Mit MeteoViva kann sanfter geheizt werden

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In einem Schaltschrank im Keller des Technologiezentrums Jülich ist die kompakte MeteoViva-Box (unten) seit Dezember im Einsatz. Foto: gep
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Im Palmengarten des Technologiezentrums Jülich muss es der exotischen Pflanzen wegen immer mindestens 18 Grad warm sein. Die Temperatur regelt die Steuerungstechnik von MeteoViva-Geschäftsführer Dr. Stefan Hardt.

Jülich. Für die exotische Flora im Palmengarten des Technologiezentrums Jülich (TZJ) ist gesorgt. Um zu gedeihen benötigen die Palmen, Kakteen und Bananenstauden mindestens 18 Grad. Und damit auch in den anderen Räumen – das TJZ hat rund 12.000 Quadratmeter Nutzfläche – ein Wohlfühlklima herrscht, ist seit Dezember im Keller eine kompakte Box installiert, die den Betrieb der kompletten Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK) kontinuierlich und mit einer vorausschauenden Wettervorhersagesteuerung regelt.

Entwickelt wurde die Technik von der MeteoViva GmbH, die in der ersten Etage des TZJ residiert. Geschäftsführer Dr. Stefan Hardt: „Wir steuern jetzt die alte Anlage.“ Da noch kein komplettes Betriebsjahr verstrichen ist, kann Hardt den Einspareffekt durch „MeteoViva-Climate“ noch nicht beziffern. In vergleichbaren Gebäuden seien Einsparungen von bis zu 41 Prozent erzielt worden.

Schwachstelle der herkömmlichen Regelung sei, so Hardt, dass sie dem Wetter nur träge folgen könne. Ein Außentemperaturfühler reagiere immer nur auf aktuelle Werte, und bis die gewünschte Raumtemperatur erreicht werde, vergehe viel Zeit. Bei einer Fußbodenheizung etwa verstrichen bis zu sechs Stunden, bis die Wärme den Estrich und den Bodenbelag durchdrungen habe. Das Klima im Gebäude laufe daher dem Wetter ständig hinterher mit der Folge, dass hohe Temperatuschwankungen auftreten und meist zuviel geheizt und gekühlt werde. Das koste unnötig Energie.

„MeteoViva-Climate“ hingegen nutzt die Wettervorhersage der nächsten zwei bis drei Tage und arbeitet vorausschauend. Die Technik basiert auf einem europaweit patentierten Verfahren und deren Umsetzung in der Optimierungssoftware „LaCasa“.

Mathematische Simulation

Die Optimierung fußt auf der mathematischen Simulation aller Einflussgrößen, die das Raumklima bestimmen. Dazu zählen Energie- und Leistungspreise, Nutzung des Gebäudes und interne Last, Gebäudedesign und Bauphysik, lokales Wetter sowie die vorhandene Anlagen- und Regelungstechnik. Hardt: „Wenn man durch Simulation präzise vorhersagen kann, wie ein Gebäude auf die dynamischen Änderungen dieser Einflussgrößen reagiert, dann kann man mit intelligenten Steuerdaten sanfter heizen und kühlen und somit ein angenehmeres Raumklima schaffen. Auch sei „MeteoViva-Climate“, so Hardt, in der Lage, bei entsprechender Anlagentechnik die HLK-Komponenten gestaffelt nach den einzelnen Betriebskosten einzusetzen.

So werde etwa im Bereich Heizung zunächst die Betonkernaktivierung, dann die Heizkörper und schließlich die teure Temperierung über die Lüftung aktiviert. Mit seinen Eigenschaften sei das Produkt weltweit einzigartig.

„MeteoViva Climate“ ermöglicht es, „mit sehr geringen Investitionen jedes Gebäude – unabhängig von Alter und Nutzungsart – exakt nach Bedarf zu heizen, zu kühlen und zu lüften und dabei bis zu 40 Prozent der Energie- und Anschlusskosten einzusparen“. Die Amortisationszeit liege bei nur sechs bis 24 Monaten. „Optimieren statt investieren“, bringt es Hardt auf den Punkt. Die vor Ort installierte Hardware zur Ansteuerung der vorhandenen Anlagentechnik ist minimal. Softwarepflege ist nicht erforderlich, die Steuerdaten werden in einem Hochsicherheitsrechenzentrum berechnet und per ISDN, DSL oder UMTS ins Gebäude übermittelt.

Der Nutzer selbst kann über das MeteoViva-Portal die Betriebsdaten ablesen und die gewünschten Klima-Daten selbst in einzelnen Zonen einstellen. Hardt verweist zudem auf die weitaus höheren Kosten einer energetischen Gebäudesanierung, deren Amortisation oft bei zehn oder 15 Jahren liege. Das schrecke viele Immobilienbesitzer ab. Er optiert dafür, mit „MeteoViva-Climate“ zunächst die Betriebskosten zu senken, um mit den eingesparten Beträgen dann die teurere energetische Gebäudesanierung zu finanzieren.

Mit dem Jülicher Verfahren hat die Hauptstelle der Sparkasse Düren ihre Energiekosten um 25 Prozent gesenkt. In einer hochmodernen Halle des ICE-Werkes der Deutschen Bahn in Krefeld (Baujahr 1998) wurden die Heizkosten um 41 Prozent gesenkt, im Finanzzentrum Aachen (Baujahr 2005) um 17 Prozent.

Die Idee und der Kern des Simulationsverfahrens wurde von Dipl-Ing. Markus Werner, ebenfalls MeteoViva-Geschäftführer, am Solarinstitut Jülich seit 1997 maßgeblich mitentwickelt. Hieraus gingen die Firmengründung und die gemeinsame Produktentwicklung hervor.

Derzeit zählt das Unternehmen elf Mitarbeiter, „bis zum Jahresende werden es 15, vielleicht 16 sein“, schildert der Geschäftsführer. „Unser Fokus sind große, meist gewerblich genutze Objekte.“ Mit steigender Nachfrage könnten zwar mehr Ingenieure beschäftigt werden, für eine flächendeckende Betreuung der Kunden im In- und Ausland sei aber eine lokale Präsenz vor Ort unerlässlich. Um wachsen zu können, arbeite MeteoViva daher mit Lizenznehmern zusammen, die das Produkt vertreiben und an das jeweilige Gebäude anpassen.

„Unsere Lizenznehmer verfügen meist über langjährige Beziehungen zu potenziellen Kunden.“ „Die Sache fängt an, richtig Fahrt aufzunehmen. Neue prominente Adressen kommen hinzu.“ Darunter sind Handelsketten und Versicherungskonzerne. Dann geht es im Einzelfall um Gebäude mit 50 000 Quadratmetern.

„Und hier in Jülich fühlen wir uns pudelwohl. Das Technologiezentrum Jülich bietet uns ideale Bedingungen, um hier zu wachsen“, sagt Hardt.

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