Mit Cognacflasche und in Gummistiefeln

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
Voller Erfolg in Jülich: In s
Voller Erfolg in Jülich: In seinem ersten Soloprogramm stimmt die Chemie zwischen Hastenraths Will und dem Publikum im voll besetzten „Krönungssaal” im KuBa. Foto: Jagodzinska

Jülich. Vor seinem ersten Soloprogramm vor dem „hochattraktiven und anspruchsvollen Jülicher Publikum”, hatte Hastenraths Will Lampenfieber, was er allerdings seinen Gästen erst gegen Ende des „humorgeschwängerten Abends” eingestand. Griff er vielleicht deshalb gleich zu Anfang zu seiner „Düschardeng”-Flasche, während er auf die Nachricht vom erfolgreichen Kalben seiner Milchkuh Gertrud wartete?

„Das Büffet ist eröffnet” erwies sich als gelungener Mix aus frecher Comedy mit einer Prise hintergründiger Gesellschaftssatire. Von der ersten Minute an hatten die Hastenrath-Fans im ausgebuchten „Krönungssaal des Kulturbahnhofs” richtig viel Spaß.

Erlebnisbushaltestelle

Mit Fremdwörtern und korrekter Grammatik hat Will es nicht so, vielleicht war deshalb sein Auftritt von Anfang an von Lachsalven geschwängert.

Mit olivgrünem Käppi auf dem Kopf, in Anorak und Gummistiefeln, seinen Cognacschwenker in der Hand, erzählte er scheinbar völlig unbedarft im „schönen Haufendorf Jülich”: Von seinem politischen Schaffen als „chasmatischer” Ortsvorsteher und davon, dass er ehrenamtlich „enschargiert” sei in der heimischen KG „Föttchesföhler”. Wahre Lachkrämpfe begleiteten den Vortrag einer seiner „großen Reden” zur Einweihung einer „Erlebnisbushaltestelle”.

Eines war ihm besonders wichtig: „Keiner von Sie soll heute dööfer nach Hause gehen als wie er gekommen ist”. Vor behaglicher Wohnzimmerkulisse schweifte er von lokalen Aberwitzigkeiten in globale Themenkreise, deren Hintergründe er augenscheinlich selbst gerade erst durchschaut hatte.

Wie ein roter Faden durchlief das Thema Liebe „im körperlich interessanten Sinn” die Comedy-Veranstaltung, von „Emanzenpation” über Homosexualität bis hin zu Fesselspielen. Weil sich niemand zu Wort meldete, solche zu kennen, sprach der Ortsvorsteher Hastenrath Jülich seine Hochachtung aus.

Zwischen diversen Gesprächen auf Wills überdimensional großem Handy mit dem heimischen Hof kamen wiederholt die Dessous-Partys seiner Frau oder das Fernsehprogramm mit begleitender „Satelliten-Empfängnisanlage” zur Sprache. Der Entertainer, der sich „am besten lesend auf dem Klo entspannen kann”, klärte auf über die „Seelenwanderung” im Zusammenhang mit Weltreligionen wie Buddhismus und Hinduismus und verglich das spirituelle Konzept Karma mit „Paybackpunkten”.

Auch die Jesus-Statue musste sich augenzwinkernde Vergleiche mit der des lachenden Buddhas gefallen lassen, der so unrühmlich auf dem „Lokussitz” sein Leben gelassen habe. Als Frauenkenner und unterschätzter Visionär erwies sich der Solo-Comedian mit drei Tipps zum Thema „Was Frauen wollen: Immer so tun, als wenn man zuhört, immer das anziehen, was man rausgelegt kriegt und immer auf die Frau eingehen”.

Im Comedy-Programm des erfahrene Kuh- und Schweinebauern, nunmehr als einziger im lokalen Umfeld, durfte ein humorvoller Vergleich zwischender klassischer Viehhaltung mit engem Verhältnis zum Tier und dem „anonymen Stück Fleisch ohne Gesicht” aus der Massentierhaltung nicht fehlen. Obwohl auch hierbei der Spaßfaktor nicht fehlte, überwog bei diesem Thema die Nachdenklichkeit seiner Zuhörer vor dem reinen „Ablachen”.

Will verabschiedete sich mit „acht Zeilen für Jülich” bei seinem tollen Publikum, dem er mit reichlich Poesie sagen wollte: „Was wäre ich ohne Euch!?”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert