfahrzeug, das 50 Kilogramm Salz fassen kann, angelassen.

Zählt man die Fahrzeugbesatzungen und die „Fußtruppen” (Schmitz), die „handliche Salzstreuer” mit jeweils 60 Litern Salz bedienen, sind in der Regel neun von zehn Bauhof-Bediensteten auf den Straßen der Gemeinde im Einsatz.

Bereitschaftsdienst hat der Bauhof von November bis Ende Februar. Und der muss auch in den kommenden Tagen ran.

Nach „Barbara”, einem Skandinavien-Tief, das in den nächsten Tagen Dauerfrost ohne viel Schnee beschert, zieht das Tief „Daisy” von Osten her heran, das wieder mehr Schnee bringen soll.

Gerade hat Schmitz im Indener Rathaus wieder eine Fuhre Salz (24 Tonnen) in Duisburg bestellt. Gebunkert sind auf dem Bauhof derzeit 15 Tonnen im Silo und rund drei Tonnen in Säcken. Splitt wird in Inden nicht gestreut.

Lieferant der Indener ist die Deutschland-Tochter der Eurosalt Handelmaatschappij, Moerdijk/Niederlande. Der holländische Großhändler ist in Sachen Salz ein Voll-Sortimenter: Er liefert alles vom Streusalz für Privathaushalte bis zu Lecksteinen für Pferdeställe. Abnehmer findet Eurosalt aber auch in der Chemie-, Textil-, Kosmetik- und Keramik-Industrie sowie bei Öl- und Gaskonzernen.

Früh aus dem Bett

Früh aus den Betten dank „Barbara” und „Daisy” müssen auch die zwölf Männer vom Jülicher Bauhof. Von 5 bis 20 Uhr sind sie gemäß der Ortssatzung auf den Beinen. Bei heftigem Schneefall oder schnell überfrierender Nässe, so Leiter Markus Danz, werden an einem Tag 20 Tonnen auf insgesamt 160 Straßenkilometern ausgebracht. Ohne die 30-Kilometer-Zonen anzufahren, sind sind die Bauhof-Männer „mindestens” von fünf bis 12 Uhr auf Achse.

Die Jülicher setzen ein Salz-/Splitt-Gemisch oder Salz pur ein, davon sind 60 Tonnen bzw. 40 Tonnen zurzeit auf dem Bauhof in Koslar auf Lager. Das Salz wird ebenfalls von Eurosalt bezogen, der Splitt kommt aus der Vulkaneifel. Der Fuhrpark für den Winterdienst ist ansehnlich: zwei Lkw mit Streuaufsatz und Räumschild, zwei Traktoren mit Streuautomat und Schild sowie zwei Kleinlaster, die das Streugut auf der Pritsche transportieren, damit es per Hand an Bushaltestellen oder auf Gehwegen ausgebracht werden kann.

Besonders gefährlich wegen häufiger Schneeverwehungen und gefrierender Nässe ist im Stadtgebiet laut Danz die ehemalige K 20 zwischen Jülich und Welldorf. Langsam passieren sollten Autofahrer auch die Hanglagen in Bourheim, Kirchberg, Stetternich, Barmen und Koslar, rät Danz.

Aber im Vergleich mit höher gelegenen Regionen seien die winterlichen Straßenverhältnisse im Jülicher Land „nicht schlimm”. Das Problem sei vielmehr: „Rheinländer und Schnee können nicht miteinander.”

Auf Aldenhovener Gebiet ist, so Bauhof-Chef Leo Karduck, die Brücke über die Autobahn zwischen Schleiden und Langweiler „kriminell”. „Wenn es irgendwo glatt wird, dann dort.”

Mit Salz und Splitt sind die Aldenhovener „gut eingedeckt”, es wird von der Straßenmeisterei Jülich bezogen, auf dem Bauhof wird nur Sackware gelagert, derzeit sind es sechs Paletten.

Drehfreie Autobahn

„Seit Mitte voriger Woche sind wir heftig dran”, berichtet Karduck. Alle 20 Bauhof-Bediensteten sind bei Glätte „rund um die Uhr” in drei Schichten im Einsatz. Um alle Straßen in einem Durchgang zu räumen, sind drei bis vier Stunden erforderlich, bei Dauerschneefall können es 24 Stunden am Tag werden. Dass derzeit auf der Filmautobahn in Siersdorf, Europas größter Film-Kulisse für High-Speed-Autobahnszenen etwa für die RTL-Serie „Alarm für Cobra 11”, nicht gedreht wird, macht die Sache für den Bauhof leichter. „Da bin ich froh”, sagt Karduck, der sich auch selbst hinter das Steuer eines Streufahrzeugs setzt.

Exakt dosiert

Vom Steuerpult in der Fahrerkabine wird das Streugerät gelenkt. Die Menge kann exakt dosiert werden - von ein bis 40 Gramm/Quadratmeter. „Zu dick, zu dünn, zuviel - das bringt nichts.” Auch die Streubreite kann eingestellt werden. Berücksichtigt werden muss bei der Dosierung auch der Straßenbelag - also etwa Asphalt oder Steinpflaster. Das erfordert „Fingerspitzengefühl”, sagt Karduck. In Aldenhoven liegt die Dosierung zwischen vier und 20 Gramm pro Quadratmeter.

Es gelte, die Straße zu räumen und zugleich die Umwelt möglichst wenig belasten. Karduck: „Beides muss man hinkriegen.”

Auf dem Linnicher Bauhof gingen am Dienstag schon um vier Uhr die Lichter an, berichtet Rene Paffrath. Knapp 70 Straßenkilometer müssen die insgesamt 20 Bediensteten abfahren.

Die gefährlichsten Stellen für Autofahrer sind die Kreisverkehre in Linnich, die Strecke nach Rurdorf und die längeren Steigungen in Boslar und Körrenzig.

Nicht abgefahren werden, so der Sparbeschluss des Stadtrates, die Nebenstraßen, dafür, so Paffrath, „haben die meisten Bürger Verständnis”.
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