Mit dem Rad: Erst Mammut-Tour, dann Bodensee-Radmarathon

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Er fährt und fährt und fähr
Er fährt und fährt und fährt: Eckhard Siegert aus Krauthausen plant auch für das kommende Jahr ausgedehnte Abenteuer auf dem Drahtesel.

Jülich. Eckhard Siegert, der Senior aus Krauthausen, ist im Spätherbst auf seinem Drahtesel noch einmal auf großer Tour gewesen. Sein Ziel: Er wollte wenigstens einmal am Bodensee-Radmarathon teilnehmen.

Dabei sollte jedoch zum einen die Teilnahme am 220 Kilometer langen Radmarathon gut überlegt sein und zum anderen die keinesfalls einfache Anfahrt zum zweitgrößten Binnensee Mitteleuropas, und zwar von Krauthausen aus. Beides sind große Herausforderungen, denn trotz des unvergesslichen Abenteuers lauern Risiken laut Siegert zu dieser Jahreszeit an allen Ecken. „So lange das Feuer noch brennt, kann man auch noch ein Süppchen darauf kochen”, begründet der 69-Jährige seinen Mut zur Mammut-Tour.

Das Tageszeitfenster ist klein, morgens wird es spät hell und abends ist es zeitig dunkel, die Äcker sind aufgepflügt, die fliegenden Blätter kündigen den Herbst an und der Morgen auf dem Rad beginnt im Nebel gerade mal mit schlappen acht bis zehn Grad.

Jeden Tag gut 200 Kilometer Tagesleistung, mit zwar leichten, aber aufgepacktem Rad, sind kein Pappenstiel. Alles zusammen macht das in drei Tagen bis Stein am Rhein in die malerische Schweiz zum Startort genau 620 Kilometer. Und dann wartet schließlich noch der Radmarathon mit seinen 220 Kilometer und seinen 850 Höhenmetern auf. Da hilft nur: Spaß haben und trotzdem lachen!

Etappenziele auf der Dreitageanfahrt sind die gastlichen Jugendherbergen Bingen, gegenüber vom vielbesungenen Rüdesheim am ersten Tag, die JH-Pforzheim-Neudillweißenstein, bereits im nördlichen Schwarzwald, am zweiten Tag und die JH-Stein am Rhein, dem malerischen Städtchen am Bodensee-Ausfluss am dritten Tag. 14 DIN-A4-große, spartanische, gewichtssparende Buntkopien als Landkarten sind das Herzstück der Straßensuche von der Rur bis zum Bodensee.

Aus der Schrottkiste

Es gibt genug zu tun, die Zeit ist wertvoll, Strampeln, Wege suchen, Essen, Schlafen und Defekte beheben, so ist der Tagesablauf vorgegeben. In Worms brach beispielsweise das für die Berge wertvolle Pedalkörbchen des 20 Jahre alten Plattenpedals ab und wurde fast wie ein Sechser im Lotto in eines Fahrradhändlers Schrottkiste gefunden. Auch der Kilometerzähler gab seinen Geist im Schwarzwald auf und musste schnell erneuert werden und die 20 Millimeter schmalen Hochdruckreifen mit 10 Bar Druck wollten bedingt durch immer schlechter werdende Straßen nicht mehr weiterfahren.

Drei Etappen

So bestand die Freude aus der vorbeirauschenden Natur, die jedoch unter Strapazen nur der Geübte wahrnimmt. Das sind am ersten Tag unsere schöne Eifel, das Rotweinflüsschen Ahr und die schönsten unzähligen Schleifen des Rheines mit seinen Schlössern und Burgen. Weiter sind es die umfangreichen Weinflächen des Rheinhessischen Hügellandes mit der Fortsetzung der Weinstraße, den geschichtsträchtigen Städten Worms und Heidelberg und die Silberstadt Pforzheim, bereits im Nordschwarzwald. Der letzte Tag ist die schwerste Etappe. Sie führt durch den Schwarzwald, mit seinen sehenswerten Schwarzwaldhäusern, tiefen Tälern und Anstiegen über Freudenstadt, Tuttlingen, Engen und Singen nach Stein am Rhein in der Schweiz.

Nach einem Ruhetag, denn Körper und Geist brauchen auch etwas anderes, erfolgt morgens um sieben Uhr, noch fast im Schummerlicht und im kalten Nebel, der Start zum 39. Bodenseemarathon. Das Essen und Trinken nicht vergessend, denn sonst ist der Ofen aus, geht es mit hoher Geschwindigkeit über Radolfzell, Konztanz, dem malerischem Meersburg, der Zeppelinstadt Friedrichshafen entgegen, um das bayerische Lindau herum ins österreichische Bregenz, dem äußersten Ende des Sees.

Nur nicht schlapp machen lautet die Devise. Andere kochen auch nur mit Wasser, denn das Schweizer Südufer ist noch lang. Erst am Nachmittag ist wieder Land in Sicht, nochmals Konztanz, Steckborn und Stein am Rhein, das Ziel ist erreicht. Eins ist sicher, die Fahrt zum und um den Bodensee war ein Traum in Farbe und Ersatz genug. Ein schönes Trikot und eine Goldmedaille wertet die Leistung obendrein noch auf.

Am anderen Morgen geht es mit dem Rad wieder nach Singen, denn ab dort fährt 9:32 Uhr der IC nach Köln. Besonderes Highlight, die Fahrt im Führerstand der Lok über St. Georgen, Triberg und Homberg (Homberger Schießen) mit seinen vielen Schwarzwaldschleifen von 900 Metern hinab in die Rheinebene und durch das herrliche Rheintal bis in den Kölner Hauptbahnhof waren ein krönender Abschluss der 39. Bodensee-Rundfahrt und ist fast so nicht zu wiederholen.
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