Mit der Flucht aus Syrien ist die Not nicht zu Ende

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Helmut Ruettgers (l.) vom Asylkreis Inden unterstützt Algribi Abdulrassak bei der Suche nach den Söhnen. Foto: Mengel-Driefert

Inden. Die Flüchtlingsströme reißen nicht ab. Auch im Jülicher Land steigt die Zahl der Menschen, die in ihren Heimatländern um ihr Leben fürchten müssen. Algribi Abdulrassak, 46, ist die Flucht gelungen. Irgendwie hat er es geschafft und ist in Inden angekommen. Doch Ruhe kann er nicht finden, seine Geschichte, die ihn Hals über Kopf zur Ausreise zwang, lässt ihn nicht los.

Ebenso wenig die Sorge um seine Kinder und die Trauer um seine Ehefrau.

Abdulrassak ist in Etlip in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus geboren. Dieser Ort ist seit Generationen das Zuhause seiner Familie. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Taxifahrer. Aus heiterem Himmel wurde er plötzlich verhaftet. Warum? Er weiß es bis heute nicht, sagt er, und vermutet, die falschen Leute gefahren zu haben. Im Rückblick berichtet er von täglichen Verhören, die Peiniger verlangten Auskünfte über Leute, die er nicht kannte. Schläge folgten, der Tod wurde ihm angedroht.

Das Martyrium hatte am 25. Mai ein Ende. An diesem Tag wurde er kurzerhand vor die Tür gesetzt. In großer Angst flüchtete er aus Syrien, erreichte drei Wochen später Deutschland. Doch anstatt sich in Sicherheit zu fühlen, holte ihn der Krieg auch in Deutschland ein. Nur wenige Tage später erreichte ihn eine SMS mit einem Bild seiner verstorbenen Ehefrau. Wie sie zu Tode gekommen ist und warum weiß er nicht. Krank sei sie nicht gewesen, Abdulrassak kann sich das nicht erklären. Drei Söhne hat sie zurückgelassen, sie verbleiben nun ohne Eltern im Kriegsgebiet. Familie und Freunde helfen zwar so gut es geht, doch wünscht er sich, dass die Kinder in Sicherheit sind.

Immer die selbe Antwort

Abdulrassak setzt alle Hebel in Bewegung. Er sucht Hilfe – händeringend. Helmut Ruettgers vom Asylkreis Inden kümmert sich, setzt sich für ihn ein, telefoniert mit Bundestagsangeordneten aus der Region aller Parteien, mit dem Kreis, mit der Landesmigrationsstelle. Das Ziel: Die Kinder auf dem schnellsten Wege nach Deutschland zu holen. Ruettgers berichtet, er habe immer wieder die selbe Auskunft erhalten: „Es ist nicht möglich, einen Fall vorzuziehen, die entsprechenden Stellen sind überlastet.“

Obwohl syrische Flüchtlinge derzeit zügig im Asylverfahren behandelt werden, gibt es ein bürokratisches Prozedere, das vor einer Familienzusammenführung durchlaufen werden muss. Die Anhörung soll Ende September sein. Dem Familienvater erscheinen vier Wochen endlos. Er kann nur warten und hoffen. Trotzdem bleibt der Asylkreis nicht untätig, möchte ein Zeichen setzen mit der Aussage „Wir tun was“.

In diesem Sinne sucht Ruettgers nach einem arabischsprechenden Psychologen. Aktuell sei das die einzige Hilfe, um das Erlebte zu verarbeiten. „Wir als Asylkreis können das nicht bewerkstelligen.“ Kontakt: Helmut Ruettgers, Telefonnummer 01577/5871267.

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