Rödingen - Mit dem Mountainbike in ein neues Leben

Mit dem Mountainbike in ein neues Leben

Von: Antonius Wolters
Letzte Aktualisierung:
mountain3-
Nach einem Kreislaufkollaps sein Leben umgekrempelt: Günter Reitz aus Rödingen betreibt den Mountainbike-Marathon inzwischen als Leistungssport. Foto: Wolters

Rödingen. Als Mountainbiker ist Günter Reitz aus Rödingen ein Exot im Flachland, wo sich vornehmlich Straßenrennfahrer abstrampeln. Nach Platz drei im vergangenen Jahr bei den Deutschen Meisterschaften musste Reitz am vergangenen Wochenende bei der DM im Mountainbike-Marathon in Garmisch-Partenkirchen mit Rang elf in seiner Altersklasse vorlieb nehmen.

„Das war nicht unbedingt meine Strecke”, kommentiert er das Hochgebirgs-Profil mit extremen Anstiegen über 500 bis 800 Höhenmetern.

Der Boom des Breitensports Mountainbiken hat auch die Leistungsspitze erreicht, denn die Starterzahlen haben sich in den letzten Jahren verdoppelt, so Reitz.

Neben dem von ihm bevorzugten Marathon-Rennen über 90 bis 120 Kilometer, bei denen 2500 bis 3000 Höhenmeter zu überwinden sind, absolvieren die Cross Country-Spezialisten kürzere Distanzen. Diese Disziplin wird sogar bei Olympia gefahren.

Kreislaufkollaps

Auslöser für die Mountainbike-Begeisterung von Günter Reitz war ein Schlüsselerlebnis: 2003 hatte der selbstständige Ingenieur neben beruflichem Stress auch gesundheitliche Probleme, die in einem Kreislaufkollaps gipfelten.

„Ich hatte das Gefühl: So kann es nicht weitergehen”, blickt der 43-Jährige auf die damalige Situation zurück. Bei den Bemühungen, sein Leben umzukrempeln, habe auch der Sport viel beigetragen, auch wenn er das Mountainbiken seit 2005 ambitionierter betreibt und seither extrem die sportliche Schiene fährt.

Muskeln aufgebaut

Das ist inzwischen deutlich sichtbar. Günter Reitz hat mit dem Rauchen aufgehört, trinkt fast keinen Alkohol mehr, ernährt sich gesünder, hat sein Gewicht von 90 auf 75 Kilogramm reduziert und dabei reichlich Muskelmasse aufgebaut. Allein fürs Training sitzt er 15 bis 25 Stunden pro Woche im Fahrradsattel.

„Die Sophienhöhe ist für mich ein Glücksfall - mehr braucht man nicht”, kann er zudem gleich vor der Haustür Anstiege üben, die sonst nur in Mittelgebirgen wie Eifel oder Sauerland geboten sind. Doch der Marathon-Spezialist schwingt sich nicht nur aufs Crossrad, sondern absolviert etwa die Hälfte seines Ausdauertrainings auf einer Rennmaschine, mit der er „Kilometer schrubbt”.

Rennen fährt Reitz für das „Team Firebike Roetgen”. In der Saison zwischen April und September sind die acht Fahrer fast jedes Wochenende unterwegs. Mountainbiken ist zwar eine Einzeldisziplin, doch das Team vermittelt dem 43-Jährigen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und stellt mit der Hilfe von Sponsoren eine gewisse Infrastruktur zur Verfügung.

Dazu gehören neben Rennkleidung, Startgeldern und einem Teil der Fahrtkosten auch jede Saison ein neues Bike. Das technisch praktisch identische Vorjahrsmodell wird dann fürs Training genutzt. „Man muss nicht das letzte Gramm ausreizen”, legt Ingenieur Reitz mehr Wert auf robustes Material, das bei den Strapazen der Marathon-Rennen weniger Defekte hat. Gleichwohl ist sein 9,8-kg-Bike mit 27 Gängen und hydraulischen Scheibenbremsen ein technischer Leichtbau-Leckerbissen.

Zwar hat er auch beim eigenen Körper auf „Leichtbau” umgestellt, doch am Tag vor Rennen darf es mehr sein. Ansonsten ist die Ernährung normal, selbst wenn jetzt mehr Grünes auf dem Teller liegt.

Im Sattel füllen Powerriegel die Energiespeicher wieder auf und reichlich Flüssigkeit. Im Training gibts Wasser, isotonische Getränke nur bei Rennen. Auf diese Weise wird dem Körper signalisiert, dass er mehr zu leisten hat.

Auf die Straße

Gerne würde Günter Reitz, der die Rennlizenz über die Radsportabteilung des SV Rödingen-Höllen gebucht hat, sein Wissen über das Mountainbiken an Jugendliche weitergeben - vielleicht, damit diese Sportart hierzulande nicht gar so exotisch bleibt. Gleichwohl startet der Rödinger Mountainbiker bei der Senioren-DM, die sein Heimatverein ausrichtet, bei einem Straßenrennen. Natürlich nur ausnahmsweise.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert